Neue Wege bei der Organisation des Pflegedienstes: Eva Dellinger (l.) und Agnes Reuter von der Nachbarschaftshilfe sowie Ulf Walliczek, Bauherr des Seniorenquartiers Pilsensee in Seefeld.  Foto: Andrea Jaksch
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Neue Wege bei der Organisation des Pflegedienstes: Eva Dellinger (l.) und Agnes Reuter von der Nachbarschaftshilfe sowie Ulf Walliczek, Bauherr des Seniorenquartiers Pilsensee in Seefeld.

Nachbarschaftshilfe Weßling

Gemeinsam in Richtung „Pflege 6.0“

Es ist eine Premiere im Landkreis Starnberg: Der Pflegedienst der Nachbarschaftshilfe Weßling schlüpft unter die Fittiche der Betriebsgesellschaft des Seniorenstifts Pilsensee in Seefeld. Für die Kunden ändert sich nichts.

Seefeld/Weßling – Pflegekräfte sind Mangelware und schwer zu bekommen. Ulf Walliczek, Betreiber des Seniorenstifts Pilsensee in Seefeld und Bauherr des im Bau befindlichen Seniorenquartiers wenige Meter weiter, weiß das nur zu gut. In den vergangenen Wochen war der Geschäftsführer der Seniorenstift Pilsensee GmbH intensiv mit der Konzeptionierung des Seniorenquartiers befasst. Auf der anderen Seite kämpfte der Pflegedienst der Nachbarschaftshilfe (NBH) Weßling mit der Organisation und der Akquise von Personal – ein Problem der meisten Pflegedienste. Was liegt da näher, als zu kooperieren? Die Betriebsgesellschaft des Seniorenstifts Pilsensee und die Nachbarschaftshilfe Weßling, Hochstadt, Oberpfaffenhofen arbeiten daher nun zusammen.

Bis auf die Alltagsbegleiter und die Tagespflege werden sämtliche ambulanten Leistungen der NBH über das neu gegründete Seniorenquartier Pilsensee gesteuert. „Das kann damit auch sein Angebot erweitern“, sagt Walliczek. Agnes Reuter, Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe Weßling, sieht ebenfalls nur Vorteile: „Zum einen wird die ambulante Versorgung einem professionellen Management übergeben“, erklärt sie. Zum anderen entstehe bei der NBH mehr Raum für andere wichtige Bedürfnisse der Gemeindemitglieder vor Ort. „Wir haben uns gefragt: Was ist unser Leitbild? Von Weßlingern für die Weßlinger, darum müssen wir uns kümmern.“

Was ändert sich für die Patienten? „Für unsere rund 100 Seniorinnen und Senioren, die wir derzeit in Weßling, Oberpfaffenhofen und Hochstadt ambulant betreuen, ändert sich nichts“, versichert Reuter. „Das Personal und damit die vertrauten Pflegekräfte des Weßlinger Seehäusls bleiben dieselben.“ Geplant ist eine Erweiterung des Teams. „Wir bauen das Leistungsspektrum für die Senioren im Quartier aus und ambulant. Dafür werden wir das Team erweitern“, kündigt Walliczek an. Der Sitz des Pflegedienstes bleibt im Seehäusl. „Wir profitieren von den Strukturen, die in Weßling schon da sind“, erklärt Walliczek. „Wir bringen das Personal, das Seniorenstift die Professionalität“, ergänzt Reuter und findet: „Es ist vernünftig, richtig und auch mutig.“ Mutig, weil die Weßlinger Nachbarschaftshilfe die erste weit und breit ist, die ihre Pflege einem professionellen Management übergibt. „Wir hätten es gerne weitergemacht“, bestätigt Schriftführerin Eva Dellinger. „Aber es gehört in professionelle Hände.“

Walliczek ist überzeugt von der Sinnhaftigkeit dieser Symbiose. „Wir freuen uns, mit dem Pflegeteam der NBH Weßling eine sinnvolle Ergänzung für unser Seniorenquartierskonzept in Seefeld gefunden zu haben.“ Er denkt nicht nur an personelle Verstärkung, sondern auch den Ausbau der EDV bis hin zu der Ausrüstung der Wohnungen mit modernen Beobachtungssystemen – wenn es die Kunden wünschen. „Pflege 6.0“ nennt das Monika Lehmann von Context 3B, die Walliczek bei seiner Konzeption zur Seite steht. Los geht es noch in diesem Jahr. Die „neue“ Pflegedienstorganisation soll auch einen eigenen Namen bekommen, der muss noch gefunden werden. Die Mitglieder der NBH wurden in einer Versammlung umfassend über das Leuchtturmprojekt informiert.

Walliczeks Neubauprojekt, das Seniorenquartier Pilsensee, entsteht in direkter Nachbarschaft zu der seit 1985 bestehenden stationären Pflegeeinrichtung an der Seefelder Hauptstraße. Der Wohnkomplex soll neben einer Tagespflegeeinrichtung Platz für 17 Senioren, 26 barrierefreie Apartments für selbstbestimmtes Wohnen im Alter sowie zwei Pflegewohngemeinschaften mit angeschlossenem Gerontodachgarten bieten.

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