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Obwohl die Naturschützer rund um die Brutfläche der Kiebitze Schilder aufgestellt haben, kürzen Fußgänger und Radler von der Hechendorfer Schranke aus quer über das Feld ab. Um das zu verhindern, wird bis zur Wiedereröffnung des Bahnübergangs kommende Woche ein Bauzaun aufgestellt.

Naturschutz

Gefahr für die Kiebitze und ihre Pullis

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Elf Vögel und sechs Gelege mit jeweils vier Eiern: Die kleine Kiebitz-Kolonie in Hechendorf wächst. Mittlerweile ist auch die Regierung von Oberbayern mit dem Projekt befasst. Die Vogelschützer plagen aber derzeit andere Sorgen.

Hechendorf – Eine Woche noch, dann kann auch die Hechendorferin Constanze Gentz wieder aufatmen. Dann wird die Bahnschranke für den Übergang in Hechendorf wieder geöffnet, und dann endet hoffentlich der Strom an Radlern und Fußgängern, die quer übers Feld abkürzen wollen – an den Gelegen der Kiebitze vorbei und über sie hinweg. „Gestern erst ist da ein Mountainbiker querfeldein drübergefahren“, sagt Gentz und kann sich nur wundern. Die Bahnarbeiter hat sie davon überzeugen können, dass niemand auf das Feld darf, und gemeinsam mit ihnen hat sie rot-weiße-Absperrbänder über den Radweg gezogen. Nun soll es ein Bauzaun richten, der gestern angeliefert wurde. Dabei haben die Naturschützer gut sichtbar Schilder angebracht, auf denen sie genau erklären, warum der unscheinbare Acker gerade nicht betreten werden soll. Denn dort brüten derzeit die Kiebitze, zehn Vögel insgesamt, auf mittlerweile sechs Gelegen mit je vier Eiern. Einige scheint das nicht zu interessieren. Sie ärgern sich derart, dass sie den Bahnübergang nicht überqueren dürfen und dafür einen Umweg in Kauf nehmen müssen, dass sie alls Hinweise ignorieren.

Wer die Fläche betritt, verstößt gegen Bundesnaturschutzgesetz

Die Vögel sind ohnehin im Stress: Am Sonntag hat der Landwirt sein Feld eggen und einsäen müssen. Mit auf dem Traktor: Constanze Gentz, die zuvor die Gelege abgesteckt hat. Sehr umsichtig und gefühlvoll sei der Landwirt um die Gelege herumgefahren, und die meisten der brütenden Vögel seien nach einem kurzen Schrecken sofort zurückgekehrt. „Bei zwei Vögeln hat es etwas länger gedauert, das sind vielleicht auch jüngere, unerfahrenere Kiebitze“, überlegt Gentz. Möglicherweise handelt es sich auch um Vögel, die im vergangenen Jahr auf diesem Acker geboren wurden. Denn Kiebitze kehren, wie Frösche und Kröten, an die Stätte ihrer Geburt zurück. Sie sind monogam, die Paare bleiben also ihr Leben lang zusammen. Kiebitze können bis zu 18 Jahre alt werden, die Mortalitätsrate beträgt für Jungvögel allerdings 35 bis 40 Prozent, für Adulte 25 bis 30 Prozent.

Werden sie allerdings von ihren Gelegen vertrieben, durch Fußgänger, Hunde, Radler, geht die Brut verloren. Wer die Fläche betritt, verstößt damit auch gegen das Bundesnaturschutzgesetz, Paragraf 44. Danach ist es verboten, „wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten ... erheblich zu stören“. Eine Störung liegt dann vor, wenn sich dadurch der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert. Weil Kiebitze auf der roten Lise der gefährdeten Arten stehen, greift hier also, theoretisch jedenfalls, das Gesetz.

In etwa 20 Tagen werden erste „Pullis“ erwartet

Weil sich die Kiebitze in Hechendorf Kulturland für ihre Brut ausgesucht haben, sind in die Angelegenheit mittlerweile auch die Behörden eingebunden. Die Regierung von Oberbayern veranlasst für den Landwirt Ausfallprämien. „Dafür, dass er etwa ein Drittel der Fläche brach liegen lässt, zahlen wir einen Ertragsausfall. Aber das sind keine großen Summen“, erklärt Christian Kröck von der Pressestelle des Landratsamts. Für die Behörde ist dies eine Premiere im Landkreis. Pro Gelege gibt’s von der Schutzgemeinschaft Aubachtal zudem 50 Euro, auch als Motivation.

In etwa 20 Tagen werden nun die ersten „Pullis“ erwartet, so heißen die Kiebitz-Küken. Dann wird es nochmal spannend. Denn die Nestflüchter sind dann bis zu fünf Wochen kreuz und quer auf dem Feld unterwegs, bevor sie flügge werden.

Constanze Gentz ist heute, Dienstag, zu Gast bei der Versammlung der BN-Ortsgruppe Herrsching in Wartaweil. Dort wird sie über das Projekt berichten. Beginn: 19.30 Uhr.

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