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Sieht so das perfekte Glück aus? Maike und Andreas Schneider mit ihren Kindern Levi, Nouriel und Noemi am Telaga-Tujuh-Wasserfall auf der malaysischen Insel Langkawi. Dort treffen sich abends und an den Wochenenden Einheimische zum Baden und Picknicken.

Familie aus Hechendorf auf Weltreise

Die große Tour ins große Glück

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Hechendorf : Die Familie Schneider lebt das, wovon andere ihr Leben lang träumen: ein Jahr aussteigen, den Alltag hinter sich lassen, die Welt erkunden, sich treiben lassen. Ende September ist Familie Schneider aus Hechendorf in ihr großes Abenteuer gestartet. Der Starnberger Merkur hat sie erreicht – 9400 Kilometer entfernt in Südostasien.

Sie klingt am Telefon so, als säße sie nebenan. Dabei ist Maike Schneider ziemlich weit weg. Ende September hat die 45 Jahre alte selbstständige Personalberaterin zusammen mit ihrem Mann Andreas (47, Informatiker bei Audi) und den drei Kindern Noemi (14 Monate), Nouriel (4) und Levi (6) ihre Sachen gepackt und ist aufgebrochen. Ein Jahr Auszeit. Ein Jahr unterwegs sein.

Die Reiseroute war am Anfang ziemlich vage. Darauf standen Asien mit Thailand, Laos, Vietnam, dann die Philippinen, Australien und Neuseeland, Teile der Südsee, Südamerika (wir berichteten). Mittlerweile sind die Schneiders seit neun Wochen auf Tour. Unterwegs sind sie zu Fuß, mit der Bahn, mit Bussen und Fähren – und sie halten Verwandte, Freunde und Interessierte über einen Internetblog auf dem Laufenden (travelwithmojo.com). Der Starnberger Merkur hat Maike Schneider angerufen.

Hallo in die Ferne, hallo Frau Schneider, wo erreichen wir Sie denn?

Hallo nach Deutschland. Wir sind gerade auf Langkawi, einer Insel vor der Nordwestküste von Malaysia.

Und? Sind alle wohlauf?

Ja, alle sind gesund. Die Kinder sind im Bett, es ist neun Uhr abends (Die Zeitverschiebung beträgt sieben Stunden, Anm. d. Red.).

Wo wohnen Sie? In einem Hotel?

Nein, wir haben in der Nähe eines Hotels einen kleinen Bungalow gefunden. Eigentlich wollten wir ja gar nicht hierher, weil es hier ziemlich touristische Ecken gibt. Aber wir haben einen einsamen Platz direkt am Meer gefunden. Der ist perfekt für eine Familie. Und ich kann das Meer hören.

Die Frage muss jetzt sein: Wie ist das Wetter?

Es ist warm, natürlich. Aber so genau habe ich die vergangenen Tage gar nicht drauf geachtet. Mal überlegen: Die Regenzeit geht langsam zu Ende. Es hat viel geregnet in den letzten Tagen, aber jetzt ist es trocken. Die Temperatur beträgt etwa 30 Grad. Und das Meer ist sehr warm, da kann man stundenlang drinbleiben.

Das klingt paradiesisch. Wie lange sind Sie jetzt unterwegs, wie war die Reiseroute bisher?

Wir sind seit neun Wochen auf Reisen. Am 26. September sind wir erst von München nach Bangkok und dann weiter nach Bali geflogen. Dort waren wir dann einen Monat, unter anderem, in Kuta, Ubud und Abang. Wegen des Visums mussten wir nach 30 Tagen Indonesien verlassen und sind nach Kuala Lumpur (die Hauptstadt Malaysias, Anmerkung der Redaktion). Und jetzt sind wir schließlich in Langkawi gelandet. Es ist unsere fünfte Station in neun Wochen.

-So viele Stationen, immer zu fünft, Rucksack aus- und wieder einpacken – das ist nicht ohne, oder?

Ehrlich gesagt war ich am Anfang sehr gestresst. Ich komme jetzt erst richtig an. Das liegt aber nicht am Reisen an sich, sondern an dem, was daheim noch zu regeln war. Haus vermieten, Arztbesuche, alles. Wir mussten uns unterwegs dann auch zusammenraufen, einen Rhythmus finden. Reisen zu fünft, mit drei kleinen Kindern, ist natürlich mit Aufwand verbunden. Alle haben ihre Bedürfnisse. Aber jetzt sind wir auf einem guten Weg.

Wie funktioniert das Leben in Indonesien oder in Malaysia als Reisende mit drei kleinen Kindern. Noemi ist ja erst 14 Monate alt.

Ich will ganz ehrlich sein, es war teilweise schwerer, als gedacht. Mit der Kleinen kann einiges gefährlich sein – oft gibt es megahohe Stufen oder unser Zimmer lag ganz weit oben oder im Holzbalkon fehlte eine Latte. Wir hatten teilweise einen Riesenstress damit zu schauen, dass sie nirgends runterfällt, ihr nichts zustößt. Da wir oft Privatunterkünfte buchen, sind Gefahrenquellen für kleine Kinder nicht immer ersichtlich. Und wir haben noch zwei wilde Jungs. Aber jetzt sind wir an einem Platz, der alle Bedürfnisse befriedigt. Daher bleiben wir noch ein bisschen hier und erholen uns.

Wie kann man sich Ihr derzeitiges Leben vorstellen? Wie schaut ein Tag bei Ihnen aus?

