Um die Wiese im Hintergrund geht es: Die Naturschützer Dr. Linda Rüger, Ildiko Gaal-Baier, Günter Schorn, Ortwin Gentz, Constanze Gentz und Berit Grubert (v.l.) informierten gestern Abend darüber, dass ein Gutachter die „artenreiche Flachlandmähwiese“ direkt an der Lindenallee als unbedingt erhaltenswert ansieht.
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Um die Wiese im Hintergrund geht es: Die Naturschützer Dr. Linda Rüger, Ildiko Gaal-Baier, Günter Schorn, Ortwin Gentz, Constanze Gentz und Berit Grubert (v.l.) informierten gestern Abend darüber, dass ein Gutachter die „artenreiche Flachlandmähwiese“ direkt an der Lindenallee als unbedingt erhaltenswert ansieht.

Mögliches Klinik-Gelände

Fläche besonders geschützt? Naturschützer überraschen mit neuer Untersuchung

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Vertreter von Bund Naturschutz im Landkreis und in Seefeld haben am frühen Montagabend den vorläufigen Befund eines Gutachtens vorgelegt. Nach dessen Einschätzung steht mehr als die Hälfte der geplanten Fläche für den Klinikneubau an der Lindenallee in Hechendorf unter besonderem Schutz.

Hechendorf – Die Untersuchung ist noch ganz frisch. So frisch, dass noch nicht einmal ein abschließendes Gutachten vorliegt, sondern nur ein vorläufiger Befund. Aber auch der hat es nach Ansicht von Günter Schorn, dem Vorsitzenden der Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN), in sich. Bei mehr als der Hälfte der für den möglichen Klinikneubau an der Lindenallee in Hechendorf benötigten knapp 25 000 Quadratmeter handele es sich demnach um eine „artenreiche Flachlandmähwiese“, nannte Schorn bei einem Pressetermin am frühen Montagabend als das wesentliche Ergebnis der Untersuchung.

Im Bürokratendeutsch ist das ein „FFH-Lebensraumtyp 6510“. Und der sei seit dem erfolgreichen Volksbegehren „Rettet die Bienen“ und dessen Übernahme ins Bayerische Naturschutzgesetz speziell geschützt, sagte Schorn. „Ich glaube, dass damit dieser Standort ausgeschieden ist“, betonte der BN-Kreischef.

Es geht um die Wiese direkt an der Lindenallee, die nur zweimal im Jahr gemäht wird – im Gegensatz zur dahinter liegenden Fläche, die intensiver genutzt wird. „Die Wiese schaut auf den ersten Blick unscheinbar aus“, sagte Schorn. Der BN habe aber mehr wissen wollen – und deswegen Burkhard Quinger mit einer Untersuchung beauftragt. Quinger kommt aus Herrsching, ist Diplom-Biologe und gehört dem BN-Kreisvorstand als Beisitzer an. Und er gelte als „Wiesen-Papst“, der auch mit Behörden, darunter dem Landratsamt, auf diesem Gebiet zusammenarbeite, erklärte Schorn.

Vor noch nicht einmal zwei Wochen, am 26. Mai, sei Quinger auf der Wiese in Hechendorf gewesen und habe drei jeweils 30 Quadratmeter große Probeflächen überprüft, entsprechend den Vorgaben der amtlichen Kartieranleitung. Dabei habe er unter anderem das Breitblättrige Knabenkraut, die Wiesenglockenblume, den Klappertopf und den Großen Wiesenknopf gefunden, zählte Seefelds BN-Vorsitzende Constanze Gentz auf.

„Bis auf einem intensiv genutzten Grünland eine solche Artenvielfalt wieder hergestellt werde kann, braucht es oft Jahrzehnte“, erklärte Schorn auch vor dem Hintergrund, dass solche Flächen Lebensraum für unzählige Tierarten seien: Vögel, Frösche, Heuschrecken, Spinnen, Käfer, Bienen, Schmetterlinge und viele mehr. „Diese Zeit haben wir vor dem Hintergrund des bedrohlichen Artensterbens nicht.“ Was in Hechendorf hinzukommt: Die genannte Wiese verbindet an ihren Rändern zwei Biotope miteinander, darunter den Ödenbächl. Und mehr noch: Mit einer Einordnung als FFH-Lebensraumtyp 6510 erhalte die Fläche auch selbst den Schutzstatus eines Biotops, sagte der Seefelder BN-Beisitzer und Gemeinderat Ortwin Gentz (Grüne/BI).

„Wir müssen solche Flächen mit Vorbildcharakter erhalten und fördern“, erklärte der BN-Vorsitzende. Dabei geht es ihm nicht nur um Worthülsen, Bitten oder Appelle. Sollte die Fläche tatsächlich unter den besonderen Schutz fallen, könnte sie auch bei einer möglichen juristischen Auseinandersetzung um einen Klinikneubau an dieser Stelle eine handfeste Rolle spielen. „Wir müssen anerkennen, dass es Gesetze gibt, die solche Räume schützen“, sagte Schorn auch mit Blick auf Landrat Stefan Frey und Gemeindevertreter, die für den Klinikneubau an dieser Stelle sind. „Die Natur ist gesetzlich geschützt. Und da pochen wir auch drauf.“ Den Klageweg hält sich Schorn dabei bewusst offen. „Wir müssen massiv dagegenhalten.“

Dass der BN den vorläufigen Befund des Gutachtens just am Vorabend der Informationsveranstaltung zum Klinikneubau (siehe Kasten) öffentlich machte, war kein Zufall. Schorn will darauf heute auch in seinem Wortbeitrag eingehen. Sie wollten den Bürgern möglichst viele Informationen geben, sagten die Naturschützer gestern – schließlich seien die Stimmbenachrichtigungen für das Ratsbegehren am 27. Juni bereits verschickt.

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