Haben ihr Jugendhaus erst im Sommer neu hergerichtet: Sozialpädagogin Katharina Weyer, Luis Vicari, Elma Korajac, Philipp Leser und Nicolas Burner. Foto: Andrea Jaksch

Konsequenzen angekündigt

Aufgelöste Feier im Jugendhaus Seefeld: Die Opfer der Party-Sprenger

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Wegen Randalierern vor der Tür muss eine friedliche Feier im Seefelder Jugendhaus vorzeitig enden. Dort herrschen nun Ratlosigkeit und Enttäuschung. Die zuständige Sozialpädagogin kündigt Konsequenzen an.

Seefeld – Eine Gruppe von bis zu 70 jungen Leuten hat am Freitagabend eine Jugendhausparty in Seefeld gesprengt. Bei den Jugendlichen, die ihr Jugendhaus gerade erst wieder hergerichtet und mit neuem Leben gefüllt hatten, ist die Enttäuschung groß.

„Wir haben innen eine sehr schöne Party gefeiert“, berichtet die Sozialpädagogin Katharina Weyer, die bei der Gemeinde für die Jugendarbeit zuständig ist. Gegen 21.25 Uhr jedoch habe sie das Fest abbrechen müssen – wegen einer Meute von Leuten, die vor dem Haus Randale machten. „Ich konnte die Sicherheit der Kids im Haus nicht mehr gewährleisten.“ Die Jugendbeiräte hätten daraufhin eine Durchsage durchs Mikrofon gemacht. „Alle haben ohne zu meckern ihre Jacken genommen und sind friedlich nach Hause gegangen“, erzählt Weyer.

Was war geschehen? Eingeladen waren im Jugendhaus 14 bis 18-Jährige, Einlass war um 18.45 Uhr. Neben Weyer beaufsichtigten drei Sicherheitsleute und ein Sozialpädagoge die Veranstaltung. „Das hat sich bewährt“, sagt Weyer. Ziemlich bald hätte sich vor dem Jugendhaus eine weitere Gruppe an Leuten eingefunden, zum Teil älter als 18 und angetrunken. „Einige kannten wir schon. Sie wurden nicht reingelassen.“ Offensichtlich gingen sie gezielt auf solche Feste „und torpedieren sie“.

Vor der Tür machten die rund 70 jungen Leute Radau. Das Jugendhaus liegt direkt an der Mühlbachstraße, immer wieder sei jemand auf die Straße gegangen. „Unsere Sicherheitskräfte waren nur noch damit befasst, sie wieder auf den Gehweg zu holen, damit nichts passiert“, berichtet Weyer. Die Gruppe sei mit öffentlichen Bussen angereist, ganze Trauben wurden dabei beobachtet, wie sie an der Haltestelle schräg gegenüber des Jugendhauses ausstiegen.

Aus reiner Langeweile die Feuerwehr gerufen

Offensichtlich rief dann einer aus reiner Langeweile die Feuerwehr. Angeblich stehe an der Bushaltestelle ein Besoffener. Weil von diesem weit und breit nichts zu sehen war, zogen die Feuerwehrleute verärgert wieder ab. Dann riefen die Halbstarken zweimal hintereinander den Rettungswagen. „Die Rettungskräfte haben dann wohl zu Recht die Polizei alarmiert“, sagt Weyer. Neun Streifenbesatzungen lösten die Veranstaltung auf, um 22.30 Uhr war die Straße leer. Einen 18-Jährigen aus Herrsching nahmen die Beamten in Gewahrsam.

Die Herkunft der anderen ist unklar. Sie sollen aus Herrsching und Hechendorf kommen. Die Polizei hat nach eigener Auskunft keine weiteren Personalien aufgenommen. Das Nachsehen haben indessen die Seefelder Jugendlichen. „Dabei hatten sie gar nichts damit zu tun“, bekräftigt Weyer. „Es war eine schöne Stimmung im Haus.“ DJs hätten aufgelegt, die Kinder getanzt und die neue Nebelmaschine ausprobiert.

„Wir entschuldigen uns im Namen aller“, sagt Jugendbeirat Philipp Leser (16). „Wie geht es weiter? Was sollen wir tun?“, fragen sich er und die anderen Jugendbeiräte. „Wir werden unsere Schlüsse daraus ziehen und unsere Veranstaltungen anders gestalten“, kündigt Weyer an. Seefelds Geschäftsstellenleiter Fritz Cording unterstützt die Sozialpädagogin: „Einige Eltern haben schon angerufen und uns gebeten, jetzt bitte nicht aufzugeben.“

Derartige Fälle würden im Landkreis nicht „exorbitant zunehmen“, sagt Christine Geissler, Fachbereichsleiterin Jugendarbeit im Landratsamt. „Es gab schon immer Gruppen, die sich breiter machen als andere. Und der Test ,Wie weit kann ich gehen?‘ gehört zum Erwachsenwerden dazu.“ Das Phänomen, dass Partys per Facebook-Verabredung gesprengt werden, sei im Fünfseenland nicht stark ausgeprägt. „So etwas kommt und geht“, betont Geissler. In Jugendhäusern mit Sozialpädagogen seien vermeintliche Unruhestifter gut aufgehoben. So manche Gemeinde könne aber noch mehr für die Jugendarbeit tun, findet Geissler.

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