Wir stehen morgens mit der Sonne auf und laufen oft nach dem Frühstück einfach los. Es ist unglaublich, wie leicht wir mit den Menschen hier in Kontakt kommen. Gerade mit den Kindern ist das so intensiv, das ist ganz bezaubernd. Als Frau mit drei Kindern – das ist hier auch etwas Besonderes. Oft hocken wir dann stundenlang bei Menschen, die hier wohnen, und erfahren dann, wie sie leben. Die meisten sprechen sehr gut Englisch, sie sind sehr freundlich und offen. Mich interessiert das, wie die Menschen hier leben, wie sie ihre Kinder bekommen und aufziehen.

Und die Kinder? Was macht dieses Leben mit ihnen?

Den Kindern geht’s total gut. Das ist hier das größte Klassenzimmer der Welt. Es ist unglaublich, was sie für Fragen stellen. Wir merken aber auch, dass sie eine gewisse Struktur brauchen.

Da sieht man vermutlich jetzt schon Veränderungen, oder?

Ja klar. Die Kinder begreifen sehr viel, bringen sich zum Beispiel selbst Englisch bei. Levi konnte am Anfang nicht so gut schwimmen, jetzt kann er das, und Nouriel ist kurz davor, es zu lernen. Wir sind sieben Tage die Woche rund um die Uhr zusammen. Wir Eltern sehen viel mehr, was wirklich mit unseren Kindern passiert – innerlich wie äußerlich. Das ist ja das, was ich mir so gewünscht habe: stärker als Familie und als Eltern mit den Kindern in Verbindung sein. Wenn uns Levi eine Muschel bringt, können wir uns damit befassen. Zu Hause haben wir auch reagiert, aber meistens war nicht genügend Zeit, um richtig hinzuschauen.

Wie schaut es mit Heimweh aus?

Nouriel vermisst seine besten Freunde. Aber sie schicken sich Videos, die schaut er sich dann zig mal an. Und Levi vermisst nur unseren Hund (Nic ist das Jahr über bei einer Betreuerin untergebracht, Anm. d. Red.). Ich bin in Kontakt mit meiner Familie und meinen Freundinnen – das ist heute ja ganz anders möglich als noch vor Jahren. Früher kostete eine Minute Telefonieren gleich mehrere Mark. Heute geht das umsonst – mit Bild.

Sie haben eben erzählt, dass es auch Schwierigkeiten gab. Was ist denn besser als gedacht?

Die inneren Ängste, Sorgen, das Misstrauen, die ganzen Themen. Das ist alles weg. Der Abstand bringt eine große Klarheit über das, was man wirklich im Leben will und braucht. Das geschieht, wenn man aus dem täglichen Hamsterrad aussteigt. Und das ist ja das, was wir uns erhofft haben. Wir wollen mit unserem Blog travelwithmojo.com inspirieren, die Komfortzone zu verlassen, auch mit Kindern und auch wenn man erfolgreich im Job ist. Wir stellen fest, man braucht so wenig zum Leben. Wir haben nur unsere Rucksäcke, und haben weiterhin das Bedürfnis, noch mehr Ballast abzuwerfen. Die Kinder spielen mit Sachen, die sie finden. Wir basteln Mobiles aus Muscheln und auch mal aus Müll. Es ist so befreiend, nichts zu haben. Das ist wirklich Glück.

Aber immer so eng aufeinander, von morgens bis abends, geht einem das nicht auch mal auf die Nerven?

Ja, die Freiräume sind manchmal knapp. Das kann natürlich anstrengend sein. Aber es ist auch eine Frage der Organisation und der inneren Haltung. Wichtig ist, dass jeder mal Zeit für sich hat. So eine Reise ist auch ein Katalysator für inneres Wachstum. Die eigenen Kinder sind die größten Gurus, die permanent unsere Knöpfe für unser inneres Wachstum drücken. Dadurch arbeiten wir ständig an uns. Man muss sich darauf einlassen, man muss loslassen. Wir machen ja keinen klassischen Urlaub in dem Sinne. Wir sind auch aktiv: Am Wochenende haben wir uns zum zweiten Mal an einer Aufräumaktion beteiligt – hier liegt so viel Müll herum, das ist oft erschreckend. Über die Internetseite meetup organisieren sich die Menschen überall auf der Welt, also auch hier auf Langkawi. Es ist schon das zweite Mal, dass wir dabei waren. Wir wollen uns hier als Gäste auch einbringen.

Wann geht die Reise weiter?

Wir bleiben bis 4. Dezember auf Langkawi und setzen dann mit der Fähre über nach Thailand. Im Osten Thailands, auf der Insel Ko Pha-ngan, findet ein großes Treffen von Familien statt, die alle auf Reisen und übers Internet in Verbindung sind. Dort werden wir auch Weihnachten und Silvester feiern. Danach geht’s weiter auf die Philippinen nach Cebu City, dann vielleicht nach Australien, Neuseeland und später Südamerika. Mal sehen.

Sind Sie bei 30 Grad, Meeresrauschen am Strand und nachlassender Regenzeit schon in Weihnachtsstimmung?

Die Menschen beginnen hier tatsächlich damit, Lichterketten um die Palmen zu wickeln. Und neulich haben wir sogar einen Weihnachtsbaum gesehen. Auch wenn ich es daheim liebe, das ist hier noch ganz weit weg. Ich war ja schon öfter über Weihnachten auf Reisen, das ist für mich nicht neu. Wir werden das mit den Kindern in diesem Jahr einfach mal ganz anders machen als daheim.

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