Nicht in Topform präsentierte sich Sabine Winter in Doha.
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Nicht in Topform präsentierte sich Sabine Winter in Doha.

Tischtennis

Verletzungen bremsen Sabine Winter aus

Die Reise nach Katar ist für Sabine Winter nicht so erfolgreich verlaufen wie gewünscht. Bei den beiden Turnieren des Weltverbandes ITTF schied die Tischtennisspielerin aus Hechendorf vorzeitig aus.

Hechendorf – Mit vielen Eindrücken im Gepäck flog Sabine Winter nach knapp zweiwöchigem Aufenthalt am Dienstag aus Doha (Katar) wieder in ihre Heimat zurück. Die Profi-Tischtennisspielerin aus Hechendorf hatte zuvor nach über einjähriger Pause an zwei Veranstaltungen der neuen Turnierserie des Weltverbandes ITTF teilgenommen. „Insgesamt lief es nicht besonders erfolgreich“, berichtete die 28-Jährige. „Allerdings konnte ich im Vorfeld auch nicht so viel erwarten. Jedoch stirbt die Hoffnung bekanntlich zuletzt.“

Einen Tag vor ihrem ersten Spiel beim mit 200 000 US-Dollar dotierten WTT Middle East Hub musste die deutsche Nationalspielerin den nächsten Rückschlag verkraften. Als wenn eine gebrochene Rippe nicht schon genug wäre, verletzte sich Winter beim gemeinsamen Training mit ihrer langjährigen Doppelpartnerin aus der Jugendzeit, Barbora Balazova (Slowakei), auch noch am Daumen. „Ich wollte auf einen halblangen Ball einen Topspin ziehen und bin an der Tischkante hängen geblieben.“ Die Folge: Der Schläger brach in zwei Teile, und außerdem zog sich die Spitzenspielerin des Erstligisten TSV Schwabhausen einen schmerzhaften Bluterguss am Daumen zu.

Keine 24 Stunden später merkte Sabine Winter in der Partie gegen Szandra Pergel (Ungarn) allerdings nicht mehr viel von ihren Verletzungen. „Das Adrenalin im Spiel ist für mich das beste Schmerzmittel“, sagte sie. „Das war auch zu den Zeiten der Fall, als ich immer wieder Probleme mit der Schulter hatte.“ Selbst mit dem angeschwollenen Daumen und dem Ersatzholz konnte sie einigermaßen spielen. Mit 11:7, 11:3 und 11:8 behielt Winter die Oberhand. „Schon nach den zwei kurzen Trainingseinheiten hier vor Ort merkte ich, dass ich gar nicht so schlecht spiele. Trotzdem muss ich sagen, dass ich einen so deutlichen Sieg nicht erwartet habe. Schließlich ist der Wettkampf immer noch etwas ganz anderes als das Training.“ Sabine Winter unterliefen während der drei Sätze nur wenige leichte Fehler.

Einen Tag später wurde die Hechendorferin allerdings von Liu Hsing-Yin aus Taiwan förmlich überrollt. Sehr schnell waren die ersten zwei Abschnitte mit 2:11 und 6:11 verloren. Im dritten Durchgang wehrte Winter beim Stand von 9:10 zunächst einen Matchball ab, ließ anschließend jedoch bei einer 11:10-Führung einen Satzball liegen. Am Ende siegte Liu mit 13:11. „Vielleicht wäre es noch ein bisschen interessant geworden, wenn ich diesen Satz gewonnen hätte“, mutmaßte Winter nach ihrem Ausscheiden. „Zwar habe ich in meiner ersten Partie besser gespielt, doch insgesamt habe ich das unter den Umständen nicht schlecht gemacht.“

Nach einer viertägigen Pause, die für insgesamt zwei Stunden Training und einige Kilometer auf dem Ergometer genutzt wurde, stand an gleicher Stelle das WTT Star Contender auf dem Programm. Bereits nach dem zweiten von insgesamt drei Qualifikationstagen war das mit 400 000 Dollar dotierte Event für die zweifache Doppel-Europameisterin auch schon wieder beendet. Die Nummer 126 der aktuellen Weltrangliste musste sich der 72 Positionen hinter ihr geführten Christina Kallberg aus Schweden überraschend deutlich in drei Sätzen geschlagen geben. Nach der 9:11, 8:11 und 9:11-Niederlage verriet Winter, „dass ich einen schlechten Kopf und kein Vertrauen in meine Bälle hatte“. Sie sei in ihren alten Trott zurückgefallen. „Ich war nervös und hatte Angst, meine Rückhand einzusetzen. Außerdem bin ich immer wieder vom Tisch weggelaufen“, sagte die Sportsoldatin. Mit einem 13:11, 11:4 und 11:7-Erfolg gegen Yadira Silva aus Mexiko hatte zuvor der Wettbewerb begonnen.

In aller Ruhe wird sich Sabine Winter nun auf den heißen Saison-Endspurt in der 1. Bundesliga vorbereiten, denn mit den letzten Rückrundenspielen beim SV Böblingen (27. März) und gegen die TTG Bingen/Münster-Sarmsheim (28. März) stehen für den aktuellen Tabellenvierten aus Schwabhausen noch zwei wichtige Begegnungen auf dem Programm, um sich für die noch nicht endgültig terminierte Play-off-Runde eine günstige Ausgangsposition im Viertelfinale zu verschaffen.

PCR-Test, Quarantäne und kein Abstand in der Trainingshalle

Die Reise nach Katar brachte für Sabine Winter einige Einschränkungen. Direkt am Flughafen in Doha wurde nach der Landung zunächst ein PCR-Test gemacht. Bereits in Deutschland hatte sich Winter zuvor gleich zweimal, eine Woche sowie 48 Stunden vor Abflug, testen lassen müssen. Vor Ort wurde zudem verlangt, eine SIM-Karte für das dortige Mobilfunknetz zu kaufen und sich in der Corona-Warn-App zu registrieren. Anschließend ging es direkt ins Hotel. Es folgten 48 Stunden Quarantäne. Selbst zum Essen durfte Winter das Zimmer nicht verlassen. „Ich habe zwei komplette Tage in den vier Wänden verbracht“, erzählt die 28-Jährige. Die Mahlzeiten wurden auf den Boden vor die Tür gestellt und mussten anschließend im Zimmer zu sich genommen werden. „Zum Glück hatte ich einen Balkon, sodass es wenigstens möglich war, die Sonne mal zu sehen und ein wenig frische Luft zu bekommen.“

In der Trainingshalle herrschte ein dichtes Getümmel. Nahezu an jedem Tisch waren sechs Spielerinnen, die dort üben wollten. Den erforderlichen Abstand zu halten, war schlichtweg unmöglich. „In der Trainingshalle war nicht zu sehen, dass die Welt unter einer Corona-Pandemie leidet. Das ist schon alles sehr merkwürdig, wenn ich dann auf der anderen Seite nicht den Strand zu einem Spaziergang mit Maske und ohne Begleitung nutzen darf.“

Marco Steinbrenner

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