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Ruth Kappelsberger im Jahr 2004.

Im Alter von 86 Jahren gestorben

BR-Legende Ruth Kappelsberger ist tot

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Starnberg - Die Fernsehansagerin und Schauspielerin Ruth Kappelsberger ist tot. Die "Die Stimme des Bayerischen Rundfunks" starb am Freitag im Alter von 86 Jahren.

Vorgesprochen hatte sie beim Bayerischen Rundfunk einst mit dem Gretchen aus Goethes „Faust“; schließlich kam Ruth Kappelsberger damals, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, direkt von der Schauspielschule in Hannover. „Können Sie auch was Natürliches?“, sei die knappe Reaktion des Mitarbeiters im Studio gewesen, so erzählte sie es vor einigen Jahren. Als sie verneinte, lautete die Durchsage ins Studio: „Naa, des is nix für uns.“

Wie man sich täuschen kann. Denn längst ist ihr Name fest in die bayerische Mediengeschichte eingeschrieben: Ruth Kappelsberger, die Freitag im Alter von 86 Jahren gestorben ist, begleitete die Menschen durch Nachkriegsjahre und Wirtschaftswunderzeit – zunächst im Radio, dann im Fernsehen.

Kappelsbergers Weg zu der Stimme des Bayerischen Rundfunks führte über den Kinderfunk: In einem Märchen durfte sie – trotz der eingangs zitierten, zunächst ablehnenden Reaktion beim Vorsprechen – im Jahr 1946 die böse Fee sprechen: „Das hat ihnen gut gefallen. Und von da ab ging’s bergauf“, erinnerte sie sich einst an den Beginn ihrer Karriere zurück. Im selben Jahr gestaltete sie bereits die Sendung zum Festakt zur Eröffnung des Großen Sendesaals im wiederaufgebauten BR-Funkhaus.

Die Kappelsberger war halt doch was für den Sender – in mehr als tausend Sendungen war seit damals ihre markante Stimme zu hören. Charakteristisch war ihr gepflegtes Münchnerisch, das heute so gut wie nicht mehr im Funk gesprochen wird. Vor dem Mikrofon war Kappelsberger stets neugierig – darauf wie und was sie stimmlich gestalten konnte. Berührungsängste kannte sie dabei kaum: So gab sie etwa in der Produktion „Löwenjagd“, einer satirischen Afrikareise, die Anfang der Siebzigerjahre im Radio zu erleben war, natürlich auch dem König der Tiere eine Stimme. Hörenswert, bis heute.

Im Jahr 1927 in München geboren, prägte Kappelsberger das Radio in Bayern, gestaltete dessen Wiedergründung nach dem Krieg in verschiedenen Formaten mit. Die junge Frau, damals gerade in ihren Zwanzigern, blieb nicht beim Kinderfunk. Sie sprach Hörspiele, arbeitete aber auch für Politik- und Wirtschaftsredaktion oder für die Sendung „Wald und Gebirge“. Mitte der Fünfzigerjahre schrieb Kappelsberger dann ein zweites Mal bayerische Mediengeschichte: 1954 gehörte sie zu den ersten Ansagerinnen des Bayerischen Fernsehens.

Dabei blieb die Schauspielerei ihr zweites Standbein – eines, das enorm zu ihrer Beliebtheit betrug. In den unmittelbaren Nachkriegsjahren war sie auf der Brettlbühne zuhause. Sie gehörte zum Ensemble der legendären Münchner Kabaretttruppe „Die Schaubude“ (1946-1948), für die etwa Erich Kästner Texte schrieb. Kappelsberger spielte aber auch an der Kleinen Komödie und am Volkstheater. In den Fünfzigern stand sie für einige Produktionen vor der Filmkamera, drehte mit Luis Trenker „Wetterleuchten um Maria“ (1957) und an der Seite von Christiane Hörbiger den „Edelweißkönig“ nach Ludwig Ganghofer. Für ihren Haussender spielte sie unter anderem im „Komödienstadl“; die ZDF-Zuschauer erlebten sie in den Serien „Königlich Bayerisches Amtsgericht“ oder „Drei sind einer zuviel“.

Seit dem Jahr 1966 war Ruth Kappelsberger mit dem Schlagersänger Fred Bertelmann („Der lachende Vagabund“) verheiratet. Das Paar lebte in Berg am Starnberger See, wo Bertelmann im Januar dieses Jahres gestorben ist. Freitag ist ihm seine Frau gefolgt.

Michael Schleicher

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