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Informierten über den Tag des offenen Ho fes: (v.l.) Stefan Dellinger, BBV-Geschäftsführer Thomas Müller und Kreisobmann Georg Zankl.

Tag des offenen Hofes

Besuch auf der Farm der Tiere

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Am deutschlandweiten „Tag des offenen Hofes“ lädt Landwirt Stefan Dellinger auf seinen Konradhof ein. Kommenden Samstag, 9. Juni, ist das Anwesen in der Hochstadter Straße 14 in Unering von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Am Sonntag findet ein Frühschoppen für Landwirte statt.

Unering – Es ist ruhig an diesem sonnigen Vormittag in Unering. Hühner und Schweine haben sich in ihre Laufställe verkrochen. Im Stall recken junge Mastbullen über die Futtertraufe hinweg den Besuchern neugierig ihre Köpfe entgegen – der Bayerische Bauernverband hat zum Pressegespräch auf den Konradhof geladen. Es geht um Verständniswerbung für die Bauern, die in die Kritik geraten sind. „Die Menschen können mit dem Landwirt reden, und nicht nur über ihn“, erklärt Stefan Dellinger.

Kreisbauer Georg Zankl freut sich, dass der 39-Jährige an diesem Tag den Konradhof öffnet. Er weiß, dass Dellinger freimütig und offen über seine Arbeit redet. Und zwar auch über die abseits der Idylle. „Die Leute wünschen sich drei Schweine unter dem Apfelbaum, aber das funktioniert nicht“, sagt Dellinger. 400 000 Euro hat er einst in sein Schlachthaus gesteckt, das sich neben den Stallungen und Weiden in einem Zweckbau befindet. Dort produziert er wöchentlich 1,2 Tonnen Rindfleisch, eineinhalb Tonnen Schweinefleisch und 500 Kilo Hähnchenfleisch. Derzeit leben auf dem Konradhof 300 Schafe, rund 900 Freilandhühner, rund 1000 Brathühner, 200 Mastbullen, 200 Schweine, 300 Puten und acht Zwergziegen. Der Hof umfasst 150 Hektar Flächen in Unering und Aschering sowie 30 Hektar Forst. Das klingt alles groß. Aber Dellingers Hof, den er 2005 von seinem Vater übernommen hat, zählt zu den Kleinstbetrieben.

Dellinger ist kein Biobauer, aber er will zumindest, dass die Tiere es gut haben. Dass er vor Ort, quasi inmitten seiner Weiden schlachten kann, heißt auch, dass die Tiere ahnungslos sind und somit weniger Stress haben. Sie verbringen nicht Stunden in Lkw auf der Straße, und sie müssen nicht warten. Auf die Qualität des Fleisches wirkt sich das positiv aus. Das wissen natürlich auch die anderen Landwirte, weshalb sie Dellinger regelmäßig ihre Tiere zum Schlachten bringen. Außer ihm schlachten im Landkreis Starnberg die Metzgerei Lutz in Pöcking, die Metzgerei Ruf in Seefeld, die Metzgerei Wittur in Höhenrain und der Broslhof in Inning.

Harte Arbeit und der Schlachtbetrieb – für die wildromantische Idylle mit Schweinen und Apfelbaum bleibt da tatsächlich nicht viel Platz. Allerdings gibt es neue und moderne Konzepte, die Dellinger die Arbeit erleichtern – weshalb er am Ortsrand von Unering in Richtung Perchting eine neue, größere Hofstelle errichten will. Denn an der Hochstadter Straße darf er nicht weiter wachsen. „Das ist zu nah an der Wohnbebauung, da geht heute gar nichts mehr.“ Überhaupt die Auflagen. „Ich habe einen ganzen Container voll mit Unterlagen“, sagt Dellinger und fragt sich, wer eigentlich die Zeit dafür aufbringen soll, bis in die Tiefen beispielsweise der umfangreichen Düngeverordnung durchzudringen.

Zurück zur Modernisierung. Das moderne Silo bricht und mischt das Getreide selbst, dosiert und füttert nach Bedarf der Tiere. Zu deren Vorteil, findet Dellinger, denn er hat in den Jahren auch schlechte Erfahrungen mit unzuverlässigem Personal machen müssen. „Dann stehen die Tiere im Dreck, bekommen kein Futter oder das falsche“, sagt er. Da verlässt er sich schon lieber auf einen Computer. Abgesehen davon, dass ihm die neuen Möglichkeiten bis zu 60 Prozent des jetzigen Aufwands ersparen.

Die Planung für die neue Hofstelle ist fertig und Dellinger hofft, dass sie bis 2019 genehmigt ist und er bauen kann. Auf Wunsch des Landratsamts hat er auf lange Sicht geplant, „damit ich in ein paar Jahren nicht wieder mit dem ganzen Prozedere um die Ecke komme“. Das ist auch für ihn besser, denn für Emmissionsgutachten zahlt er heute an die 80 000 Euro, und günstiger wird das bei den Auflagen nicht werden.

Seit mindestens 500 Jahren gibt es den Konradhof in Unering. Vor gut 14 Jahren, nach seinem Studium, ist Dellinger in die Landwirtschaft seiner Eltern eingestiegen. Ziemlich bald stellte er auf Selbstvermarktung und eigene Futterproduktion um. Sein Fleisch verkauft er in seinem Hofladen, einem eigenen Geschäft in Schwabing und auf elf Wochenmärkten im gesamten Landkreis Starnberg.

Beim Pressegespräch präsentiert er dann noch stolz seine jüngste Errungenschaft: ein Gemüsefeld. Das ist dann schon ziemlich bio: Kohlrabi, Fenchel, Salate, Kohl und mehr behandelt er nur mit selbst hergestelltem Brennesselsud und im Bioanbau erlaubten Substanzen wie Kupfer. „Vielleicht haben die Menschen Lust, das Gemüse selbst zu ernten“, überlegt Dellinger und will das beim Tag des offenen Hofes gleich ausprobieren. Das hat dann doch fast etwas Idyllisches.

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