+
Das Auto, auf dem Stefan Hirzinger sitzt, hat er mit einem Bekannten gebaut. Die Fotos in seiner Hand ze igen sein Solarmobil von 1989. Dass auch das aktuelle Gaudi-Auto elektrisch fährt, versteht sich von selbst.

Energiewende

Der Pionier der E-Mobilität

Klein, feuerrot und umweltfreundlich. Das ist das Auto, das Stefan Hirzinger 1989 entwickelt und gebaut hat. Es war das erste selbst gebaute, solarbetriebene Auto mit Straßenzulassung im ganzen Landkreis.

Seefeld – 28 Jahre ist das jetzt her – und aus dem Pionier von damals ist längst ein Solar-Unternehmer geworden. An diesem Samstag ist seine Firma am Gewerbepark 6 in Seefeld auch Teil der Ladesäulen-Tour, mit der der Landkreis für E-Mobilität werben möchte. „Es hat mich gestört, dass die Automobilindustrie uns vorgemacht hat, die Elektromobilität wäre nicht umsetzbar“, erinnert sich der 46-Jährige an die Anfänge. Von klein auf hat er sich für elektrische Antriebe interessiert. Um zu beweisen, dass es eben doch möglich ist, baute der damalige Maschinenbaustudent kurzerhand in vielen Stunden Arbeit einen französischen Kleinwagen in ein solarbetriebenes Elektroauto um.

„Die verwendeten Teile habe ich mir aus den verschiedensten Industrien zusammen gekauft, um sie finanzierbar zu halten“, sagt er. Eine Finanzierung, die zu 100 Prozent aus der eigens gegründeten Firma Solarstrom Hirzinger gekommen sei. Nicht jeder war gleich fasziniert von der Idee. Seine Eltern empfahlen, er solle doch lieber erst mal das Studium beenden, bevor er sich solchen Spielereien hingebe. „Nur ein Kumpel von mir, der Klaus Wechselberger, hat mich immer tatkräftig unterstützt, vor allem mit seiner Werkstatt. Ohne ihn hätte ich das nicht geschafft“, erzählt Hirzinger.

Bevor er mit seinem Flitzer allerdings über die Straßen fahren konnte, war erst eine Zulassung nötig. „Leider hatte der TÜV in Bayern davon keine Ahnung“, sagt Hirzinger, „Es steckte ja alles noch in Kinderschuhen.“ Erst in Böblingen, in der Nähe von Stuttgart, fand er einen Prüfer, der sich ein bisschen auskannte. „Von dem habe ich mir dann meine Zulassung geholt.“ Reibungslos ging es jedoch trotzdem nicht über die Bühne. Da die Beleuchtung an einen separaten Stromkreis angeschlossen sein musste, kamen noch mal ein paar Bastelstunden mehr dazu. „ Da war dann der TÜV in Starnberg allerdings so freundlich, die Zulassung 1991 endgültig auszustellen.“

Von da an war Stefan Hirzinger der Besitzer des ersten und einzigen Solarautos in Starnberg, das straßenrechtlich zugelassen war. Mit 50 Kilometern Reichweite und einer Geschwindigkeit von knappen 60 km/h war es „perfekt für die Fahrt zur S-Bahn oder für den Ausflug zum See“.

Knappe zehn Jahre hatte Hirzinger Spaß mit dem Gefährt, zur Jahrtausendwende verkaufte er es nach Köln. Sämtliche Rückkaufaktionen seien seitdem gescheitert. „Ich bin mir nicht mal sicher, ob es das Auto überhaupt noch gibt“, gesteht er.

Auch von dem Geschäft mit Fotovoltaik-Anlagen hat er sich weitestgehend verabschiedet. „Das ist für mich zurzeit eher eine Art Nebenjob“, sagt er. Stattdessen ist Hirzinger heute zertifizierter Gutachter und erstellt unter anderem Gutachten für Firmen oder Privatpersonen.

In einem Punkt hat er sich jedoch nicht verändert: „Ich bin überzeugt davon, dass in der Zukunft kein Weg an der Elektromobilität vorbei führt. Man wird kaum einen finden, der etwas anderes sagen wird, wenn er schon einmal die Effizienz und Umweltfreundlichkeit dieser Fahrzeuge gespürt hat.“ Deswegen ruft er dazu auf, die E-Autos einfach mal auszuprobieren und sich selbst zu überzeugen. Er selbst fährt einen Tesla Model S.

Und genau deswegen unterstützt er auch die Ladesäulentour an diesem Samstag. Bei der Station an seiner Firma (10.45 Uhr) will er auch einen kleinen Vortag über die Anfänge der E-Mobilität halten.

Von Felix Schmidt

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Beim Ausparken Auto angefahren: Polizei sucht Zeugen
Zwei Hinweise gibt es auf einen unbekannten Autofahrer, der am Dienstagmorgen auf der Kirchenstraße in Tutzing ein Auto angefahren hat. Aber die beiden passen nicht …
Beim Ausparken Auto angefahren: Polizei sucht Zeugen
Tiefgarage am Centrum: Eigentümer drückt auf die Tube
Nach dem Verkauf der Ladenpassage im Centrum arbeitet der Eigentümer nun mit Hochdruck an der Veräußerung der Tiefgarage. Ob die Stadt dabei zum Zug kommt, ist unklar.
Tiefgarage am Centrum: Eigentümer drückt auf die Tube
Hoher Schaden in Tiefgarage
Unfallflucht mit hohem Schaden: Beim Ausparken hat ein Autofahrer die komplette Seite eines anderen Pkw demoliert.
Hoher Schaden in Tiefgarage
Diebstahl in Gilching: Wer kennt diesen Mann?
Mit einem Fahndungsfoto sucht die Germeringer Polizei nach einem Mann, der mit gestohlenen Karten in Gilching Geld abhob. 
Diebstahl in Gilching: Wer kennt diesen Mann?

Kommentare