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Im Interesse des Kiebitzes trafen sich (im Kreis v.l.) Dominik Fehringer (LfL), Florian Thurnbauer, Manfred Alzinger (Regierung von Oberbayern), LBV-Kreisvorsitzender Horst Guckelsberger, Landwirt Michael Kasper, Klaus Janke (LBV), Dr. Christof Janko (LfL), Landwirt Johann Hirschvogel,Constanze Gentz (BN und LBV), Petra Gansneder (Untere Naturschutzbehörde) und Michael Nowak (Regierung von Oberbayern – Fachbereich Landwirtschaft und Forsten).

Naturschutz

Achtung! Die ersten Pulli sind da

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Die kleine Kiebitz-Kolonie in Hechendorf erweckt mit jedem Jahr mehr Aufmerksamkeit. Es war eine kleine Sensation, als sich der Bodenbrüter im vergangenen Jahr schon zum zweiten Mal in Folge niedergelassen hatte. Am Ende waren es sogar sieben Gelege. In diesem Jahr sind es sechs.

Hechendorf –  Wie auf Bestellung ist jetzt der erste Kiebitz-Pullu geschlüpft, als sich Vertreter von der Regierung, vom Landratsamt und Naturschützer dort trafen, um abzusprechen, welche weiteren Maßnahmen zum Schutz des mittlerweile seltenen Kiebitzes kombinierbar sind.

Constanze Gentz freut sich unbändig, als sie am Rande des Treffens von Dr. Christof Janko auf den ersten Jungvogel (Pullu) aufmerksam gemacht wird. Die 40-jährige ist so etwas wie die Kiebitz-Hüterin. Die vogelaffine Hechendorferin wohnt seit etwa 15 Jahren in dem Seefelder Ortsteil, seit drei Jahren direkt im Aubachtal. Sie hatte nicht weit von ihrem Haus entfernt die Gelege damals entdeckt. Janko ist Agrarökologe in der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Er berät Bauern wie den Hechendorfer Johann Hirschvogel, auf deren Feldern sich Wildtiere niederlassen. Gemeinsam mit Vertretern der Regierung und der Unteren Naturschutzbehörde werden nun Möglichkeiten gesucht, die weder dem Landwirt noch dem Kiebitz schaden. Wie berichtet, ist dies für den Landkreis eine Premiere.

Im Aubachtal findet der Kiebitz, was er braucht: feuchten, braunen Boden in Hanglage und freie Sicht aufs Tal. Und es gibt rücksichtsvolle Landwirte wie Hirschvogel, die mit den Naturschützern zusammenarbeiten, wenn die Felder bestellt werden müssen. Das war im vorigen Jahr so, als der Mais gesät wurde. Und es war in diesem Jahr so, als das Sommergetreide ausgesät wurde. In beiden Fällen wurden die Gelege vorher mit Stecken kenntlich gemacht. Beim ersten Mal lief Constanze Gentz dem Bulldog voraus, in diesem Jahr saß sie neben Hirschvogel auf dem Traktor.

Die Vögel hat es nicht gestört. Auch nicht, als Hirschvogel vor wenigen Tagen Dünger ausgebracht hat. „Das hat denen gar nichts ausgemacht“, sagt er. Einige flogen nicht einmal davon. Ein Viertel der Fläche ließ er heuer als Brache frei. Das Gleiche ist auf einem Acker 500 Meter Luftlinie entfernt geschehen, der von seinem Kollegen Michael Kasper bewirtschaftet wird. „Es ist zu erwarten, dass sich künftig mehr Kiebitze hier zu Hause fühlen“, erklärt Janko. Die Ausgleichszahlungen für die Landwirte kommen aus verschiedenen Programmen, etwa dem Kulturlandschaftsprogramm. Daraus werden auch Maßnahmen finanziert, wie ein Erosionsstreifen. Der wird von den Landwirten gemäht, damit die Pulli schneller ans Wasser kommen.

Der Kiebitz ist weltweit in seinem Bestand bedroht. Seit 2015 steht er auf der Roten Liste. Noch vor einem Jahr wusste auch dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) nur von sechs Paaren im gesamten Landkreis Starnberg. Im vergangenen Jahr waren die spektakulären Balzflüge über dem Aubachtal gleich mehrmals zu sehen, denn zehn Vögel wurden gezählt und am Ende wurden zehn Jungvögel flügge. In diesem Jahr sind es wieder „neun bis elf“, sagt Constanze Gentz. Täglich steht sie mit ihrem Spektiv am Feldrand. Ganz sicher ist sie sich bei der Zahl aber nicht. Bei sechs Gelegen ist deshalb auch sicher, dass die Hechendorfer Kiebitze nicht alle monogam sind.

Den gerade geschlüpften Pullu sieht man kaum, weil die Frau Mama über ihn wacht. Nur wenn sie sich kurz erhebt, kann man durchs Spektiv unter ihr den kleinen Kopf hervorblitzen sehen. Abends sind es dann schon zehn Pulli. Sie verlassen das Gelege schnell. Die Ersten sausten gestern schon kreuz und quer durch die Gerste. Lediglich in zwei Gelegen wird noch gebrütet.

Naturschützer, Vogelschützer und Vertreter der Behörden appellieren an alle Spaziergänger, auf den Wegen zu bleiben und Hunde an der Leine zu führen. Erst vor wenigen Tagen hat Constanze Gentz zwei freilaufende Hunde auf dem Feld gesehen. „Das geht gar nicht“, sagt sie. Das ist verboten. „Leider hält sich kaum jemand daran“, bedauern auch die Landwirte. Insgesamt gilt ein Betretungsverbot für alle Flächen im Landschaftschutzgebiet. Ausgenommen sind nur Wege.

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