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Wolfram Gum ist seit 27 Jahren Bürgermeister.

CSU

Gum: „Ich habe die Schnauze voll“

Der Bürgermeister der Gemeinde Seefeld, Wolfram Gum, hat in der CSU-Jahreshauptversammlung angekündigt, nicht noch einmal für das Amt des Bürgermeisters kandidieren zu wollen.

Seefeld – Im Ortsverband der CSU herrscht Einigkeit: Einstimmig wählten die anwesenden 17 Stimmberechtigten am Mittwoch im Braustüberl ihren Vorstand ins Amt. Einigkeit und gute Zusammenarbeit herrsche auch ziwschen den Gemeinderäten, bestätigt Seefelds Bürgermeister Wolfram Gum. „Außer bei einem“, sagt er und poltert los. Denn der Rathauschef hat „die Schnauze gestrichen voll“. So voll, dass er in drei Jahren voraussichtlich kein weiteres Mal als Rathauschef antreten wolle, kündigt er in der jüngsten CSU-Mitgliederversammlung an. Das liege nicht daran, dass er seit 25 Jahren keine Gehaltserhöhung gekriegt habe. Auch nicht an der vielen Arbeit, die scheut der Mann bekanntlich nicht.

Das Leben schwer mache ihm nicht nur diese eine Person im Gemeinderat, sondern die Summe vieler kleinerer und größerer Hindernisse. Darunter die „irrsinnigen“ Auflagen der EU. Weil „die EU mitmischt“, verursachten „gut gemeinte Gesetze im Vergaberecht“ massive zusätzliche Kosten für kommunale Bauprojekte. Deswegen griff Gum jüngst zu einer List und gründete das Kommunalunternehmen „SeefeldBau“ (SeeKU), das wie ein privates Unternehmen agiert und günstiger baut.

Legal Steuersparen in der Schweiz

Apropos Unternehmen: Richtig wütend wird Gum, wenn er auf die große Firma zu sprechen kommt, die wie berichtet ihren Sitz in die Schweiz verlegte und seither „in Deutschland produziert und die Gewinne in der Schweiz günstig versteuert“. Seefelds Frontmann kommt jetzt so richtig in Rage. Denn deswegen fehlten der Gemeinde von einem Jahr aufs andere mehrere Millionen Euro. Da komme eine kleine Kommune wie Seefeld ganz schön unter Druck. „Und die Politik lässt das einfach zu.“

Besonders verärgert ihn „die starke Macht der Verhinderer, die Gerüchte und Lügen in die Welt setzen“. Damit zielt er auf die Generalsanierung oder den Neubau der Klinik Seefeld ab. Von 80 auf 100 bis 120 Betten soll das Gebäude ausgebaut werden. Entweder am alten Standort generalsaniert und angebaut oder – sollte das genehmigungstechnisch nicht möglich sein – auf einem Areal zwischen den Straßen nach Weßling und Steinebach an der Eichenallee neu entstehen (wir berichteten).

Shitstorm gegen Krankenhauspläne

Dafür stellte die Verwaltung jüngst den Antrag, die betreffende Grünfläche aus dem Regionalplan herauszunehmen. „Viel Sturm im Wasserglas“ habe dieser Antrag verursacht – und man habe Gerüchte in die Welt gesetzt. Wie etwa, dass dafür Eichen gefällt werden müssten. „Keine einzige Eiche würde gefällt“, regt sich Gum darüber auf. Im Gegenteil entstünde der Neubau 30 bis 40 Meter von den Bäumen entfernt, die Zufahrt würde durch den baumfreien Bereich gelegt. Stellplätze müssten nicht zwangsläufig verdichtet werden – und geschützte Tiere gebe es nachweislich auch nicht. „Kein Kiebitz, kein Biber.“ Aktuell sei das Areal „ein überdüngtes Feld“, wundert er sich. Wenn die Klinik den Ausbau nicht in Seefeld umsetzen kann, dann könnte sie nach Gilching abwandern, befürchtet Gum. Als er vor 27 Jahren ins Amt kam, habe ihm sein Vorgänger geraten: „Gum, mach möglichst wenig, dann bist du nicht angreifbar.“ Daran gehalten habe er sich nie, sagt er. „Aber jetzt habe ich die Schnauze voll“, wiederholt er.

Von Michéle Kirner

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