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Herausragende Ergebnisse erruderte der Nachwuchs des MRSV in der vergangenen Saison. 

Rudern

Die beste Saison seit 106 Jahren

Starnberg - Die Ruderer des MRSV „Bayern“ haben in der vergangenen Saison Erfolge wie nie zuvor seit Gründung des Vereins gefeiert.

Eigentlich hatte der Masterplan von Thomas Thallmair vorgesehen, dass die Ruderer des Münchener Ruder- und Segelvereins erst im kommenden Sommer richtig durchstarten. Aber so lange musste sich der Trainer der „Bayern“ gar nicht gedulden. Sein Konzept war so durchschlagend, dass es in der abgelaufenen Saison nur so Erfolge regnete. „Es war der beste Sommer des MRSV seit seiner Gründung vor 106 Jahren“, schwärmt Thallmair. Der Coach kam schwer ins Schwitzen, bis er bei der Weihnachtsfeier des Clubs all seinen Schützlingen gratuliert hatte. 101 Siege feierte der Verein von der Starnberger Seepromenade in der abgelaufenen Saison.

Auch wenn die meisten von ihnen auf Regatten im Freistaat oder in Österreich errungen wurden, zeugt die stolze Bilanz vom frischen Wind, der auf dem Clubgelände herrscht, seit Thallmair vor drei Jahren das Steuer wieder in die Hand genommen hat. „Wir haben ein mehrgleisiges Trainingsprogramm durchgezogen“, sagt der Übungsleiter. Davon haben sowohl der Nachwuchs als auch die Master profitiert.

Die Erfolge waren hart erkämpft. Bei den Bayerischen Meisterschaften feierten die Starnberger insgesamt 18 Titel. So eine Bilanz hatte es noch nie zuvor von einem Verein gegeben, seit der Wettkampf 1971 offiziell eingeführt wurde. Da war es nur konsequent, dass die Medaillenschmiede auch von oberster Ebene Lob und Anerkennung für ihre Arbeit erhielt. Zum zweiten Mal innerhalb von sieben Jahre bekam der MRSV den Nachwuchspreis der bayerischen Ruderjugend für sein Engagement bei den Elf- bis 16-Jährigen verliehen.

Thallmair nimmt diese Auszeichnung zwar gerne entgegen, aber er lässt sich davon nicht blenden. Wer in Bayern Leistungssport betreiben will, muss sich mit vielen Widrigkeiten herumschlagen. Starnberg ist da noch die Insel der Seligen. Die Zusammenarbeit mit dem Starnberger Gymnasium funktioniert schon seit Jahrzehnten hervorragend. „Wir kriegen große Unterstützung“, bedankt sich der Trainer bei den Verantwortlichen. Aber er weiß, dass ein solch verständnisvolles Entgegenkommen nicht überall die Regel ist. Dann wird es schwer, die Schüler für die Regatten vom Unterricht zu befreien.

Bei Theresa Roth haben sich die freien Tage ausgezahlt. Mit elf Siegen, davon drei Titeln bei den Bayerischen Meisterschaften, war die 14-Jährige die erfolgreichste Ruderin des MRSV im vergangenen Jahr. Ihr am nächsten kam Philipp Mantz (10), der mit Georg Roth einen erfolgreichen Doppelzweier bei den unter 18-jährigen Jugendlichen bildete. Die beiden Gymnasiasten, die in diesem Jahr ihr Abitur mit Bravour bestanden, scheiterten nur um drei Hundertstel am Finaleinzug bei den Deutschen Meisterschaften. Insgesamt wurden sie Achte. „Das ist sagenhaft“, sagt Thallmair. Er ist von seinem Team begeistert, das trotz der schulischen Belastung elf Mal in der Woche trainierte.

So eine nachhaltige Kooperation wie mit dem Gymnasium Starnberg würde sich Thallmair auch gerne mit den Universitäten wünschen. Die Realität sieht aber so aus, dass viele seiner Talente, die er über Jahre aufgebaut hat, mit dem Leistungsrudern aufhören müssen, wenn sie an die Hochschulen ziehen. „Wenn du in Bayern studierst, passt das nicht mit Leistungssport zusammen“, stellt der Coach klar.

Deshalb ist die Zukunft der beiden größten Talente des MRSV zumindest fraglich. Hans Roth und der Kauferinger Theis Hagemeister haben in der vergangenen Saison bei den Deutschen Meisterschaften einen sensationellen vierten Platz im Doppelzweier der unter 23-Jährigen belegt und damit bewiesen, dass sich auch in der Provinz abseits der Bundesleistungszentren ausgezeichnete Athleten formen lassen. „Beide trainieren im Moment zwar“, räumt Thallmair ein, „aber wie es weitergeht, hängt von der Universität und ihrem Studium ab.“ So bleibt ungewiss, ob die beiden 19- beziehungsweise 20-Jährigen noch das nötige Programm von elf Trainingseinheiten in der Woche bestreiten können.

Es fehlt aber nicht nur an einem staatlichen System, das Sport und Ausbildung miteinander synchronisiert, auch die Infrastruktur ist nur mehr rudimentär ausgebildet. Zwischen Frankfurt und München gibt es keinen einzigen Ruderstützpunkt, von einem Bundesleistungszentrum ganz zu schweigen. „Wenn du nicht in Hamburg oder Dortmund studieren willst, geht es nicht.“ Thallmair beklagt, dass es keine übergeordnete Förderung für seine Schützlinge gibt.

Als Alternative bleibt seinen Athleten nur der Weg ins Ausland. Theresa Gadilhe studiert in den USA und sitzt im ersten Achter des Institute of Technology in Melbourne, Florida. „Da muss ich schon eine gewaltige Leistung bringen“, rühmt Thallmair die Entwicklung seiner ehemaligen Athletin, „in Deutschland würde das der Nationalmannschaft entsprechen“. Die Bedingungen an ihrem College sind nahezu paradiesisch. Bevor die Vorlesungen beginnen, hat Gadilhe bereits die erste Trainingseinheit absolviert. Nach dem Unterricht steht wieder Sport an. „Da stellt sich die Frage, warum das bei uns nicht möglich ist.“

Der allgemeinen Lethargie in Deutschland zum Trotz setzt der MRSV auf einen Gegentrend. Der Verein stellte im abgelaufenen Jahr dem Nachwuchs einen großzügigen Betrag im mittleren fünfstelligen Bereich zur Verfügung, um zwei intensive Trainingslager abhalten zu können. „Das kostet viel Geld“, so Thallmair – und ist nicht selbstverständlich. Aber es macht sich bezahlt. Anders als Ministerien, Verbände, Universitäten oder Schulen haben die „Bayern“ erkannt, dass sie die Ruder selbst in die Hand nehmen müssen, wenn sie sportlich vorwärts kommen möchten. „Alle wollen Medaillen, aber wo die Medaillen herkommen sollen, ist ihnen egal“, prangert der Trainer die Inkonsequenz von Politikern und Funktionären an. Nur beim MRSV steuern sie wieder einen klaren Kurs.

Christian Heinrich

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