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Das Linsenprojekt

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Von: Hanna von Prittwitz

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Besuch auf dem Linsenfeld (knieend v.l.): Theresa Boisson (Starnberger Land), Bernhard Neumüller, Katharina Müller und Annemarie Pentenrieder (Starnberger Land).
Besuch auf dem Linsenfeld (knieend v.l.): Theresa Boisson (Starnberger Land), Bernhard Neumüller, Katharina Müller und Annemarie Pentenrieder (Starnberger Land). Foto: Andrea Jaksch © Andrea Jaksch

Linsen sind gesund und als Eiweißträger zunehmend beliebt. Angebaut werden sie im Landkreis dennoch selten. Öko-Landwirt Bernhard Neumüller hat sich an die Pflanze herangewagt. Seine Linsen gibt es jetzt auch bei „Starnberger Land“ zu kaufen.

Hechendorf – Die Linse ist ein Seelchen. Sie braucht eine andere Pflanze, um sich anzulehnen, steht nicht gern mit den Füßen im Wasser, und auch bei der Ernte und der Nachbearbeitung kann vieles schiefgehen. Im Zuge seiner Meisterarbeit begann Landwirt Bernhard Neumüller aus Hechendorf vor drei Jahren mit dem Anbau von Linsen. Und er blieb dabei – wohl als einziger im Landkreis Starnberg. Darüber freut sich auch die Solidargemeinschaft „Starnberger Land“, die die Hülsenfrüchte vertreibt. Am Mittwoch ging es auf Einladung von „Starnberger Land“ mit ein paar Neugierigen hinaus aufs Feld zur Linsendemonstration.

Bei der Linse muss man schon genau hinschauen, um sie zu finden. Auf dem Acker von Neumüller, seit 2017 Öko-Landwirt, versteckt sie sich heuer zwischen Leindotterpflänzchen. An dieser Stützpflanze lehnt sie sich an, ansonsten würde sie zusammenfallen. „In Gebieten mit mehr Niederschlag, also bei uns, wächst sie immer weiter, bildet immer wieder neue Linsen“, erklärt Neumüller und zeigt die zarten grünen Schoten. Auf dem Feld ist das ständige Weiterwachsen nicht so praktisch. „Ich muss mir genau den Moment heraussuchen, an dem ich denke: Jetzt habe ich die größte Anzahl an Früchten, die beste Ernte und halbwegs trockene Samen.“ Nach dem Dreschen muss er die Linsen auf unter 14 Prozent Feuchtigkeit nachtrocknen. „Sonst sind sie nicht lagerfähig“.

In anderen Regionen in Deutschland werden die Linsen auch ohne Stützkultur angebaut. Neumüller hat heuer zum ersten Mal Leindotter hergenommen, früher waren es auch mal Gerste und Hafer. Auf einem Hektar hat er vier, fünf Kilo mitsamt Linsen ausgesät. Alles für die Standfestigkeit. Doch der Leindotter hat noch einen Vorteil: Um die Stützpflanze in Schach zu halten, darf Neumüller als Ökolandwirt nur ein, höchstens zwei Mal mit seinem Striegel, dem Standardgerät im ökologischen Anbau, rausfahren. So kann er zwar theoretisch für Ordnung sorgen, ohne die Linse zu zerstören. In manchen Jahren findet sich dafür aber nicht der passende Zeitpunkt. An manchen Stellen hat sich nun der Leindotter durchgesetzt. Auch okay, sagt Neumüller. Denn auch den kann er ernten.

Die Linse mag längst nicht jeden Standort. Heuer wächst auf einem der Äcker an einer Stelle die Beluga-Linse, an der anderen die Anicia-Linse, eine Puy-Linsen-Art. Drei Jahre muss Neumüller für die Ansaat vorplanen, Fruchtfolgen anpassen. Dazu kommt die Nachfrage, die ständig wechselt, und auf die Neumüller reagieren muss. Mit der Ernte rechnet er heuer Ende August. Der Ertrag liegt im Durchschnitt bei rund 1000 Kilogramm pro Hektar. Heuer hat Neumüller auf insgesamt vier Hektar Linsen angepflanzt.

Bevor Neumüller für seine Meisterarbeit mit dem Anbau von Linsen begann, hatte er sich auch schon mit anderen sogenannten Leguminosen wie Erbsen und Ackerbohnen herumgeschlagen. „Die Erbsen mögen auch keine nassen Füße“, sagt er. Und die Ackerbohne kommt nicht zurecht mit Hitze und Trockenheit. Einen Maisversuch wollte Neumüller nicht machen, also landete er bei den Linsen. Das erste Jahr sei super gewesen, berichtet er. Im zweiten Jahr überstanden die Linsen die Regenfälle nur, weil sie auf kiesigem Grund standen. Dieses Jahr habe ihm ein bisschen die Zeit gefehlt, die Ernte Ende August werde zeigen, was rauskommt.

Das Besondere an der Linse ist, dass sie keinen Stickstoff braucht. Wenn also noch viel Stickstoff im Boden ist, ist das „ökologisch betrachtet Schwachsinn“, erklärt Neumüller, der seine berufliche Karriere als Fluggerätemechaniker bei Ruag begann, nebenher im landwirtschaftlichen Betrieb des Vaters arbeitete, eine landwirtschaftliche Lehre mit dem Meisterbrief abschloss und auch noch Agrarbetriebswirt ist.

Nachahmer hat Neumüller im Landkreis bisher noch nicht gefunden. In den Landkreisen Fürstenfeldbruck und in Landsberg gibt es Landwirte, die Sonderkulturen anbauen und bei „Unser Land“ vertreiben, und wohl auch im Allgäu. „Der Linsenanbau wächst schon ein bisschen mehr, ist im Vergleich aber verschwindend gering und wird in der Statistik keine Rolle spielen“, meint Neumüller.

Der junge Hechendorfer leistet also sozusagen „Pionierarbeit“, wie Annemarie Pentenrieder von „Starnberger Land“ es ausdrückte. Zuschüsse gibt es dafür trotzdem nicht. Und in den wärmeren Ländern passiert mit Blick auf den Linsenanbau eine Menge mehr, weshalb sie zumeist importiert werden. Dennoch, Pentenrieder freute sich: „So gesehen helfen ,Starnberger Land’ und ,Unser Land’ dabei, dass so was wie der Linsenanbau etabliert wird.“ Magnus Ruhdorfer, Landwirt aus Rausch, bestätigte sie: „Wir können vieles machen, wenn es gewollt wird. Was nicht gewollt wird und nicht gekauft wird, machen wir auch nicht mehr.“

Vor und nach dem Feldbesuch gab es feine Linsenpflanzerl mit Dip und einen Linsensalat. Im Hofladen verkauft Neumüllers Lebensgefährtin Katharina Müller ab Herbst neben Linsen wieder Sonnenblumenöl, Senf und vieles mehr. Und auch mit dem Linsenanbau soll es weitergehen, trotz des Aufwands. „Also mutig sind Sie, wirklich“, so das Fazit einer Teilnehmerin.

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