Messerstecher von Grafing: Das Urteil ist gefallen

Messerstecher von Grafing: Das Urteil ist gefallen
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Fototermin auf dem neuen Steg: Gemeinsam mit Tochter Maria (r.) betreiben Elfriede und Ludwig Dosch seit mittlerweile zehn Jahren den gemeindlichen Campingplatz am Wörthsee.

Tourismus

„Ich hab’ gesagt, das probieren wir“

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Familie Dosch aus Hechendorf betreibt seit zehn Jahren den Campingplatz am Wörthsee. 

Hechendorf – In der Früh ist es am schönsten. Dann ist der See ganz glatt, das Wasser klar. Die ersten Frühaufsteher kommen zu einem morgendlichen Bad. Der Campingplatz der Gemeinde Seefeld am Wörthsee ist die perfekte Idylle. Das ist auch den Pächtern zu verdanken, der Familie Dosch. Am 1. August ist es genau zehn Jahre her, dass die Hechendorfer den Platz übernahmen.

Die Typen waren zu acht, alles junge Kerle. In ihren Campingwagen hatten sie eine Zapfanlage installiert. Binnen kurzer Zeit waren sie so sternhagelvoll, dass sie auf dem gemeindlichen Campingplatz am Wörthsee allen Campern ringsum auf die Nerven gingen. „Ich habe sie dann rausgeschmissen“, berichtet Ludwig Dosch. Das war ganz am Anfang seiner Zeit als Pächter, und so was passiert ihm heute nicht mehr. Denn er hat einen guten Blick entwickelt für seine Gäste, die sich vor allem wohl fühlen und gut erholen sollen.

Neue Herde: Camper statt Milchkühe

Ludwig Dosch ist eigentlich Landwirt. Mit seiner Frau Elfriede versorgte er auch Milchkühe. Als im Seefelder Gemeinderat die Frage aufkam, wer den Campingplatz nach dessen Erneuerung 2007 pachten soll, arbeitete es gleich in dem heute 60-Jährigen. „Ich habe damals gedacht, so ein schönes Grundstück, das der Gemeinde gehört. Am schönsten wäre es doch, wenn es auch jemand aus der Gemeinde versorgt.“ Er besprach die Angelegenheit mit seiner Frau und den Kindern. „Ich hab’ gesagt, das probieren wir.“ Gegen 14 Bewerber setzte er sich durch, aber es bedurfte einiger Diskussionen und Fürsprache, vor allem wohl durch den damaligen Gemeinderat Elmar Striegl. Denn nicht jeder im Rat wollte, dass Dosch Pächter wird, auch der Bürgermeister nicht. Doch selbst Wolfram Gum ist heute glücklich mit der Entscheidung: „Sie machen es ganz super.“

Elfriede und Ludwig Dosch übernahmen also, unterstützt von den Kindern Maria, Ludwig und Andreas. Morgens um fünf molken sie ihre Kühe, dann versorgten sie die Gäste. Nach drei Jahren gaben sie die Milchwirtschaft auf. „Es hat sich nicht gelohnt und war zu viel“, sagt Ludwig Dosch. Und es kamen immer mehr Gäste an den Wörthsee. Sohn Ludwig übernahm die Landwirtschaft, Sohn Andreas gründete sein eigenes Unternehmen. Seither konzentrieren sich Ludwig sen. und Elfriede Dosch mit Tochter Maria Seethaler auf den Campingplatz.

Die Saison dauert von 1. April bis 30. Oktober. Das Gelände ist zweigeteilt: Auf der einen Seite ist Platz für 17 Wechselcamper. Auf der anderen Seite befinden sich die Wohnwagen der insgesamt 59 Dauercamper. Einige von ihnen haben schon seit mehr als 50 Jahren einen Platz. Als die Gemeinde das Gelände für die Sanierung 2007 räumen ließ, war die Aufregung groß. Doch alle Dauercamper, die wiederkommen wollten, wurden auch wieder genommen.

Esel müssen draußen parken

International geht es auf den Wechselplätzen zu. Die Gäste kommen aus Holland, Italien, der Schweiz und Frankreich, aber es waren auch schon Indonesier und Iren da. „Eine kam mal mit einem Esel angeritten“, erinnert sich Ludwig Dosch. Tiere sind eigentlich nicht erlaubt auf dem Platz. Der Esel verbrachte die Nacht friedlich angebunden am Eingang, während die Besitzerin im Zelt lag. Und eine Familie aus Norddeutschland änderte vor lauter Begeisterung über den schönen Platz am Wörthsee die Urlaubsplanung: „Die wollten eigentlich nur einen Zwischenstopp machen. Und sind dann drei Wochen geblieben“, sagt Elfriede Dosch (52) und lacht.

Besonders freut sich Ludwig Dosch, dass die Einheimischen den Platz so rege nutzen. In ganzen Gruppen kommen die Senioren morgens zum Baden, tagsüber bevölkern Familien mit Kindern die Badewiese. Einmal im Jahr übernachten die Hortkinder. Dann stehen die Zelte das Ufer entlang und zwischendrin sitzen die Kinder mit ihren Betreuerinnen und frühstücken. Da hat zwar der ein oder andere Dauercamper schon mal gemosert, „aber da beißen alle auf Granit bei mir“, sagt Ludwig Dosch ungerührt.

Eine Wiese ohne Gänsekot

Für ihn könnte es immer so weiter gehen: „Es ist mir eine Ehre, dass ich das hier machen darf. Und ich bin glücklich, wenn es den Gästen gut geht.“ Er hat in den vergangenen Monaten das Hauptgebäude vergrößert, zusätzliche Toiletten und Umkleideräume geschaffen, die Stege vergrößert und auf Vordermann gebracht. Morgens bieten die Doschs und ihr Team Frühstück an, abends gibt es Kleinigkeiten. „Die Leute sagen immer, die Plätze und alles sei zu billig. Aber ich will einfach nur, dass sie sich wohl fühlen“, sagt Ludwig Dosch.

Gegen Mitternacht dreht er seine letzte Runde über den Platz. Er schaut, ob alles in Ordnung ist. Und befestigt ein Gänsenetz. „Die Viecher kommen in Scharen in den Morgenstunden.“ Seitdem er nachts zwischen Liegewiese und See das Netzt spannt, hat er nur noch wenig Probleme mit den Gänsen. „Manche sagen, das hier wäre die einzige Wiese im ganzen Umkreis, die nicht vollgeschissen ist“, freut sich der 60-Jährige.

Und dann erzählt er noch, wie die Sache mit den besoffenen Kerlen ausging. Die bekamen es nämlich doch mit der Angst, weil er die Polizei holen wollte. Also setzte sich Ludwig Dosch spät in der Nacht selbst an das Steuer des Wohnwagens und karrte die Saufkumpanen auf die andere Seeseite nach Oberndorf. Was er nicht wusste: Damals übernachtete dort die Betreiberin des Kiosk. „Mit ihr habe ich dann noch richtig Ärger gehabt.“ Klarer Anfängerfehler, heute undenkbar.

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