Ruag-Flugzeugbauer bei der Arbeit: Durch Übernahme eines Geschäftsbereichs durch General Atomics Europe bleiben 450 Arbeitsplätze erhalten.
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Ruag-Flugzeugbauer bei der Arbeit: Durch Übernahme eines Geschäftsbereichs durch General Atomics Europe bleiben 450 Arbeitsplätze erhalten.

Nach monatelangen Verhandlungen

Schweizer Rüstungskonzern Ruag: Übernahme sichert 450 Arbeitsplätze

Seit Monaten stand der Schweizer Rüstungskonzern Ruag in Verkaufsverhandlungen. Seit Freitag ist es offiziell: Die Technologiegruppe General Atomics Europe übernimmt Teilbereiche von Ruag International in Oberpfaffenhofen. Für 450 Mitarbeiter ist dies eine gute Nachricht.

Oberpfaffenhofen – Als in Oberpfaffenhofen vor elf Jahren wieder die erste DO 228 der neuen Generation über das Flugfeld rollte, war die Freude groß. Erstmals seit 1998 wagte sich wieder jemand an die Produktion heran, nachdem Fairchild Dornier 2002 Insolvenz angemeldet hatte. Dabei gilt die kleine Maschine als robust und universell einsetzbar, also als Militärmaschine ebenso wie als Passagierflugzeuge. Doch gerechnet hat sich das offensichtlich nicht. Im Sommer sprach sich herum, dass Ruag die DO 228 nicht mehr bauen, sondern den Zweig verkaufen will. Nun sind sich Ruag International und General Atomics (GA) Europe einig geworden. Über den Preis und vertragliche Modalitäten ist Stillschweigen vereinbart. Die 450 Mitarbeiter jedoch, die in dem Geschäftsbereich tätig sind, werden übernommen, so das Unternehmen Ruag.

Betroffen sind alle Geschäftstätigkeiten rund um Wartungsarbeiten für Privatflugzeuge und militärische Luftfahrt – und damit auch die DO 228. „Wir freuen uns sehr, mit General Atomics Europe einen erfahrenen Industriepartner gefunden zu haben, der beste Voraussetzungen mitbringt, die Geschäftstätigkeiten am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen erfolgreich weiterzuführen“, wird Felix Amann, Geschäftsführer der Ruag Aerospace Service GmbH, in einer Pressemitteilung zitiert. Den Standort mit seinen 450 Mitarbeitenden in eine gesicherte Zukunft zu führen, sei die oberste Priorität von Ruag International.“ Harald Robl, Geschäftsführer von General Atomics Europe, ergänzt: „Wir sind uns der Herausforderungen bewusst, die eine Übernahme dieser Größenordnung gerade im Bereich der Luftfahrt inmitten der aktuellen Corona-Krise bedeutet.“

Dank auch an die Staatsregierung

General Atomics Europe sei jedoch wirtschaftlich robust aufgestellt. Zudem habe man ein Zukunftskonzept entwickelt, das für GA-Europe und den künftigen neuen Standort Oberpfaffenhofen eine klassische Win-Win-Situation schaffe. „Wir sind vom großen Potenzial dieses Unternehmens und seiner Mitarbeiter überzeugt und wollen Oberpfaffenhofen perspektivisch zum europäischen Luftfahrtkern der General Atomics Europe Gruppe weiterentwickeln.“ Dank geht an die Bayerische Staatsregierung, insbesondere Staatssekretär Roland Weigert vom Bayerischen Wirtschaftsministerium, der den Prozess unterstützt habe.

Die Ruag spricht von einem weiteren, wichtigen Schritt für Ruag International auf dem Weg zu einer Neuausrichtung. „Der Verkauf der Firmenteile erfolgte in Übereinstimmung mit dem am 15. März 2019 vom Schweizer Bundesrat genehmigten Konzept zur Entflechtung“, heißt es weiter. Die vom Verkauf betroffenen Geschäftstätigkeiten seien alle im Geschäftsbereich MRO International zusammengefasst gewesen, dessen Unternehmensteile zukünftig alle devestiert werden sollen. Bereits im Juli 2019 habe man die beiden auf Business Jets spezialisierten Standorte an den Flughäfen Genf-Cointrin und Lugano-Agno veräußert. Käufer der beiden Standorte war der französische Luft- und Raumfahrtkonzern Dassault Aviation.

Am Standort Oberpfaffenhofen beschäftigt Ruag International weiterhin 800 Mitarbeitende für den Flugzeugstrukturbau (RUAG Aerostructures) – „dieses Unternehmenssegment ist von dem Verkauf nicht tangiert“, so Pressesprecher Clemens Gähwiler. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger begrüßte die Übernahme: „Sie sichert 450 Arbeitsplätze in Oberpfaffenhofen. Es ist wichtig, dass die Fachkräfte und das Knowhow in Bayern erhalten bleiben.“

Bei der Wirtschaftsfördergesellschaft gwt sorgt die Verkaufsnachricht für gute Laune: „Wir sind froh, dass es einen Käufer gibt und die Arbeitsplätze gesichert sind. Es ist ein Ausrufezeichen für die Zukunft des Standorts“, sagte Geschäftsführer Christoph Winkelkötter. Die gwt hatte mit dem Käufer schon seit Monaten Kontakt.

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