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Vorbild für Herrsching? Das Holz-Gymnasium von Diedorf in Schwaben. 

Gymnasium Herrsching

Der teure Traum von der Traumschule

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Landkreis Starnberg - Der Bauausschuss des Landkreises will sich in Diedorf bei Augsburg für den Herrschinger Neubau inspirieren lassen.

Frontalunterricht war gestern. Vorn der Lehrer, vor ihm die (gelangweilten) Schüler, denen Wissen eingeprügelt wird. In Herrsching soll das, wenn das neue Gymnasium gebaut ist, anders werden. Das Zauberwort heißt: „Offene Lernräume“. In großen Räumen, die mehr an eine schicke Lounge erinnern, sollen sich die Schüler ihr Wissen unter Anleitung selbst erarbeiten, in Gruppen kreativ werden.

Das klingt natürlich super, sorgt aber bei etlichen Kreistagsabgeordneten für arges Bauchgrimmen. Denn bisher ging man davon aus, dass mit dem Konzept der Lernräume auch ein deutlich erhöhter Platzbedarf einher geht. Von rund 26 Prozent mehr war die Rede. Was die zu erwartenden Kosten – eine erste grobe Schätzung geht von ungefähr 38 Millionen Euro aus – weiter deutlich in die Höhe treiben würde. 

Vielleicht nicht um die 125 Prozent, um die sich der Anbau des Landratsamtes verteuern wird, aber doch erheblich. Die ersten Abgeordneten im Kreistag entwarfen ein Schreckensszenario von 50 oder gar 60 Millionen Euro für das Herrschinger Gymnasium. Dass es auch anders geht, wollen sich die Mitglieder des Bauausschusses jetzt persönlich anschauen.

Schmuttertal-Gymnasium als Blaupause

Anfang April ist ein Ausflug ins im vergangenen Jahr eröffnete Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf bei Augsburg geplant. Der dortige Neubau gilt als moderne „Traumschule“. Er entstand in der günstigen Holzständerbauweise im Rahmen eines Forschungsvorhabens der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Das wäre ein denkbarer Weg, den auch das Herrschinger Gymnasium gehen könnte, sagt der Sprecher des Landratsamtes, Stefan Diebl. Auch die Betriebskosten würden dafür sprechen.

Nach Angaben des Schmuttertal-Gymnasiums erzeugt die Schule durch Photovoltaikanlagen und aufwendige Lüftungssysteme mehr Energie, als sie selbst verbraucht. Besonderes Augenmerk werden die Kreisräte bei ihrem Ausflug ins Schwabenland aber darauf legen, dass die Diedorfer offene Lernräume ohne zusätzlichen Raumbedarf realisierten. Denn die Schule bekam keinen Quadratmeter zusätzlich zu dem finanziert, was pro Schüler vorgeschrieben ist: zwei Quadratmeter pro Person. 

Die Diedorfer verzichteten daraufhin auf Klassenräume, wie auf ihrer Internetseite zu lesen ist. Ein Jahrgang mit vier Klassen teilt sich demnach jeweils drei Klassenräume und einen als „Campus“ bezeichneten offenen Lehrraum. Computerkabinette gibt es nicht, dafür Rechenstationen in jedem Campus. Ohnehin, so die Argumentation der Diedorfer, sei in der Regel eine von vier Klassen entweder beim Sport oder in einem der Fachräume. Für die Herrschinger würde das bedeuten, dass der zusätzlich berechnete Platzbedarf vielleicht doch nicht benötigt wird. 

Widerstand im Kreistag gegen den Schulneubau

Ob das der Mehrheit des Kreistags reichen würde ist offen. Pöckings Bürgermeister Rainer Schnitzler (Freie Wähler) macht bereits jetzt klar, was er vom Schulneubau in Herrsching hält: nichts. „Wir haben das Gymnasium in Gilching für 34 Millionen Euro erweitert und saniert. Dort ist noch Platz frei. Da brauchen wir keinen Neubau in Herrsching.“ Ähnlich argumentiert auch sein Kollege Manfred Walter aus Gilching. Dem Gymnasium in Herrsching möchte Walter dann „auf gar keinen Fall“ seine Stimme geben, wenn er dem Anbau ans Landratsamt zustimmt. Schließlich würden insgesamt drei Großprojekte auf den Landkreis warten: Die Rettung der Seefelder Klinik, das Gymnasium in Herrsching und der Anbau ans Landratsamt. „Ein Projekt davon muss auf der Strecke bleiben“, fordert der Gilchinger Bürgermeister.

Doch lässt sich der Bau in Herrsching überhaupt noch stoppen? Das Landratsamt hat die Vorbereitungen weitgehend abgeschlossen, sagt Pressesprecher Diebl. Derzeit laufe die Erschließungsplanung, die Voraussetzung für den Start des Architektenwettbewerbs im Herbst ist. 

Es wird keine Klassenfahrt nach Diedorf. Es wird der Kampf um den Traum von der Traumschule.

Einen schönen Eindruck vom Schmuttertal-Gymnasium vermittelt dieser Beitrag des ZDF.

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