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Zehn Jahre Umbau liegen hinter ihm: Frank Meyer-Brühl vor den ehemaligen Möbelwerkstätten. Das weiße Gebäude mit den markanten Giebeln li egt direkt am Hechendorfer S-Bahnhof. 

Wirtschaft

Schmuckstück an den Gleisen

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Hechendorf - Einst wurden am Hechendorfer Bahnhof Möbel produziert, im großen Stil. Besitzer Frank Meyer-Brühl hat aus den einstigen Seefelder Möbelwerkstätten ein Ärzte- und Geschäftshaus gemacht.

Das langgestreckte Gebäude am S-Bahnhof gilt quasi als ein Wahrzeichen Hechendorfs. Dabei war der Bau Anfang der 90er Jahre vor allem wegen seiner Länge heiß umstritten. Die Hechendorfer nennen das Gebäude heute noch „die Möbelwerkstätten“. Möbel werden dort allerdings schon lange nicht mehr gebaut. Besitzer Frank Meyer-Brühl hat aus dem Ensemble in den vergangenen zehn Jahren eine Art Ärzte- und Geschäftshaus gemacht – mit schönen, lichten Praxen und Büroräumen samt Fitnessstudio. Dazwischen haben sich noch eine Software-Firma, ein Gewürzhandel, eine Innenarchitektin und der Studienkreis für Tourismus angesiedelt. Insgesamt sind an die 18 Einheiten entstanden. „Hier sind wir jetzt fertig“, sagt der 75-jährige Besitzer. Der Starnberger Merkur hat ihn besucht.

Frank Meyer-Brühls Büro befindet sich in der Mitte des weißen Gebäudes, das sich über eine Länge von mehr als hundert Metern an den Bahngleisen entlang zieht. „Ein guter Architekt sollte große Bauwerke so machen, dass sie sich einfügen – das ist ihm gelungen“, findet Meyer-Brühl. Und es ist wirklich groß: 4040 Quadratmeter Fläche stehen zur Verfügung, und die werden auch genutzt. In der Mitte, oben unter dem Dach, hat sich der Studienkreis Tourismus und Entwicklung eingemietet. Der Verein beschäftigt sich mit Informations- und Bildungsarbeit im Tourismus. Damit fällt er aus dem Rahmen. Denn umgeben ist das Team um Geschäftsführerin Claudia Mitteneder von Fachärzten für Augen- und Lungenheilkunde, von einer Praxis für Pränataldiagnostik, Urologen, einer Praxis für Physiotherapie, einem Kardiologen und dem Zahnarzt Dr. Sebastian Schmidinger. „Der Sebastian hat mich einst überhaupt auf die Idee gebracht, aus den Werkstätten ein Ärztehaus zu machen“, erklärt Meyer-Brühl. Die beiden kennen sich seit Ewigkeiten.

Zuvor produzierten die Seefelder Möbelwerkstätten von Frank Meyer-Brühl und dessen Bruder Roland über Jahre hinweg zeitlos schöne Möbel. In der Alten Fabrik gegenüber, sie ist auch in Besitz Meyer-Brühls, befanden sich Ausstellungsräume. Zumindest daran hat sich wenig geändert: In diesen Wochen veranstaltet Tochter Gabi Brühl dort den so genannten Seefelder Herbstverkauf. In den großen Hallen stehen noch Sofas, Couchtische und einige Schränke zum Verkauf, alle aus der Produktion der Möbelwerkstätten. Unter dem Dach hat sich eine Yoga-Lehrerin eingemietet, im nächsten Jahr wird sich dort allerdings noch einiges tun. „Das ist noch nicht spruchreif“, sagt Meyer-Brühl, während er seine Besucher Treppen hoch hinauf und wieder hinunter durch die Fabrik führt. Einst wurde hier Süßmost produziert. „Da haben sich die alteingesessenen Hechendorfer schon gewundert. Schließlich gab es hier damals keine Obstbäume. Die sind dann auch schnell pleite gegangen“, erzählt Meyer-Brühl und schmunzelt. Sein Vater kaufte das Gebäude 1958. Sohn Frank, in Zwickau geboren, kam 1961 nur mal so zu Besuch – und blieb im schönen Hechendorf hängen.

