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Auf den ersten Blick sehen sie aus wie Ziegen, es handelt sich aber um Kamerunschafe: Gerhard Bönsch in seinem Stall bei Hechendorf.

Landwirtschaft

Schafstadl beunruhigt Bürger: Baustopp

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Für Aufregung sorgt eine Baustelle am Drößlinger Ortsrand. Weil sich die Bürger beschwerten, sah sich der Baukontrolleur des Landratsamts Starnberg am Dienstag die Sache genauer an – und verhängte einen Baustopp. Bauherr ist der Hechendorfer Gerhard Bönsch, der in Drößling einen Unterstand für seine Kamerunschafe bauen möchte.

Drößling – Die Baustelle am Ortsrand von Drößling ist imposant. Bagger haben von der Erlinger Straße hinauf bis zur Hügelkuppe die Erde weggeschoben und eine Zufahrt geschaffen. Nach dieser Aktion lagen die Nerven der Drößlinger offensichtlich blank. Einige Bürger hätten besorgt in der Gemeinde angerufen, berichtete Bürgermeister Gum in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. Daraufhin habe die Verwaltung das Landratsamt verständigt. „Der Baukontrolleur hat soeben einen Baustopp verhängt, die Angelegenheit wird überprüft“, so Wolfram Gum.

„Das ist alles an uns vorbeigelaufen“, entrüstete sich Ulrich Pirzer (FWG) in der Sitzung. Auch Christian Wagner (CSU) war kritisch: „Der Bauherr ist für mich kein Landwirt, sondern Autohändler“, sagte er. Wenig Verständnis hatte er auch dafür, dass die Gemeinde offenbar nicht informiert worden war über das Projekt. Was genau Gerhard Bönsch auf dem Gelände plant, war dem Gremium nicht bekannt. Stefan Diebl, Sprecher des Landratsamts, bestätigte indessen den Baustopp. Es läge keine Baugenehmigung vor, außerdem bestünden Zweifel daran, dass das Vorhaben überhaupt genehmigungsfähig sei. „Bis zur Klärung gilt der Baustopp“, sagte er.

Auf Nachfrage berichtete Gerhard Bönsch gestern, dass er auf dem Grundstück einen Stadel für seine Kamerunschafe, etwa 30 Stück, bauen wolle. Vor drei Jahren bereits habe er 11 000 Quadratmeter Fläche dort gekauft, weitere 39 000 Quadratmeter hat er gepachtet. Die Flächen befinden sich direkt neben dem Areal, für das die Gemeinde im Rahmen einer Abrundungssatzung einen Bebauungsplan aufstellt (wir berichteten). „Das habe ich damals beim Kauf gar nicht gewusst“, sagt Bönsch. Er habe aber daraufhin entschieden, den Bau seines Stadels zügig in Angriff zu nehmen und ihn entfernt von dem zukünftigen Bauland „ziemlich weit oben“ auf dem Hügel zu errichten. Das habe wohl auch einen Nachbarn geärgert, der sich um seinen Alpenblick gebracht fühle.

Bönsch ist neben seiner Tätigkeit als KFZ-Mechaniker und -Händler als Landwirt tätig. Am Ortsrand von Hechendorf in Richtung Inning unterhält er bereits seit einigen Jahren eine Zucht mit etwa 80 Kamerunschafen. Bönsch lässt in St. Ottilien schlachten und vermarktet das Fleisch. Weil er auch gehobene Gastronomie versorgt, gibt es für das Produkt eine lange Warteliste. „Ich will aber nicht größer werden. Das Tier steht bei mir im Vordergrund“, sagt Bönsch.

Der Stall in Drößling soll etwa 100 Quadratmeter Grundfläche haben und bis zu 30 Schafe beherbergen. Was die Emissionen angehe, sei dies kein Problem, glaubt Bönsch. Die Straße sei nur für die Bauzeit gedacht, „sie wird zu einem Weg zurückgebaut“. Zudem plane er eine Streuobstwiese und einen sechs Meter breiten Blühstreifen. „Am Ende wird das sehr schön dort werden “, sagt er.

Die Gemeinde Seefeld sei von ihm vor wenigen Wochen über das Vorhaben informiert worden, so Bönsch. Doch weder von der Gemeinde, noch von anderen Behörden habe er eine Reaktion erhalten. „Und im Amt für Landwirtschaft in Weilheim hieß es: Deine Scheune ist so klein, das interessiert uns gar nicht.“ Die Aufregung um das Projekt in Drößling bedauere er, und auch die Vorbehalte gegen seine Person. „Ich habe viele Standbeine, und nur wegen der erfolgreichen Mischung kann ich mir den Luxus der Schafhaltung überhaupt leisten“, sagt Bönsch. Er werde nun ganz ordnungsgemäß einen Bauantrag einreichen. „Das wird sich nun alles verzögern, aber das ist mir egal.“

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