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Die Stimmverbesserin

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Von: Hanna von Prittwitz

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Ein Gänsehaut-Moment: Beim Fotografieren an ihrem Arbeitsplatz in Hechendorf singt Christiane-Maria Vetter spontan eine Arie.
Ein Gänsehaut-Moment: Beim Fotografieren an ihrem Arbeitsplatz in Hechendorf singt Christiane-Maria Vetter spontan eine Arie. © Andrea Jaksch

Die menschliche Stimme „ist der durch die Stimmlippen im Kehlkopf eines Menschen erzeugte und im Vokaltrakt modulierte Schall“, heißt es nüchtern bei Wikipedia. Dabei ist sie so viel mehr, zum Beispiel eine Art Visitenkarte, und auch eine Schwingung im Körper, die glücklich machen kann. Auf jeden Fall ist es lohnend, sich mit ihr zu befassen.

Hechendorf - Die Opern- und Konzertsängerin Christiane-Maria Vetter aus Hechendorf setzt dort an. „Ihr Auftritt!“ – Die Stimme: Ihre Visitenkarte“ nennt sie ihr Konzept, mit dem sie mittlerweile deutschlandweit Stimmbildung und Sprechtechnik vermittelt.

Christiane-Maria Vetter, Jahrgang 1967, lebt und arbeitet in einer sonnendurchfluteten Dachgeschosswohnung. Aus den Fenstern reicht der Blick über Oberalting-Seefeld, Schloss Seefeld und den Pilsensee. Ein wunderbarer Ort, um sich mit der eigenen Stimme zu befassen. „In diesem Raum sind immer viele Emotionen“, sagt Vetter lächelnd. Denn die Stimme ist auch etwas sehr Persönliches, bei der Arbeit mit ihr „gibt man viel von sich preis“.

Vetter sagt: „Wer sich mit der eigenen Stimme befasst, tut etwas für sich selbst, aber auch das Gegenüber.“ Das wissen wir alle, nichts ist enervierender als unangenehme Stimmlagen, verdruckstes Genuschel oder grobes Gebell. Im Zeitalter der Online-Konferenzen hat die Stimme noch mehr an Gewicht gewonnen. „Die Menschen, die ich unterrichte, wünschen sich mehr Volumen, mehr Tiefe in der Stimmlage und mehr Gelassenheit. Denn eine hohe Stimme strahlt Stress und Anstrengung aus, die tiefere steht für Entspanntheit und Selbstbewusstsein“, sagt Vetter. Auch Großeltern lassen sich von Vetter stimmlich auf die Sprünge helfen, „wenn sie mit ihren Enkeln Weihnachtslieder singen möchten“.

Es ist die zweite Karriere der Sopranistin, die beim Fotoshooting lässig am Klavier stehend so spontan wie mühelos eine Arie schmettert, dass man gleich Gänsehaut bekommt. Geboren wurde Vetter in Dublin, Irland, ihre Kindheit verbrachte sie in San Francisco (USA). Grund dafür war der Beruf ihres Vaters: Dr. Eugen Vetter war Direktor des Goethe-Instituts. 1978 zog die Familie schließlich nach Hechendorf und blieb dort. Gesungen habe sie immer schon, erinnert sich Vetter. Dass sie letztlich in München Opern- und Konzertgesang studierte, ist der Sängerin Heidi Ehrengut zu verdanken, die zu Vetters Jugendzeit wenige Meter weiter wohnte. „Sie war meine allererste Gesangslehrerin.“ Unter den Studienkollegen war auch Jonas Kaufmann, er wohnte bis vor wenigen Jahren ebenfalls in Hechendorf.

Vetters Karriere nahm schnell an Fahrt auf, 1996 schließlich erhielt sie ihren ersten Festvertrag am Landestheater Dresden. „Das war ein großes Glück“, sagt Vetter. „Ich habe wirklich noch eine Förderung am Theater erfahren, das ist heute nicht mehr so. Die Künstler werden nicht mehr aufgebaut.“ Vetter hat alle wichtigen Partien des hohen Koloraturfachs gesungen, von La Traviata über die Königin der Nacht bis zur Konstanze aus „Die Entführung aus dem Serail“. Sie stand auf vielen verschiedenen Bühnen, sang im Dresdner Zwinger und auf Freilichtbühnen.

Die große Erfahrung kommt ihr heute zupass. 2010 kehrte sie aus Dresden nach Hechendorf zurück, bot an der Volkshochschule Stimmbildung an. Und nach und nach entwickelte sich ihr Konzept. „Das war dann wie eine Berufung. Ich habe es nicht angeschoben, sondern es hat sich gefügt.“ Auch wenn sie natürlich immer noch gerne auf der Bühne steht, so es sich ergibt.

Heute hat Vetter 35 Schülerinnen und Schüler, unterrichtet an den Volkshochschulen Herrsching und Starnberg, hält Vorträge über die Stimme an den Gymnasien Starnberg und Gilching und auch bei der BMW Group. Sängerinnen und Sänger buchen Stunden, und auch die Führungskraft, die einen Vortrag zu halten hat. Dabei geht es dann nicht nur um die Stimme, sondern auch das Auftreten und, ganz wichtig, die Atemtechnik. Kurz vor Beginn der Pandemie hatte Vetter bereits mit einem Online-Kurs begonnen, eine Schülerin bat von Hamburg aus um Unterstützung. „Als dann die Pandemie begann, war ich bereits gut aufgestellt. Das war dann fast noch ein Kick zusätzlich.“

Schließlich gibt Vetter noch ein paar Denkanstöße für den täglichen Gebrauch. „Die Stimme muss mit dem Körper verbunden sein“, erklärt sie. Denn obwohl sie im Außen zu hören sei, „entsteht sie im Innern. Wir müssen sie in den Körper hineinziehen“. Wer sich mit der Stimme befasse, fühle sich oftmals auch besser. „Sie spüren die Klangschwingung im Körper, und das macht Sie auch glücklich. Sich der Stimme bewusst werden, hat auch mit Selbstbewusstsein zu tun.“ Dabei gehe es auch um Authentizität und Ausstrahlung. Und so wie der Gaumen Abwechslung mag, ist auch das Ohr dankbar für Abwechslung beim Zuhören.

Was sie meint, kann Vetter eindrucksvoll demonstrieren. Sie spricht laut und leise, frei und belegt, herrisch und ängstlich, langsam und schnell, und plötzlich sitzen sie alle mit im Zimmer: die Verdrucksten, die Schreihälse, die Nuschler, die Schnapp-atmer und Schnellredner. Keine Frage, die Stimme ist mehr als „im Vokaltrakt modulierter Schall“. Vetter sagt: „Es gibt kein stimmliches Problem, das man nicht in den Griff kriegt.“

Die Website von Christiane-Maria Vetter ist unter cm-vetter-sopran.de zu finden. Dort können sich Interessenten auch für Einzelstunden anmelden. Bei der VHS Herrsching bietet sie am Dienstag, 25. Januar, einen Workshop für die Singstimme an – von 17 bis 20 Uhr. Die Teilnahme kostet 47 Euro. Anmeldung: vhs-herrsching.de.

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