Bis 2004 produzierten er und sein Bruder hier Möbel. Einige Jahre im großen Stil für Ikea. „Pro Woche haben wir 500 Sofas gebaut“, erzählt Meyer-Brühl unaufgeregt. Da fand die Produktion auch in Delling statt, auf dem Gut der Stadt München. Kurz bevor sich die Brüder aus dem Geschäft zurückzogen und auf Gut Delling das Feld räumten, rief Seefelds Bürgermeister Wolfram Gum an. „Er suchte eine Halle.“ Das war die Geburtsstunde von TQ-Systems auf Gut Delling. So hängt das eine mit dem anderen zusammen im Ort.

Nach der geschäftlichen Trennung von Bruder Roland vermietete Meyer-Brühl an die Seefelder Modefirma Codello. Denen waren die Räume bald zu klein. „Sie hatten sehr viel Erfolg und wollten in Inning bauen.“ Doch sein Gebäude am Bahnhof war seit jeher so konstruiert, dass es in viele Einheiten unterteilt werden kann. „Ich habe das vorausgesehen, dass hier nicht ewig die Möbelwerkstätten drin sind“, sagt Frank Meyer-Brühl. Erster Mieter war dann Sebastian Schmidinger – der wiederum die Idee mit dem Ärztehaus hatte.

Begeistert führt Meyer-Brühl durch das Gebäude. Am nördlichen Ende hat sich Andrea Rolshausen aus Weßling eingemietet: Sie verkauft „Gewürze aus aller Welt“, auf vielen Regalen stapeln sich unzählige Dosen, es duftet himmlisch. Ein Stockwerk höher bietet die Innenarchitektin Sabine Buchele-Weißmann in ihrer „Raumschneiderei“ ihre Beratung an. Zwischen Arztpraxen im Obergeschoss bietet Frank Pfleiderer aus Wörthsee Software-Lösungen an. Am südlichen Ende der einstigen Möbelwerkstätten schließlich sind Oliver Felsen und Ingo Seibert mit ihrem Fitnessstudio eingezogen. „Die haben schon 1200 Mitglieder“, sagt Meyer-Brühl beeindruckt. Dass wenige Meter weiter die Hechendorferin Dr. Isabel Mühlfenzl den Bahnhof ausbaut, darüber freut er sich. „Es dauert länger, aber ich bin sicher, das wird sehr gut.“ Dass auch eine Gastronomie vorgesehen ist, gefällt ihm besonders. „Hier sind an die 100 Menschen unterwegs, die auch gerne mal etwas essen möchten.“ Beide unterstützen den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs. „Aber da schaut es nicht so gut aus.“ Dass es grundsätzlich kompliziert ist mit der Bahn, das hat Meyer-Brühl damals beim Kauf dieses Grundstücks schnell kapiert: „Zwölf unterschiedliche Abteilungen mussten unabhängig voneinander bestätigen, dass sie diese Fläche nicht mehr brauchen.“

In Frank Meyer-Brühls Büro hängen die Wände voller Bilder und Zeitungsartikel. Dokumente eines langen Arbeitslebens und auch von Niederlagen. 1972 ist Frank Meyer-Brühl eine Fabrik in Oberfranken abgebrannt. „Die war gerade fertig. Bei Schweißarbeiten ist ein Feuer ausgebrochen. Die Menschen mussten aus den Fenstern springen. Es gab Verletzte.“ Die Fabrik brannte völlig nieder. Die Zeiten seien allerdings andere gewesen: „Der Vater meiner Freundin war Bankdirektor. Er sagte: Bauen Sie gleich größer. Die Finanzierung ist kein Problem.“ Frank Meyer-Brühl lacht. „So läuft das heute nicht mehr.“

Ans Aufhören denkt Meyer-Brühl noch lange nicht. „Solange es geht, mache ich weiter.“ Und direkt vor seiner Nase, auf der anderen Straßenseite, gibt es schließlich noch diese Alte Fabrik. „Bauträger und Architekten sagen: wegreißen. Das wäre wohl das beste, auch finanziell“, räumt Frank Meyer-Brühl offen ein. Aber er hängt an dem Gebäude. In einer Halle im Anbau veranstaltet der Kulturverein Räsonanz seine Konzerte. Und eigentlich ist der ganze Bau noch gut in Schuss. „Auch wenn es wirtschaftlich nicht so schlau ist – vielleicht machen wir dort so etwas Ähnliches wie hier“, sagt er dann.

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