Hilfe für und aus der Gastronomie: Das Team von My Spotti in Seefeld mit (v.l.) Geschäftsführerin Dr. Birgit Knoll, Manfred Mies, Klaus Hasemann, Sibe Jakimovski, Mario Pejnovic, Caroline Lichtenberger, Sibylle Knapp-Ginder und Cedric Asboth bekommt in der Produktion derzeit Unterstützung vom Klostergasthof Andechs. Auf dem Foto (v.r.): Veranstaltungsleiterin Sarah Fröhlich, Wirt Ralf Sanktjohanser und Service-Mitarbeiter Laszlo Nemeth.
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Hilfe für und aus der Gastronomie: Das Team von My Spotti in Seefeld mit (v.l.) Geschäftsführerin Dr. Birgit Knoll bekommt Unterstützung vom Klostergasthof Andechs. Auf dem Foto (v.r.): Veranstaltungsleiterin Sarah Fröhlich, Wirt Ralf Sanktjohanser und Service-Mitarbeiter Laszlo Nemeth.

Die Gastro-Gastarbeiter

Wenn Krisen-Gewinner und -Verlierer profitieren: Gasthof-Angestellte verpacken jetzt Design-Folien

  • Tobias Gmach
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Die einen dürfen nicht arbeiten, die anderen kommen vor lauter Aufträgen nicht hinterher: So haben der Klostergasthof Andechs und das Seefelder Unternehmen My Spotti zusammengefunden. Gastro-Mitarbeiter verpacken nun Folien für Dusch- und Küchenwände.

Landkreis – Dies ist eine Geschichte von Gewinnern und Verlierern der Corona-Krise. Aber sie geht für alle gut aus. Denn hier gewinnen auch die Verlierer. Wie zum Beispiel Sarah Fröhlich. Die 41-Jährige ist gelernte Hotelfachfrau und Veranstaltungsleiterin im Klostergasthof Andechs. Sie organisiert Hochzeiten, Geburtstagsfeiern und Firmenveranstaltungen auf dem Heiligen Berg – und nebenbei das Catering auf Messen. Derzeit arbeitet sie aber nur etwa acht Stunden die Woche. Der Gasthof bietet Geschenkkörbe mit Speck, Bier und Schnaps an. Fröhlich arbeitet die Bestellungen ab, sonst ist wenig zu tun. Sie sagt: „Ich habe fast gar kein Einkommen mehr.“

Dank einer Kooperation des Klostergasthofs mit dem Seefelder Unternehmen My Spotti kommen nun immerhin 450 Euro im Monat dazu. Und damit wären wir beim Krisen-Gewinner: My Spotti fertigt Folien, mit denen man Duschrückwände und Küchenfliesen verzieren kann – im Backsteinstil, als Kacheln wie in den 1950er Jahren oder kunstvoll-modern. Dazu kommen Vinylbodenmatten, bunte Tapeten und Kunstdrucke. „Wir haben so viel zu tun, dass wir die Pakete nicht mehr ausgeliefert bekommen“, sagt Geschäftsführerin Dr. Birgit Knoll.

Das Prinzip, regional einzukaufen, zahlt sich aus

Die Firma mit 24 Mitarbeitern beliefert auch große Möbelhäuser wie Höffner oder Baumärkte wie Hornbach. „Die haben unsere Produkte heuer stärker beworben, weil wir im Gegensatz zu anderen immer lieferfähig waren.“. Das Prinzip, Platten und Folien für die Produktion nicht in China oder Südostasien zu bestellen, habe sich ausgezahlt, sagt Knoll. Und sie nennt einen weiteren Erfolgsfaktor: „Dass viele derzeit ihr Zuhause aufhübschen, spielt uns auch in die Karten.“

My Spotti suchte also Hilfe beim Verpacken, wollte dafür aber niemanden längerfristig anstellen, um in diesen Zeiten flexibel zu bleiben. Nach etwas Vermittlungshilfe von Starnberger Merkur und Wirtschaftsfördergesellschaft gwt stand Ralf Sanktjohanser, der Wirt des Andechser Klostergasthofs, bei Birgit Knoll auf der Matte.

Sanktjohanser hatte zuvor schon versucht, seine Mitarbeiter beim Gesundheitsamt unterzubringen – was nicht klappte. „Die wollen alle unbedingt arbeiten“, sagt er über seine Angestellten. Das können sie jetzt wieder, zumindest einen Tag pro Woche. Drei Gastrogastarbeiter packen seit kurzem jeweils einen Tag in der Woche in der Seefelder Fabrikhalle von My Spotti mit an: der Biergartenchef des Klostergasthofs, ein Kellner und eben die Veranstaltungsleiterin Sarah Fröhlich. „Die sind hartes Arbeit aus der Gastro gewöhnt. Wir sind dankbar für ihre Unterstützung“, sagt Geschäftsführerin Knoll. Die Neuen fügen sich ihrer Aussage nach gut ein, etwa 100 Pakete verpackt jeder von ihnen an einem Arbeitstag.

„Es ist schon megahart, über so viele Monate zu knapsen“

Ein Blick auf den Lieferschein, der Griff zur richtigen Folie, rein in den Karton. So verdient sich die Andechser Veranstaltungsleiterin etwas zum Kurzarbeitergeld dazu. Fröhlich muss sich gerade selbst einschränken. Sie habe Sparverträge und die Finanzierung ihres Autos auf Eis gelegt, sagt sie. Letztere aber nur vorübergehend: „Ich brauche mein Auto ja zum Pendeln.“ Außerdem spare sie an Klamotten und Kosmetik. Bei Lebensmitteln geht das nicht: „Wenn man viel daheim ist, braucht man mehr.“ Das tägliche Mittagessen bei ihrem Arbeitgeber im Gasthof gibt es derzeit nicht. „Es ist schon megahart, über so viele Monate zu knapsen“, sagt Fröhlich.

Wirt Sanktjohanser wünscht sich, dass noch mehr seiner Leute in Seefeld helfen können. „Zwei weitere stehen schon in den Startlöchern.“ My-Spotti-Chefin Knoll schließt weitere Aushilfen nicht aus. Sie rechnet sogar damit, langfristig Unterstützung zu brauchen, auch wenn die Gastronomen wieder arbeiten dürfen. „Dann müssen wir wieder auf Schüler und Studenten zurückgreifen.“

Vernetzung von Betrieben

Betriebe, die Aushilfen suchen oder ihren Mitarbeitern Jobs in der Krise beschaffen wollen, können sich an die Starnberger Unternehmenshilfe wenden. Ansprechpartnerin ist Annette von Nordeck von der gwt, erreichbar per E-Mail an nordeck@starnbergammersee.de oder unter (0 81 51) 90 60 18.

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