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Rekordzahl bei Einsätzen

Was eine Feuerwehr zu leisten hat

Starnberg - Die Anforderungen an eine Freiwillige Feuerwehr steigen praktisch jedes Jahr. Die Starnberger Wehr hatte 2015 so viele Einsätze zu leisten wie nie zuvor. Viele wären vermeidbar gewesen. Zudem hat die Zahl der Ehrenamtlichen in den Jahrzehnten eher ab- als zugenommen.

Rekorde bei Einsatz- und Stundenzahlen, Brände an Heiligabend, Sicherheitswachen bei Abendveranstaltungen – der Jahresbericht der Starnberger Feuerwehr zeigt, was eine Freiwillige Wehr auszuhalten hat. Bei der Jahresversammlung verloren die Aktiven vom Kommandant Christian Reichert darüber kein Wort. Doch weswegen wurde die Feuerwehr 2015 überhaupt alarmiert?

487 Einsätze stehen in der Statistik, bei denen die rund 60 Aktiven 3638 Stunden unterwegs waren. Das sind pro Ehrenamtlichen rund 60 Stunden, also mehr als eine Stunde pro Woche. Dazu kommen Übungen und Ausbildungen – macht für die gesamte Wehr nochmals 2302 Stunden. Was die blanken Zahlen nicht zeigen: Viele Einsätze sind nachts, bei bei denen am Tage müssen die Ehrenamtlichen von der Arbeitsstelle weg.

Betrachtet man die Einsatzanlässe genauer, fällt auf: Es passiert nicht mehr als früher, die Feuerwehr wird ganz offensichtlich nur öfter gerufen – auch, weil sie heute Aufgaben übernimmt, die es früher nicht gab oder die eine geringere Bedeutung hatten. Umweltschutz zählt heute mehr, weswegen auch kleine Ölflecken nach Unfällen beseitigt werden müssen. Die Anspruchshaltung ist nach Erfahrung der Feuerwehrler gestiegen: Früher räumten manche Äste bei einem Sturm noch selber weg, heute wird die Feuerwehr geholt. Das gilt auch für vollgelaufene Keller, und es ist nicht nur ein Starnberger Phänomen. Kreisbrandrat Markus Reichart hatte schon vor längerem den Begriff des „besseren Hausmeisterservice“ geprägt, für den manche die Feuerwehr zu halten scheinen.

Nur ein Viertel sind Brände

115-mal wurde die Wehr wegen ihres eigentlichen Zwecks alarmiert – einem Brand. Der größte war das Bootshaus des MYC, 40 Ehrenamtliche waren dort zusammen 200 Stunden im Einsatz. Mittelgroße Brände gab es mehrere, etwa Autos am Bahnhof Nord, Schuppen in der Innenstadt oder Küchen in Wohnhäusern. 58-mal waren Brandmeldeanlagen der Grund, und in der Regel sind es Fehlalarme. 17-mal fuhr die Wehr zum Malteserstift, wobei dort schon mal Weihrauch oder eine Shisha-Pfeife den Rauchmelder verwirrten. 13-mal war es das Klinikum, berichtete Reichert, nicht selten wegen Wasserdampf aus einem Wäschetrockner.

Mehr als die Hälfte der Einsätze sind schon seit Jahren Technische Hilfeleistungen. 297 waren es in 2015 – vor allem am 31. März durch Orkan Niklas. Schwere Unfälle sind zum Glück selten, fallen aber auch unter diese Kategorie. Wie jener Mitte August, als nördlich der Waldkreuzung ein Pkw gegen einen Unimog prallte. Insgesamt gab es 21 Unfälle, bei denen die Hilfe der Feuerwehr benötigt wurde. Allerdings zeigt sich dabei auch, dass die Polizei ebenfalls mehr zu tun hat – früher regelte sie oft den Verkehr, was heute Feuerwehrler übernehmen. 43 Ölspuren weist Reicherts Statistik zudem aus und 20 Wohnungsöffnungen, durch die die Wehr Hilfe für hilflose oder gestürzte Menschen ermöglichte. Dreimal trat Gas aus, in sieben Fällen rettete die Wehr Patienten mit der Drehleiter aus Gebäuden. Fünfmal leuchtete sie Hubschrauberlandeplätze aus.

Freiwillige sind immer willkommen

Neben diesen Grundaufgaben übernehmen die Ehrenamtlichen auch freiwillige Aufgaben. Zu den 65 Fällen im vorigen Jahr zählten die Weihnachtsbeleuchtung, Brandschutzunterricht in Schulen und Kindereinrichtungen, Maibaumkontrollen und einiges mehr. Neunmal waren Feuerwehrler vorsorglich bei Veranstaltungen in der Schlossberghalle dabei, falls es brennt.

Die Personalstärke hat in den vergangenen Jahrzehnten abgenommen, auch wenn die Stadt die Zahl der hauptamtlichen Gerätewarte auf inzwischen fünf erhöht hat. Freiwillige sind daher immer willkommen. Heute, Mittwoch, ist Übungsabend im Gerätehaus an der Ferdinand-Maria-Straße. Wer sich fürs Ehrenamt bei der Feuerwehr interessiert, ist dort um 19 Uhr ein gern gesehener Gast. Interessierte können sich auch telefonisch melden unter (0 81 51) 9 04 20.

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