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Krankenhaus auf der Wiese: Einige Bürger protestierten vor der Sitzung mit Plakaten gegen das Vorhaben. 

Chirurgische Klinik Seefeld

Neubau notfalls mitten im Maisfeld

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Die Gemeinde Seefeld wird für den möglichen Neubau der Chirurgischen Klinik die Herausnahme einer Grünfläche aus dem Regionalplan prüfen lassen. Das hat der Gemeinderat am Dienstagabend beschlossen. Dabei ist die Generalsanierung längst nicht vom Tisch – und viele Fragen sind offen.

Seefeld – Generalsanierung oder Neubau, diese Frage treibt derzeit alle um, die mit der Chirurgischen Klinik in Seefeld zu tun haben. Dr. Thomas Weiler, Geschäftsführer des Klinikverbunds Starnberg Penzberg Seefeld, berichtete, dass die Option der Generalsanierung ernsthaft geprüft werde, „und ich würde mich auch dafür einsetzen“. Experten untersuchten das Gebäude, Fachplaner arbeiteten an einem Raum- und Sanierungskonzept. Eine Generalsanierung, die auch einen Anbau an das jetzige Gebäude beinhalten würde, hätte laut Weiler organisatorisch Vorteile für die Klinik – weil der Betrieb weiterlaufen könnte.

Dabei hat Weiler keine Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der Klinik. Allerdings brauche sie statt der jetzigen 75 Betten mindestens 100, höchstens 120 Betten. Zuschüsse würde es auch für die Sanierung, nicht nur für einen Neubau geben. Für den liegen im Krankenhausfonds, in den der Landkreis seit vielen Jahren jährlich einzahlt, bis zu 20 Millionen Euro bereit. Offen ist, wie hoch die Kosten sein werden und wann eine Entscheidung über eine Sanierung fällt.

Falls aus der Generalsanierung nichts wird, möchte die Gemeinde eine alternative Fläche für einen Neubau anbieten können. Vor diesem Hintergrund hat sie eine Ackerfläche gegenüber dem Technologiepark ins Visier genommen (wir berichteten). Zum Argwohn vieler Bürger: Diese verfolgten in hoher Zahl die Sitzung, standen vor der Tür mit Protest-Plakaten. Eine Unterschriftenaktion im Internet haben bereits mehr als 240 Menschen unterzeichnet. Sie wehren sich gegen die Versiegelung der Fläche, die im Regionalplan als Regionaler Grünzug dargestellt ist, und sorgen sich um die Zukunft der Eichenallee, eines an der Fläche vorbeiführenden Naturdenkmals. Nicht zuletzt waren sie, wie auch einige Gemeinderäte, verärgert über den Zeitdruck, der in dieser Angelegenheit seitens der Verwaltung vermittelt wird. „Der Regionalplan wird gerade fortgeschrieben. Bis zum 15. Mai können die Gemeinden Anregungen vorbringen“, erklärte Stefan Futterknecht vom Bauamt. Wann danach die nächste Fortschreibung stattfinde, sei offen. Darum die Eile. Die langfristige Information von Gemeinderäten und Bürgern scheiterte laut Bürgermeister Wolfram Gum an der permanent gestörten Telefonanlage.

Durch alle Fraktionen waren sich die Gemeinderäte einig, dass die Chirurgische Klinik Seefeld zu halten sei. „Ich als Bürgermeister muss alles tun, um den Standort für die Klinik sicherzustellen“, sagte Gum. Bei der diskutierten Fläche gehe es nicht um ein Naturschutzgebiet, „sondern ein intensiv genutztes Maisfeld“. Das Argument, es handele sich um einen Grünzug, der aus München hinaus reiche und für frische Luft sorge „ist hinfällig, weil ein Luftaustausch wegen der Gewerbegebiete ohnehin nicht mehr stattfindet“.

Misstrauen schlug der Verwaltung von den Grünen und der SPD entgegen. Prof. Martin Dameris (SPD) ärgerte sich über Zahlen aus der Vorlage: „Da sollen 40 000 Quadratmeter rausgenommen werden, Dr. Weiler aber spricht von 15 000 Quadratmetern für einen Neubau.“ Tatsächlich liegen keine genauen Angaben über die nötige Grundstücksgröße vor, in beiden Fällen ging es um Schätzungen. Dr. Robert Benoist (Grüne) wollte nicht glauben, dass es bei einer Reservierung des Grundstücks für den Notfall bleibe: „Da geht es um eine gemeinnützige Sache mitten in der Natur und teuren Baugrund im Ort.“ Der Standort sei „total sensibel und absolut ungeeignet“. Früher oder später komme da ein Gewerbegebiet hin, bestimmt.

Benoist und Gum diskutierten schließlich derart gereizt, dass Christian Wagner (CSU) schließlich um mehr Sachlichkeit bat. Robert Schindlbeck (Parteifrei) schlug vor, die Herausnahme der Fläche für ein Sondergebiet Krankenhaus prüfen zu lassen. „Wenn wir die Fläche nicht brauchen, bleibt sie Acker“, versprach Gum, und: „So viel Vertrauen müssen Sie nach 27 Jahren, die ich im Amt bin, mal haben.“ Gegen die Stimmen der Grünen und der SPD ging der Vorschlag durch.

Schindlbeck richtete zuletzt noch einen Appell an die Anlieger der Klinik in Seefelds Mitte. Falls Sanierung und Anbau genehmigt werden, ist mit einem mehrgeschossigen Anbau mit Flachdach zu rechnen, mal ganz abgesehen von reger Bautätigkeit mitten im Ort. Er befürchtet Anliegerproteste, Klagen gegen den Bebauungsplan. „Da müssen wir vielleicht aber alle mal zusammenhalten“, sagte er.

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