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Containeranlage hat ausgedient

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Von: Hanna von Prittwitz

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Mehr als 20 Jahre alt und völlig abgewohnt: die Containeranlage am Oberfeld in Hechendorf.
Mehr als 20 Jahre alt und völlig abgewohnt: die Containeranlage am Oberfeld in Hechendorf. © andrea jaksch

2015 waren die Container, die von der Gemeinde Seefeld für die Unterbringung von Geflüchteten am Oberfeld in Hechendorf installiert wurden, ein Rettungsanker. Heute sind sie offenbar in einem so schlechten Zustand, dass sie vorzeitig abgebaut werden sollen.

Hechendorf – Im September 2015 erwarb die Gemeinde Seefeld bei der Molkerei Scheitz 48 gebrauchte Container. In ihnen hatte die Molkerei über Jahre hinweg ihre Verwaltung untergebracht, weil auf dem Gelände in Andechs neu gebaut wurde. Der Gemeinde Seefeld kam das Angebot gerade recht, denn Wohncontainer und Traglufthallen waren damals wegen des großen Andrangs an Flüchtlingen Mangelware und auch teuer, die gebrauchten Bürocontainer der Molkerei Scheitz jedoch günstig zu haben. Die Gemeinde vermietete die Anlage an das Landratsamt für die Unterbringung von bis zu 40 Flüchtlingen. Doch nun sind die Container wohl endgültig hin, sie sind jetzt mehr als 20 Jahre alt. Bis Ende des Jahres sollen sie entfernt werden. In ihrer Sitzung am Dienstag bewilligten Seefelds Gemeinderäte den Vorschlag des Landratsamts, den bestehenden Mietvertrag vorzeitig aufzulösen, nämlich schon Ende Oktober 2022, und nicht erst 2025.

Heute wohnen in der Anlage immer etwa 20 Flüchtlinge. Die Zahl schwankt von Tag zu Tag, wie Bürgermeister Klaus Kögel gestern auf Rückfrage sagte. In der Sitzung berichtete er, das Landratsamt habe um Prüfung des Mietvertrags gebeten, „weil die Wohnverhältnisse jedweder Beschreibung spotten“. Dies habe sich längst herumgesprochen, Handwerker würden nicht mehr in die Anlage hineingehen, die Räume und sanitären Anlagen müssten mit „schwerem Gerät desinfiziert“ werden. Die aktuell dort lebenden Menschen könnten jedoch dezentral untergebracht werden.

Johanna Senft (BVS), von Beginn an im Helferkreis Asyl aktiv, bestätigte die Situation. „Die Anlage ist in einem menschenunwürdigen Zustand, eine Sozialbetreuung ist dort nicht mehr möglich.“ Eine dezentrale Unterbringung der Menschen sei viel besser. Ortwin Gentz (Grüne/BI) wollte wissen, welche Rolle bei der ganzen Diskussion die Flüchtlinge aus der Ukraine spielen würden. „Diesen Aspekt sollten wir im Hinterkopf behalten, das ist noch nicht ausgestanden.“ Laut Kögel sollen Ukrainer keinesfalls mit Obdachlosen zusammen untergebracht werden. Er deutete aber auch an, dass sich im Gespräch mit Landrat Stefan Frey ohnehin eine Entspannung abzeichne. „Möglicherweise werden wir unsere Turnhalle schon in Kürze komplett zurückbekommen.“ Wie berichtet, war diese im März als Notunterkunft für Flüchtlinge aus der Ukraine für den Sportbetrieb geschlossen worden, mittlerweile ist sie zur Hälfte wieder im Betrieb, wurde als Notunterkunft jedoch nie genutzt.

Christian Ruf (FWG) wollte genauer wissen, was mit den Containern los ist. „Sie sind alt, abgewohnt und nicht sachgemäß benutzt“, antwortete Ingo Spengler von der Verwaltung. Senft sagte: „Es gibt zwei Küchen für zu viele Leute. In der Wohnanlage an der Ulrich-Haid-Straße in Seefeld zum Beispiel ist die Situation eine andere, weil die Menschen auf einzelne Wohneinheiten verteilt wurden.“ Dennis Weber (Grüne/BI) begrüßte die offene Debatte. „Ich danke für den Vorstoß. Denn die Situation bietet sozialen Sprengstoff und es ist ehrlich, sich damit zu befassen.“

Die Frage ist: Was passiert nun mit der Fläche? Statt der Flüchtlingsunterkunft soll dort nun eine Obdachlosenunterkunft entstehen. Kögel berichtete, dass sich die Gemeinde bereits Anlagen in Modulbauweise in Landsberg wie auch die neue Anlage in Herrsching (lesen Sie dazu den Bericht auf Seite 6) angeschaut hätte. Grundsätzlich ist die Gemeinde verpflichtet, in der Kommune gemeldete Menschen, die obdachlos werden, unterzubringen. Derzeit gibt es zwei Menschen, die jedoch untergebracht sind, sagte er gestern. Zeitweise habe der Landkreis Fürstenfeldbruck ausgeholfen mit einer Unterkunft am Fliegerhorst, die aber auch sehr teuer gewesen wäre. Das käme nun nicht mehr in Frage. Kögel kann sich auf dem Gelände nun eine Anlage für bis zu zehn Personen vorstellen. Dies sei aufgrund der Bauvorschriften vermutlich auch schon sehr teuer.

Letztlich beschlossen die Seefelder Gemeinderäte einstimmig, den Vertrag mit dem Landratsamt Starnberg zum 31. Oktober aufzuheben. Die Verwaltung soll Vorschläge erarbeiten, wie mit der Fläche dann zu verfahren ist.

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