Chirurgische Klinik Seefeld

Neubau zur Not in einer anderen Gemeinde?

Die Proteste gegen einen denkbaren Klinikneubau in Seefeld haben die Verantwortlichen aufgeschreckt. Im schlechtesten Fall könnte Seefeld die Klinik verlieren – für Bürgermeister Gum ein Horrorszenario.

Seefeld – Der Standort Seefeld ist für die Chirurgische Klinik nicht in Stein gemeißelt, im schlechtesten Fall könnte Seefeld die Klinik verlieren. Das ließ der Geschäftsführer des Klinikverbundes aus Klinikum Starnberg, Penzberg und seit kurzem Seefeld, Dr. Thomas Weiler, am Donnerstagnachmittag im Kreisausschuss durchblicken. Man müsse Alternativen prüfen für den Fall, dass eine Generalsanierung des Seefelder Klinikbaus nicht möglich wäre und es gleichzeitig massiven Widerstand gegen einen Neubau gäbe. Allzu lange hat die Klinik nicht, ihr Angebot und die Infrakstruktur auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen. Priorität habe jedoch weiter eine Sanierung am jetzigen Standort, betonte auch Landrat Karl Roth.

Die Gemeinde Seefeld hatte vorsorglich bereits die Herausnahme einer Fläche im Dreieck zwischen den Straßen nach Weßling und Steinebach an der Eichenallee aus dem Grünzug beraten (wir berichteten); gegen diesen Standort gibt es bereits massiven Widerstand. Ob es tatsächlich einen Neubau für die Klinik geben muss, ist offen – dringender Handlungsbedarf ist aber geboten. Weiler: „Die bauliche Situation ist mehr als desolat.“ Der Klinik-Chef und Landrat Roth wollen eine rasche Lösung am heutigen Standort, weil das auch viel schneller geht als ein Neubau. Derzeit wird geprüft, ob und wie sich in Seefeld eine Generalsanierung bei gleichzeitiger Erweiterung auf mehr als 100 Betten (derzeit 70) realisieren ließe. „Ob das geht, kann heute niemand sagen“, erklärte Weiler am Donnerstag nach einer nichtöffentlichen Sitzung des Trägers. Der Freistaat würde eine Sanierung mittragen, allerdings brauche es eine Alternativplanung – einen Neubau in der Nähe Seefelds.

Neue Klinikleitung will keine Zeit verlieren

Zu den möglichen Standorten, die die Gemeinde in den Raum gestellt hat, gehören neben der Eichenallee eine Fläche unterhalb des Hechendorfer Bahnhofs und am Ortsausgang von Hechendorf Richtung Inning. Letztere beiden gelten jedoch als wenig aussichtsreich. Weiler machte deutlich, bei zu großem Widerstand und damit möglicherweise langen Verfahren an eine dritte Möglichkeit zu denken: keine Klinik in Seefeld. „Irgendwann müssten wir Alternativen im westlichen Landkreis in Betracht ziehen“, sagte er – jedem war klar, dass das nur eines heißen kann: Die Klinik würde in eine andere Gemeinde verlagert. Mit der Standortsuche will Weiler nicht warten, denn dafür benötige man zwei bis drei Jahre. Erst zu suchen, wenn ein Vorhaben in Seefeld scheitern sollte, bedeutet für ihn einen zu großen Zeitverlust.

Widerstand ist allerdings absehbar, nicht nur in Seefeld selbst. Kreisrat Bernd Pfitzner (Grüne) ließ erkennen, er sehe keine zwingende Notwendigkeit für einen Krankenhausneubau in einem Landschaftsschutzgebiet.

Gum appelliert an die Vernunft

Für Seefelds Bürgermeister Wolfram Gum wäre ein Verlust der Klinik nach dem monatelangen Ringen um deren Erhalt ein Horrorszenario. Die Aussagen Weilers kommen für ihn nicht überraschend. Natürlich gebe es am jetzigen Klinikstandort mitten in Seefeld baurechtliche Gefahren für eine Erweiterung, deswegen sei man in Sachen Neubau aktiv geworden. Die Entscheidung für einen Neubau könne schnell fallen, glaubt er – deswegen appellierte er an die Vernunft aller, sich der Verantwortung für die Klinik und Seefeld bewusst zu sein. Die Klinik habe eine 150-jährige Tradition und sei für Seefeld von enormer Bedeutung. Allerdings gibt es eher gegenteilige Zeichen: Gum war fassungslos, dass angeblich schon Unterschriftenlisten durch Kinder laufen sollen, wobei es um die Verhinderungen von Baumfällungen an der Allee geht.

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