Rechts wächst der Weizen, unter der Plane gedeihen zarte Radieschen: Biobauer Stefan Dellinger auf einem seiner Felder bei Unering.
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Rechts wächst der Weizen, unter der Plane gedeihen zarte Radieschen: Biobauer Stefan Dellinger auf einem seiner Felder bei Unering.

Landwirtschaft

Bio-Förderpreis für Konradhof

  • Hanna von Prittwitz
    vonHanna von Prittwitz
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Stefan Dellingers Bioland-Betrieb in Unering erhält den Förderpreis der Bio-Bauern-Initiative und des Naturschutzbunds Deutschland. Das ist umso bemerkenswerter, weil Dellinger erst 2020 aus der konventionellen Landwirtschaft ausgestiegen ist.

Unering – Es ist noch gar nicht so lange her, da kannte jeder Marktbesucher weit und breit die Verkaufswagen des Konradhofs. In der Auslage stapelten sich die Fleischwaren, vom Huhn über Pute und Gans bis hin zu Schwein, Rind und Wild. Auf zwölf Wochenmärkten waren Dellinger und seine Mitarbeiter unterwegs, in München gab es ein Ladengeschäft. Alles Vergangenheit. Ein altes und undichtes Silo ließ den ohnehin schon lange schwelenden Streit zwischen Dellinger und den Behörden derart eskalieren, dass Dellinger sein gesamtes Konzept über Bord warf. Seitdem ist er Bioland-Gemüsebauer. Und zwar erfolgreich. Dafür erhält er den Förderpreis der Bio-Bauern-Initiative (ABBI) und des Naturschutzbunds (NABU).

Der Rinderstall ist leer, auch Schweine und Hühner gibt es nicht mehr. 500 Mutterschafe hat Dellinger noch, sie stehen in Aschering und auf seinen Wiesen bei Unering. Geschlachtet wird auf seinem Hof gar nicht mehr, im einstigen Schlachthaus stapeln sich statt Fleischwaren Kartoffelschalen, schälen Mitarbeiter tonnenweise Gemüse. Beibehalten hat Dellinger den Hofladen. „Der hat sich prima entwickelt.“ Seine etwa zehn Mitarbeiter sind dort und vor allem auf den Feldern beschäftigt. Auf rund zehn Hektar Fläche wächst alles, was mit den Bedingungen in unseren Breiten klar kommt.

„Bald sind die Radieschen soweit“, sagt Dellinger. Statt Rinder vom Feld ins eigene Schlachthaus zu treiben, sät er nun Karotten, Kürbis und Zucchini ein, insgesamt sind es mehr als 40 Kulturen. Im Sommer sollen sich die Menschen auf einem Teil seiner Felder wieder bedienen können, und sie können auch mithelfen, denn manchmal kommt der 42-Jährige mit dem Ernten nicht hinterher.

Erst im Frühjahr 2020 stieg er als Ökolandwirt in den Bioland-Verbund ein. „Das war eine gute Entscheidung“, sagt er heute. „Es ist ein besseres Arbeiten.“ Die Überlegung, aus dem Fleischgeschäft auszusteigen und auch die konventionelle Landwirtschaft hinter sich zu lassen, kostete ihn einst schlaflose Nächte. „Aber es war das Richtige.“ Er ließ sich von anderen Biobauern beraten, rüstete sich mit kleineren Maschinen aus. Gespritzt wird nun gar nicht mehr, weshalb auf Dellingers Feldern zum Teil auch das Unkraut fröhlich sprießt. Im Verbund mit den anderen Biobauern helfe man sich nun aus, erzählt Dellinger und schwärmt von der Zusammenarbeit. Sein Gemüse vertreibt er unter anderem bei Rewe in Herrsching, außerdem hat sich die Etepetete-Gemüsekiste bewährt. Der Konradhof beliefert Catering-Küchen in Weßling und Utting und sogar die Münchner Staatskanzlei, die bei ihm kiloweise geschälte Kartoffeln und Zwiebeln einkauft. Was er selbst nicht anpflanzt, wie beispielsweise eben Kartoffeln, holt er sich von einem anderen Bioland-Betrieb dazu. Von seinem Geschäftspartner Peter Fischhaber, mit dem er die „Oberbayerische Fleisch & Wurst GmbH in Gröbenzell“ betrieb, hat er sich indessen einvernehmlich getrennt – wegen fehlender Fleischproduktion.

„Für mich ist alles okay, wenn es Spaß macht“, sagt Dellinger. Das Schlachten vermisst er nicht, „das macht doch niemand gerne“. Wenn man dann auch noch diffamiert werde als Metzger, „und die Leute das nicht haben wollen, auch auf Beamtenebene nicht, dann lebst du besser ohne“. Die Konsequenz jedoch sei, dass es keine regionale Schlachtung mehr gebe. „Wenn man das nicht will, kriegt man das hin.“ Mit dem Ergebnis, dass die Tiere wieder transportiert würden. Er vermisse die Arbeit mit den Tieren nicht unbedingt. „Das Gemüse ist einfacher zu behandeln.“ Unkomplizierter sollte auch das nachbarschaftliche Miteinander sein. Einige Nachbarn hatten sich über den Konradhof beklagt, die Behandlung der Rinder kritisiert, waren wegen der Hühner vor Gericht gezogen. „Ich weiß nicht, ob sie zufriedener sind. Mit mir redet ja keiner und ich habe nicht genug Zeit, um jeden Tag am Zaun zu stehen und einen Schwatz zu halten.“

Von ABBI und NABU jedoch wird Dellingers Einsatz definitiv gesehen. „Gemeinsam Boden gut machen“ nennt sich das Programm, mit dem die Förderer den Ausbau der ökologischen Landwirtschaft voranbringen und einen aktiven Beitrag zur Verbesserung der Böden, der Gewässer und zum Schutz der Artenvielfalt leisten wollen. „Wo über Jahrzehnte klassische Bullenmast betrieben wurde, stellte Dellinger die Weichen hin zu Biolandbau“, heißt es in der Begründung. „Zudem wird Gemüse des eigenen Betriebes und von benachbarten Betrieben für die Gemeinschaftsverpflegung küchenfertig geschält, geschnitten, portioniert und abgepackt.“ Damit sei Dellinger wichtiger Partner sowohl für Erzeuger als auch für die Gemeinschaftsverpflegung in der Region.

Der Preis wird bundesweit verliehen, Dellinger ist der einzige Landwirt aus Oberbayern. Dotiert ist die Förderung mit einem mittleren fünfstelligen Betrag. „Das ist für uns eine Rückenstärkung, und wir danken für das Vertrauen und die Anerkennung der Jury“, freut sich Dellinger. Also alles richtig gemacht? „Wir sind noch lange nicht fertig mit der Umstrukturierung“, sagt Dellinger. „Aber wir wachsen wieder.“

Internet

konradhof-unering.de

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