Gelius-Trio präsentiert im Seefelder Sudhaus neue CD

Seefeld - Das letzte Klassikkonzert in diesem Jahr im Schloss Seefeld brachte für den Kulturverein eine besondere Auszeichnung: Das Münchner Gelius-Trio erwählte das Sudhaus zum Ort der Präsentation seiner neuen CD.

Rund um Kaffeehausmusik und konzertanten Tango kreiste die Auswahl der Musikstücke, doch wer nun eine melangeschwere Wiener Seligkeit erwartete, wurde von den dynamischen Temperamentsausbrüchen schon nach kurzer Zeit überwältigt. Doch zunächst täuschte noch der erste Satz von Joaquin Turinas „Circulo“ Sanftmut vor. Raunende Cellotiefen, dazu süße Emotionalität der Geige - das klang zwar leicht modern durchströmt, aber doch voller Zartheit herüber.

Die Ohren anzulegen galt es hingegen bei Astor Piazzollas „Vier Jahreszeiten in Buenos Aires“. Die Namensgeberin des Trios, Micaela Gelius, bewies sich am Flügel in raubkatzenhaft schnellen Sprüngen in der Dynamik des Anschlags. Ebenso konnte ein romantischer Gestus sich blitzartig in einen geradezu zornigen Tango verwandeln, der sich voller Kraft die Last des Daseins von der Seele stampfte.

Umso fesselnder wurde das Zurückschwingen der Kompositionen auf ein feines, oft fast lyrisches Niveau, denn hier nun bewies Sreten Krstic seine ganze Meisterschaft. Der Violinist, zugleich langjähriger erster Geiger bei den Münchner Philharmonikern, interpretierte mit einer sagenhaften Geschmeidigkeit. Hinzu kamen virtuose Feinheiten aus dem Tango-Repertoire, etwa das schnarrende, melodielose Bogen-Aufsetzen am Beginn einer lockenden Phrase.

Dass Krstic in Seefeld noch ein Stück bezirzender klang als die Pianistin, hatte seinen Grund einerseits darin, dass das Klavier unter der Steinkuppel im Sudhaus fast überlaut erschien, anderseits darin, dass der Flügel leicht abgespielt klingt. Zwei Drittel des Betrages für ein Nachfolge-Instrument seien schon beisammen, gab Spenden-Organisatorin Dr. Brigitte Altenberger bekannt und warb um weitere Mittel: „Ich hoffe, dass dann im Frühjahr hier ein neuer und größerer Flügel steht.“

In der zweiten Hälfte bezauberte die feine, fast behutsame Umsetzung des „Tango“ von Isaac Albéniz, bis zu packenden Stücken von Astor Piazzolla das Publikum nicht mehr stillsitzen konnte und sogar Zwischenapplaus spendierte. Nur nach Piazzollas bezwingend melancholischem „Oblivion“ folgte andächtiges Schweigen. In feinster Manier wechselten hier Geige und Cello die Fortführung der Melodie.

Nach dem fulminant umgesetzten Piazzolla-Klassiker „Libertango“ überraschte die „Café music“ von Paul Schoenfield. Mit behänden Anspielungen an Charleston, Ragtime und sogar Blues konnte hier besonders Micaela Gelius ihr Finassieren am Flügel beweisen. Die Streicher woben dazu ihr nostalgiesattes Gespinst. Viel Beifall.

Andreas Bretting

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