Der Pilsensee im Winter. Vergangenen Sommer beklagten sich Badegäste über verstärkte Algenbildung.
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Der Pilsensee im Winter, mit Blick auf Hechendorf. Vergangenen Sommer beklagten sich Badegäste über verstärkte Algenbildung.

Umweltausschuss erwägt eigene Untersuchung des Aubachs – BN reicht Probe ein

Auf der Spur der Algenblüte im Pilsensee

  • Hanna von Prittwitz
    vonHanna von Prittwitz
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Anschreiben von Badegästen und Anrufe von Bürgern: Eine besonders starke Algenblüte im Pilsensee hat im vergangenen Jahr einige Menschen beunruhigt. Sie wandten sich an Seefelds Bürgermeister Klaus Kögel und fanden großes Verständnis. Diese Woche befasste sich der Umweltausschuss des Gemeinderats mit dem Thema.

Seefeld - Kögel war 2020 im Schwarzwald auf Reisen. An einem schönen See warnte der dortige Bürgermeister vor allergischen Reaktionen wegen der Algen. „So was möchte ich hier nicht erleben“, sagte Kögel und setzte die Algen des Pilsensees auf die Tagesordnung des Ausschusses. Möglicherweise war dies auch ein Grund dafür, dass die Zuhörerschar aus mehreren Landwirten bestand. „Es ist ja kein Geheimnis, dass beispielsweise die Belastung des Ammersees auch mit dem Ackerbau zusammenhängt“, sagte Kögel im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Im Falle des Pilsensees stehe ebenfalls zu vermuten, dass der Aubach „überschüssige Nährstoffe“ in den See einbringe. In der Sitzung stellte Kögel zur Diskussion, regelmäßige Wasserkontrollen durchzuführen, notfalls auch auf eigene Kosten.

Tatsächlich untersucht das Bayerische Landesamt für Umwelt alle drei beziehungsweise alle sechs Jahre, je nach Zustand, die Gewässerqualität der Seen. Der Pilsensee wurde nach den Unterlagen des gewässerkundlichen Dienstes Bayern zuletzt 2018 biologisch und chemisch beprobt (www.gkd.bayern.de). Die chemische Untersuchung umfasst das Aufkommen von Phosphat, Nitrat, Chlorid und anderen Stoffen. Die biologische Beprobung nimmt beispielsweise Algenarten ins Visier. Das Landratsamt Starnberg veröffentlicht auf seiner Internetseite Untersuchungen der Badeplätze am Pilsensee. Diese fanden von Mai bis September im Sommer 2020 statt, die nächste Beprobung ist für diesen Mai geplant. Die Gewässerexperten suchen dabei allerdings hauptsächlich nach Colibakterien und Enterokokken – mit Blick auf die Sicherheit der Badenden. Es gab keine Beanstandungen.

Auch die Bund-Naturschutz-Gruppe Seefeld hat sich mit dem Thema befasst. Einigen Mitgliedern war die Algenblüte an den Badestellen Strandbad Hechendorf und Campingplatz Seefeld sowie im flachen Nordteil des Sees aufgefallen, weshalb sie am 18. September 2020 auf eigene Faust Wasserproben entnahmen und einschickten, wie auf der Internetseite der Ortsgruppe nachzulesen ist. Mittlerweile liegt das Ergebnis des Landesamts für Umweltschutz vor.

Danach handelt es sich um eine für den Menschen unschädliche Phytoplankton-Art. Sie sei typisch für größere Seen, heißt es. Warum sie sich besonders im September und Oktober derart stark vermehrt hat, ist unbekannt. Eine Rolle könnten ein vermehrtes Nährstoffangebot oder eine höhere Wassertemperatur spielen, so der BN. Er räumt ein, dass sich eine einzige Probe schwer in Zusammenhang bringen lasse, da beispielsweise Phosphatwerte stark schwanken. „Wir möchten deshalb den See, wenn möglich, längerfristig beobachten und auch mehrere Werte erfassen“, kündigt die Ortsgruppe an. Am 17. April ist zu dem Thema im Strandbad Pilsensee eine Informationsveranstaltung mit der Gewässerökologin Christine Schranz geplant (10 bis 12 Uhr) – wenn die Corona-Pandemie es zulässt.

Die Mitglieder des Umweltausschusses wollen nun sämtliche Quellen und Untersuchungsergebnisse auf ihre Inhalte und Aktualität hin prüfen. „Falls wir Lücken in der Abbildung der Ergebnisse finden, würden wir die gerne füllen“, kündigt Kögel an. „Ich scheue mich auch nicht davor, Wasserproben aus dem Aubach zu nehmen und analysieren zu lassen.“  

Der Pilsensee ist ein sogenannter geschichteter Voralpensee. Er ist etwa 2,5 Kilometer lang, rund einen Kilometer breit und maximal 17 Meter tief. Sein Wasserspiegel liegt rund 1,2 Meter über dem des Ammersees, in den er über den Fischbach entwässert. Zu den größten Zuläufen zählt der Aubach. Weitere kleinere Zuflüsse sind Widdersberger Bach, Höllgraben, Pilsenbach, Feichtenbach und Köderbach. Die Wasserqualität wird mit gut bewertet. Die Phosphat- und Nitratwerte von 2018 liegen in einem ähnlichen Niveau wie die Jahre zuvor und seit den 1990er-Jahren deutlich besser als 1981.  

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