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Vier Ansprechpartner, wenn es um Seefelds Ortsentwicklung geht: (v.l.) Daniela Bilic, Anni Schlumberger, Oliver Prells und Susanne Bauer. 

Hechendorfer Bürgerstadl platzt aus den Nähten

200 Seefelder beim Auftakt zum Bürgerdialog

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Das kommt nicht alle Tage vor, dass der Hechendorfer Bürgerstadl aus den Nähten platzt: Gut 200 Seefelder interessierten sich am Mittwochabend für die Auftaktveranstaltung zum Bürgerdialog. Sie bewiesen Geduld und Durchhaltevermögen – und hatten für ihren Ort Hunderte Anregungen parat.

Hechendorf – Am Ende waren alle Stellwände im Hechendorfer Bürgerstadl mit grünen und roten Kärtchen übersät. Viel Folgearbeit für die Planer und Moderatoren, die zur Auftaktveranstaltung des Bürgerdialogs zur Ortsentwicklung der Gemeinde Seefeld geladen hatten. Die Verwaltung hatte den Raum dafür von den Vereinen angemietet. Getränke und Brezn sponserte Ludwig Dosch vom Campingplatz. Um die Technik war es weniger gut bestellt. Jedenfalls funktionierten die Mikrofone nicht. Susanne Bauer und Oliver Prells vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München sowie Anni Schlumberger und Daniela Bilic von der Human IT Service GmbH kämpften sich geduldig ohne Mikro durch den Abend. Das klappte einigermaßen, weil die gut 200 Zuhörer mucksmäuschenstill waren.

Wie berichtet, haben bereits zwei Sitzungen des Lenkungskreises stattgefunden. Nun sollen alle in der Gemeinde und ihren Ortsteilen lebenden Menschen aktiviert werden, sich in den Prozess einzubringen. Ziel dieser ersten Beteiligungsphase ist die Ermittlung der Stärken und Schwächen Seefelds hinsichtlich verschiedener Themen und später vertieft nach Ortsteilen – dort finden im Herbst Ortsteilwerkstätten statt. „Darauf wollen wir Ihnen Lust machen“, sagte Susanne Bauer.

Anni Schlumberger und Daniela Bilic sind die Moderatoren des Internetportals www.ortsentwicklung-seefeld.de, auf dem ab sofort und bis zum 16. September Anregungen eingestellt werden können und auch diskutiert werden sollen – wie für das Thema Hauptstraße, für das es schon seit Mai eine recht rege genutzte Pinnwand auf der Seite gibt. „Die Online-Beteiligung erhöht die Transparenz und steigert die Motivation“, erklärte Schlumberger und versicherte: „Kein Beitrag geht verloren.“ Wer möchte, kann seine Gedanken auch einfach auf eine Postkarte schreiben und bei der Gemeinde einwerfen.

Für einen „ersten Blick von Außen“ war Oliver Prells zuständig. Er hatte spannende Zahlen und Statistiken zusammengetragen (siehe Kasten).

Endlich waren die Bürger an der Reihe, und sie schienen es gar nicht abwarten zu können. Auf mehreren Stellwänden benannten sie Schwächen und Stärken Seefelds – beim Thema Verkehr zum Beispiel, Wohnen, Gewerbe oder auch „Miteinander leben“. Die Moderatoren huschten durch den Raum und machten sich ein erstes Bild von der Stimmungslage. Die Stellwand zum Thema Verkehr war binnen weniger Minuten mit roten Zetteln beklebt. „Die Menschen wünschen sich Entschleunigung des Individualverkehrs“, fasste Prells zusammen.

Viel Lob gab es für die Arbeit der Vereine und Nachbarschaftshilfen und auch die ärztliche Versorgung. Bei der Anzahl von Treffpunkten gebe es dagegen „Luft nach oben“. Mehr Naturschutz, weniger CO2-Verbrauch, zu wenig Einzelhandel und zu wenige Gewerbeflächen – zu all diesen Themenfeldern hatten die Bürger viel zu sagen. Und: „Die Leute finden es toll, dass sie gefragt werden“, stellte Bilic fest.

Tatsächlich schien der ganze Raum in eine große Diskussion verwickelt, aus der alle Beteiligten schließlich nur mit einem lauten „Ruhe!“ gelöst werden konnten. Bürgermeister Wolfram Gum war begeistert: „Ich bin beeindruckt, wie offen dieser Prozess anläuft. Das könnte ein Meilenstein für die Gemeinde sein.“

Ausgespart wurde das Thema Finanzen, was die Zuhörer auch monierten. Schließlich sei die Gewerbesteuer eingebrochen, und es stelle sich die Frage, „ob die Gemeinde nicht pleite ist“. Die Datenlage sei in diesem Bereich noch nicht komplett, sagte Prells. Bauer warnte dringend vor einer „Schere im Kopf“, schließlich gebe es da noch „viele andere Akteure und auch mögliche Förderungen“.

Erste Ergebnisse des Bürgerdialogs sollen schon in den nächsten Tagen auf der Internet-Plattform nachzulesen sein. Auch das Moderatoren-Team war zufrieden: „Das war ein sehr schöner Einstieg in diesen Prozess“, befand Bauer.

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