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Ein Snowboarder am Griesberg: Unser Foto entstand in diesem Winter und verdeutlicht, dass die Piste mittlerweile eher ein Geheimtipp ist. 

Griesberg bei Oberalting

Der Traum von der Pistengaudi

Am Griesberg bei Oberalting gab es früher einen Bügellift. Der ist längst Geschichte - und auch die vor neun Jahren angestellten Überlegungen für eine neue Anlage sind bislang nicht in die Realität umgesetzt. Der Griesberg liegt weiter im Dornröschenschlaf.

Oberalting – Waren das Zeiten, damals, Mitte der 1960er Jahre. Da befand sich der Skizirkus direkt vor der Haustüre zahlreicher Menschen im westlichen Landkreis. Ein Bügellift beförderte seinerzeit unzählige Wintersportler auf den Gipfel des 600 Meter hohen Griesbergs bei Oberalting. Dieser Lift ist längst Geschichte – und auch die nie vollendeten Pläne für eine Neuauflage sind mittlerweile schon wieder neun Jahre alt.

Seitdem der Lift im Laufe der 1970er Jahre entfernt wurde, schleppen Skifahrer, Snowboarder und Schlittenkinder ihren Fahruntersatz nach der Abfahrt wieder zu Fuß bergauf. Im Jahr 2010 wollte ein damals 15 Jahre alter Schüler aus Hechendorf die Pistengaudi am Pilsensee wiederbeleben – mit Schneekanonen, Pistenraupe und allem, was dazu gehört. Im Internetportal „Alpinforum“ fragte er unter dem Pseudonym „rreexx“ erfahrene Nutzer, wie teuer ihn ein 400 Meter langer Skilift kommen würde, der die 70 Höhenmeter am 19 Grad steilen Hang überwinden sollte.

Der Gymnasiast hatte sich reichlich Gedanken gemacht und Informationen gesammelt. Er tüftelte an einer Beschneiung des Berges, wollte von den Portalnutzern mehr über einen Speicherteich und den dafür notwendigen Strom erfahren. Auch von Flutlicht träumte der Schüler. Wetterdaten hatte er auch gesammelt, von daher wusste er, dass der Griesberg nachts „extrem“ abkühlt. Im Januar sei das Thermometer an seinem Roller auf dem potenziellen Skiberg nicht über acht Grad angestiegen, berichtete er.

Der pfiffige Jugendliche war sogar auf Nachfragen vorbereitet, wie das mit der Versicherung bei Unfällen, dem notwendigen Wasser für die Schneekanone, Genehmigung und Pacht sowie Parkplätze aussehe. „Wegen der Versicherung werde ich mich von einem Bekannten meines Vaters beraten lassen“, antwortete rreexx. Und Wasser sei in den umliegenden Quellen ausreichend vorhanden. „Somit könnte man einen mit der Landschaft harmonierenden Speicherteich bauen“, konstatierte er. Genehmigungen für die Kunstschneepiste sah er gelassen entgegen: „...da sich die Gemeinde sicherlich über eine neue potenzielle Attraktion freut und somit nicht unnötig Steine in den Weg legt.“ Parkmöglichkeiten biete die Wirtschaft Hazienda am Fuß des Berges, die ehemalige Griesbergalm, in die die Sportler einst zum Après-Ski einkehrten.

Der Hechendorfer sah in der geteilten Parkfläche eine Win-win-Situation. Nach Schneekanonen hatte er auch schon Ausschau gehalten und sich für die Marke Snowmaker für 680 Euro entschieden. Die Betriebskosten schätzte er inklusive Beschneiung auf 13 300 Euro.

Sein letzter Eintrag in dem Forum datiert vom Dezember 2010. Der Berg liege unter einer dichten Schneedecke, und die Wetterpropheten erwarteten 15 weitere Zentimeter, schrieb er. Seine Kritiker im Forum bedachte der ambitionierte Skiliftbetreiber mit: „Ja lacht nur alle. Wir sehen uns in zehn Jahren.“ Neun davon sind mittlerweile rum – und am Griesberg müssen Skifahrer, Snowboarder und Rodler ihre Sportgeräte für den Aufstieg noch immer schultern.

Von Michèle Kirner

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