+
Hans Huber auf seinem Grundstück in Oberalting. Im hintergrund ist das Sägewerk zu sehen. 

Ortsentwicklung

Grundstück sorgt für Zoff

Oberalting - Hans Huber hat sein Grundstück für Asylbewerber angeboten. Er ärgert sich über die Absage und noch viel mehr. 

Huber ist Besitzer eines gut 1300 Quadratmeter großen Grundstücks in Oberalting, angrenzend an die Rückseite des Sägewerks Schlecht. Das Sägewerk wird erweitert, der Bebauungsplan geändert, Hubers Grund als Fläche für Landwirtschaft festgeschrieben. Er fühlt sich übergangen. Außerdem hat er der Gemeinde die Fläche für Asylbewerber angeboten. Das hat sie abgelehnt. Jetzt hat sich Huber einen Anwalt genommen. 

„Ich will niemandem Böses. Ich will nur mein Recht“, sagt Huber, der in der Nähe des Seefelder Bauhofs einen Reiterhof betreibt. Seine Tochter ist elf Jahre alt, ihr möchte er ein wertiges Grundstück vererben. Peter Schlecht habe ihm einst ein nahezu unverschämtes Angebot gemacht, und die Gemeinderäte hätten hinter seinem Rücken den neuen Bebauungsplan-Umgriff abgenickt, der auch sein Grundstück umfasse. Er weiß gar nicht, worüber er sich mehr ärgern soll. Denn die Asyl-Sache scheint ihm auch nicht korrekt. „Mein Grundstück ist erschlossen, hat Kanal und Zufahrt. Im Landratsamt wurde mir gesagt, es sei perfekt geeignet.“ Also habe er der Gemeinde die Fläche angeboten. 

Kurz vor Ostern kam die Absage. Die Gemeinde beruft sich auf den Bestandsschutz der Firma Schlecht. Unabhängig von den Erweiterungsplänen der Firma sei das Heranrücken einer Wohnbebauung aus immissionsschutzrechtlichen Gründen nicht möglich. „Das verstehe ich nicht: In Hechendorf stehen die Container doch auch direkt neben dem Betriebshof Dosch“, schimpft Huber. Die Gemeinde könne „auch aus moralischen Gründen den Standort nicht befürworten“, heißt es weiter. Auch wegen der bereits in Bau befindlichen Asylunterkunft mit 144 Plätzen an der nahe gelegenen Ulrich-Haid-Straße. Die angespannte nachbarschaftliche Situation „lässt es leider nicht zu, noch eine weitere Unterkunft in dem Bereich zu planen“. 

Stefan Futterknecht aus dem Seefelder Bauamt versteht Hubers Frust, hält die Lage aber für unabänderlich. Die Gemeinde habe bei der Planung Hubers Grundstück einbeziehen müssen, damit dort keine Baulücke mit Konfliktpotenzial entstünde. Auch wenn das Grundstück nicht in den Umgriff fallen würde, „hat eine Bebauung aus immissionsschutzrechtlichen Gründen keine Aussicht auf Genehmigung“. Das Grundstück ist nun als landwirtschaftlich nutzbare Fläche festzusetzen. „Der Grundstückseigentümer wird dadurch nicht schlechter gestellt als vorher.“ In Hechendorf sei die Situation eine andere: „Der Abstand zwischen Asylcontainern und Betriebshof ist dort größer“, sagt Futterknecht.

 Das Sägewerk Schlecht gibt es seit 1856 in Oberalting. Vor 40 Jahren etwa plante der Zweckverband (ZV) an der Rückseite ein Wohnprojekt. Hubers Vater hätte in dem Zusammenhang für sein Grundstück als Bauerwartungsland über Jahre eine erhöhte Grundsteuer abführen müssen, wozu er nicht bereit war. Später platzte das ZV-Projekt und Schlecht kaufte die Fläche. Im Zusammenhang mit seiner nun dort geplanten Erweiterung wird aus Hubers Grund die Lücke, die dann an einer Seite zur Wohnbebauung, und dann an zwei Seiten an die Firma Schlecht angrenzt. 

Peter Schlecht bestätigt, dass er Huber mehrere Angebote gemacht hat. Und zwar mit einer Nachentschädigungsklausel, falls aus dem Grund doch eines Tages Bauland werden würde. Das ist unwahrscheinlich. „Ich darf da jetzt auch nicht mehr als Herr Huber.“ Und selbst wenn: „Ich habe genug Kollegen, die wegen immissionsschutzrechtlicher Probleme schließen mussten. Das Risiko gehe ich doch nicht ein.“ Huber habe vielleicht zu hoch gepokert. „Aber man konnte auch nicht absehen, wie die Dinge sich entwickeln.“ Huber will die Situation so nicht akzeptieren und alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen. In der Gemeinde sieht man das gelassen: „Rechtlich gesehen hat er keinen guten Standpunkt“, glaubt Futterknecht.

hvp

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Wirt sucht die Retter seines Cafés
Das Café am See in Weßling ist womöglich nur knapp einer Katastrophe entgangen. Ein Brandstifter hatte am Mittwochabend die Markise des Lokals angezündet. Das Feuer …
Wirt sucht die Retter seines Cafés
Fischerhochzeit in Tutzing: Das müssen Sie über die historische Veranstaltung wissen
Tutzing feiert wieder Fischerhochzeit: An diesem Wochenende fällt die traditionelle Großveranstaltung mit dem Jubiläumsjahr der Gemeinde zusammen. Hier erfahren Sie …
Fischerhochzeit in Tutzing: Das müssen Sie über die historische Veranstaltung wissen
Feuerwehr muss Pfanne löschen
Angebranntes Essen war Ursache eines Feuerwehreinsatzes am Dienstag in Starnberg. 
Feuerwehr muss Pfanne löschen
Das verlagerte Problem
Lärmende Jugendliche sorgen nachts in Weßling nach wie vor für Verdruss bei den Anwohnern. Der von der Gemeinde beauftragte Sicherheitsdienst hat das Problem …
Das verlagerte Problem

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion