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Im Fokus: Über zwei Stunden lang erklärte Gemeinderat Dr. Oswald Gasser das Einheimischenmodell.

Wer kommt zum Zug?

Einheimischenmodell in Hechendorf: Das Spiel um die Punkte

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Die Gemeinde Seefeld setzt ihr Einheimischenmodell in Hechendorf nach den neuen EU-Richtlinien um. Ein Infoabend zeigt: Es gibt viel Interesse, aber auch einige Skepsis an der Vergabe – und an manchen Interessenten.

Hechendorf – Wolfram Gum schüttelt ungläubig seinen Kopf, zückt sein Handy und macht ein Foto. 180 Besucher. „Eine der größten Veranstaltungen, die der Hechendorfer Pfarrsaal je gesehen hat“, sagt der Seefelder Bürgermeister dann am Mikrofon. Die sind am Donnerstagabend aber nicht im Glauben an Gott zusammengekommen, sondern in der Hoffnung auf Wohnraum auf der Fläche „Am Hohenrücken“.

FDP-Gemeinderat Dr. Oswald Gasser hat sich ihnen gestellt. Es gab viel zu klären: Die neuen EU-Richtlinien macht das Verfahren für Einheimischenmodelle noch komplexer als es ohnehin schon war. „Wir sind eine der ersten Gemeinden, die das so umsetzt“, betonte Gasser, der sich monatelang in das Thema eingearbeitet hat. Von allen Seiten des Pfarrsaals wurde er dann bombardiert – 137 Fragen und Anregungen später gingen die Besucher nach Hause.

Doch der Reihe nach: Es geht um 30 zu vergebende Grundstücke mit Größen von 208 bis 553 Quadratmetern. „Wir setzen auf eine massive Bebauung, sodass viele zum Zug kommen“, erklärte Gum. „Ich würde mich freuen, wenn das eine schöne kleine Siedlung wird.“ Die Gemeinde rechnet mit etwa 100 Bewerbungen.

Das Verfahren: Der Käufer muss nach zwei Jahren mit dem Bau anfangen, nach fünf Jahren darin für mindestens zehn Jahre wohnen. Baubeginn könnte schon im Frühjahr 2018 sein. Jeder Interessent bewirbt sich auf konkrete Grundstücke. „Jeder darf sich bewerben“, sagt Gasser, „wir haben nur soziale Grenzen.“ Ob und welches Grundstück man kaufen darf, hängt von seiner individuellen Punktzahl ab. Die errechnet sich aus vielen Faktoren – dazu zählen etwa die Wohn- und Arbeitsdauer in der Gemeinde. Auch für Einkommen und Vermögen gibt es Punkte. Wer durchschnittlich mehr als 51 000 Euro zu versteuerndes Einkommen hat, ist aus dem Rennen. Je weniger Vermögen und Einkommen ein Bewerber hat, desto mehr Punkte gibt es. Dennoch müssen die Interessenten das Grundstück finanzieren können, kritisierten Besucher. „Man wird hier auf Kante nähen müssen“, gab Gasser zu. „Manchmal fragt man sich, ob die Behörden, die solche Richtlinien festlegen, auch rechnen können.“

Punkte gibt es auch für jedes Kind eines Bewerbers. Das eröffnet Möglichkeiten, sagt ein Besucher hinter vorgehaltener Hand. „Theoretisch könnte sich eine sechsköpfige Familie aus Italien damit bewerben und den Zuschlag bekommen.“ Der Markt habe sich sehr zugespitzt. „Jeder will auf Gedeih und Verderb was kriegen.“

Eine Besucherin monierte, dass Führungspositionen im Ehrenamt angerechnet werden. Als gebürtige Seefelderin, die vor Jahren weggezogen ist, „kann ich doch gar kein Ehrenamt nachweisen“. Interessenten wie sie hätten keine Chance.

Nach dem Infoabend stehen Martin Becher (39) und Arion Banci (45) vor dem Pfarrsaal. Beide wollen sich bewerben. „Aktuell kostet das Haus locker eine Million Euro“, sagt Becher. Deshalb setzt er seine Hoffnung in das Einheimischenmodell. „Es werden aber einige Spekulanten dabei sein.“ Die zahlen nun 200 000 Euro für das Grundstück, in zehn Jahren können sie es für eine halbe Million Euro verkaufen, rechnet er vor. „Wenn man unterschreibt, hat man gewonnen.“ Freund Banci sagt daher nur: „Ich hoffe, die Gemeinde schafft es irgendwie, Spekulanten auszuschließen.“ Ein Satz von Gasser hallt da wie ein Versprechen nach: „Wir versuchen, es fair zu lösen.“

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