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Alle kleinen Kiebitze im Aubachtal tot

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Von: Hanna von Prittwitz

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Schutz für den Nachwuchs: Ein Kiebitz attackiert auf einem Feld im Aubachtal bei Hechendorf einen Fuchs. Das Foto entstand am 8. Mai.
Schutz für den Nachwuchs: Ein Kiebitz attackiert auf einem Feld im Aubachtal bei Hechendorf einen Fuchs. Das Foto entstand am 8. Mai. Foto: Jonathan Gentz © Jonathan Gentz

Enttäuschung in Hechendorf: Erneut hat keines der Kiebitz-Küken auf dem Acker im Aubachtal überlebt. Der Bund Naturschutz (BN), Kreisgruppe Starnberg, macht die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt dafür verantwortlich.

Hechendorf - In einer Pressemitteilung fordert der Vorsitzende Günter Schorn Landrat Stefan Frey auf, geltendes Recht umzusetzen „und nach dem dritten Jahr ohne erfolgreiche Kiebitz-Aufzucht die Maßnahmen zum Kiebitz-Schutz so anzupassen, dass sie zu einer erfolgreichen Brut und Aufzucht beitragen“.

Frey wies die Vorwürfe zurück. „Die Behörde kann nichts dafür, wenn sich die Feinde der Vögel bemächtigen.“ Er sehe die Ursache auch darin, dass BN und Behörde zerstritten seien. „Dann ist die Ausgangslage schlecht.“

Laut Schorn sind die Altvögel am vorigen Freitagmorgen beobachtet worden, wie sie mit lauten Schreien über dem Schild und dem Gehölz geflogen seien, das den Acker vom Bahndamm trennt. „Ab Samstag konnten keine Jungvögel mehr gesichtet werden. Auch die Altvögel haben das Brutareal verlassen“.

Seit dem 30. März hätten sechs ortstreue Kiebitze gebrütet, so Schorn. Zwei Gelege seien aufgegeben worden wegen einer Störung bei einer Zaunreparatur (wir berichteten). In drei Gelegen seien schließlich elf Jungvögel geschlüpft. „Kiebitz-Junge müssen sich selber ernähren und viel fressen, bis sie innerhalb von 40 Tagen von 15 auf 180 Gramm Gewicht zulegen und damit flugfähig werden. Bis dahin sind sie auf dem Boden großen Räubern hilflos ausgeliefert.“ Im Aubachtal sei auf einer etwa 1,2 Hektar großen Brache ein Elektrozaun angebracht worden, um Fuchs und Dachs abzuhalten. Auf der Brache sei jedoch zu schnell und zu viel Unkraut gewachsen, das den Vögeln die Sicht verdeckt habe. Eine Kiebitz-Familie wanderte auf den Nachbaracker ab, der einen besseren Lebensraum bot. Die zweite Familie wanderte ab, weil Arbeiter mit der Motorsense den Zaun freischneiden mussten. „Der BN hatte die notwendige Pflege des Zauns innerhalb des Ackers kritisiert, weil dies die Vögel massiv stört“, so Schorn. Der Nachbaracker jedoch sei nicht gesichert und biete wenig Abstand zu Gehölz und Schilf. Dies sei eine perfekte Kulisse für Bodenräuber, die sich anschleichen könnten, ohne von den Altvögeln gesehen und attackiert werden zu können.

Schon im Vorjahr seien wegen „mangelhaften Zaun-Managements“ mindestens neun Jungvögel Räubern zum Opfer gefallen. Schutzmaßnahmen für den gefährdeten Kiebitz seien von der Politik nicht gewollt und würden von den Behörden auch nicht umgesetzt, glaubt Schorn. „Der BN behält sich vor, rechtliche Schritte aufgrund des erneut eingetretenen Umweltschadens einzuleiten. Wiederholte Gesprächsangebote des BN zur Sicherung der Kiebitz-Brut wurden von der Juristin der UNB Starnberg bisher abgelehnt“, schreibt Schorn. UNB steht für Untere Naturschutzbehörde.

„Das Geschehen zeigt, wie wichtig Einvernehmen ist“, sagte Landrat Stefan Frey auf Anfrage. Eine Tag- und Nachtbetreuung sei einer Behörde nicht möglich. „Der Staat wird das nicht so erledigen können, wie der BN sich das vorstellt.“ Die UNB leiste jetzt schon mehr als üblich. „Es wäre wünschenswert und zielführend, wenn die, die auf ihr Recht pochen, sich mit denen gut stellen, die es betrifft, nämlich den Landwirt“, sagte Frey mit Blick auf das angespannte Verhältnis der Naturschützer zu dem betroffenen Landwirt. „Man kann es sich nicht mit allen verscherzen und dann meinen, dass es klappt.“ Rechtliche Maßnahmen würden den Vögeln nicht helfen. „Es klappt nur, wenn man pfleglich miteinander umgeht.“  

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