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Sorgen für Diskussionen: Florian Cichon und seine Milchziegen. Die Anwohner leiden unter dem Gestank und den Fliegen, die Mahlzeiten an warmen Tagen im Freien unmöglich machen. Cichon indessen ärgert sich über Anfeindungen und die Behörden.

Landwirtschaft

Wieder Zoff um die Ziegen

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Die Gemeinde Seefeld lehnt die beantragte Erweiterung des Betriebs von Florian Cichon erneut ab. Als mögliche Alternativen werden ein Umzug oder eine Umnutzung genannt.

Hechendorf – Seefelds Gemeinderäte haben in ihrer Sitzung am Dienstagabend eine Erweiterung des Ziegenmilchbetriebs von Florian Cichon in Hechendorf erneut abgelehnt. Ein weiteres Kapitel in einem endlosen Streit. Abhilfe könnte allerdings ein Vorschlag von Bürgermeister Wolfram Gum bringen.

Seit fast 20 Jahren wird über diesen Betrieb diskutiert: Einst gründete Josef Cichon seine Ziegenzucht an der Hauptstraße in Hechendorf, seit mehreren Jahren führt ihn Sohn Florian. Streit und Gerichtsverfahren gab es immer: Die Fläche befindet sich im Außenbereich, aber nahe der Wohnbebauung. Für die Anwohner bedeutet dies: Heerscharen von Fliegen, Gestank und Lärm, auch an Feiertagen. Betroffen sind rund 35 Haushalte mit bis zu 100 Menschen. In der Sitzung am Dienstag füllten viele von ihnen den Saal und reagierten auf die Diskussion zum Teil so aufgebracht, dass Bürgermeister Wolfram Gum mit Rausschmiss drohte.

Gemeinderat Martin Dosch (CSU) zählt ebenfalls zu den Betroffenen. Er richtete sein Wort direkt an Cichon: „Ich bin irritiert. Im Januar 2016 hast Du gesagt, dass Du das nicht mehr verfolgst. Die Leidtragenden sind jetzt wieder die Anwohner.“ Die Wohnbebauung und die Siedlung seien immer da gewesen, er müsse sich schon sehr wundern.

Cichon will laut Antrag die Auslauffläche für die Ziegen vergrößern, eine Maschinen- und Bergehalle zum Ziegenstall umnutzen und an diese auch anbauen. In der neuen Halle sollen eine Hackschnitzelheizung und eine Ballentrocknungsanlage installiert werden. Der Antrag wurde im Januar 2016 von der Gemeinde bereits abgelehnt. Mittlerweile – nach Vorlage von Gutachten – hält das Landratsamt ihn für genehmigungsfähig, weshalb die Gemeinde davon ausgeht, dass ihre Ablehnung keine Rolle mehr spielt. Daran ändert voraussichtlich auch nichts, das Christoph Drewes vom Bauamt in den Unterlagen des Landratsamts Mängel entdeckt hat, die sich auf die Lüftung des Stalls und den möglichen Lärm der Ballentrocknung beziehen.

Vor diesem Hintergrund kam Gums Vorschlag, die Fläche umzunutzen, überraschend. „Ich habe mit Herrn Cichon gesprochen, er hängt gar nicht so an der Ziegenzucht dort unten und könnte sich eine Umnutzung vorstellen“, sagte er. Statt Ziegenmilchbetrieb könne an gleicher Stelle ein emissionsarmer Betrieb entstehen. Mit der Miete könne sich Ziegenwirt Cichon den Umzug an den Waldrand oberhalb des Kammerloher Stadels vorstellen. Die Fläche dort gehört ihm bereits und ist auch erschlossen. Dass die Kuh so leicht vom Eis ist, konnte sich allerdings in der Sitzung niemand vorstellen.

Cichon findet den Vorschlag aber gut. „Dort habe ich immer hingewollt und das auch schon durchgeplant“, sagt er. Die Behörden hätten ihm dies jedoch nicht genehmigt. Überhaupt, die Behörden: Cichon fühlt sich von ihnen, Gemeinde und den Anwohnern behindert und gibt offen zu, dass er es in letzter Zeit mit der Minimierung des Gestanks nicht mehr so genau genommen hat. „Ich muss laut alter Genehmigung nur einmal sauber machen. Dann mache ich das so.“

Der neue Antrag bringt in seinen Augen nur Verbesserungen für die Anwohner: Derzeit hält Cichon auf dem Gelände 60 Milchziegen, 20 Nachzuchtziegen, und zwei Böcke. Im Frühjahr allerdings waren auf dem Gelände zusätzlich 120 Milchlämmer unterwegs – für die Cichon keinen Platz hatte, eigentlich, und weshalb auch gleich das Landratsamt vor Ort war. „Aber was sollte ich denn machen, wenn die Genehmigung nicht kommt?“, sagt Cichon. Die hohe Anzahl der Tiere sei auch eine Ausnahme gewesen. Üblicherweise würde sich die Anzahl der 120 Milchlämmer (jede Ziege bekommt immer zwei Junge) auf einen längeren Zeitraum verteilen. Die Anzahl von 200 Tieren würde nicht überschritten und nur im Sonderfall erreicht. Cichon legt Wert darauf, dass er seinen Betrieb also nicht vergrößert, sondern für seine Tiere nur bessere Bedingungen schaffen will, was noch dazu die Emissionen reduzieren würden. Neben der Verkleinerung der Miste – einen Teil will Cichon im Außenbereich lagern – sind drei Abluftkamine vorgesehen, Cichon verpflichtet sich zudem zur täglichen Reinigung der Auslauffläche. Das hatte er zuletzt vor lauter Ärger wie gesagt ja etwas schleifen lassen.

Auch aus diesem Grund herrscht Misstrauen in der Nachbarschaft. „Die Anwohner haben Angst, dass es noch mehr wird und dort nicht mehr lebenswert ist. Dabei waren ihre Häuser zuerst da“, erklärt Martin Dosch und fragt sich: „Was ist in zwei Jahren? Was plant er dann?“ Zumal nicht nur der Gestank ein Thema ist. Mahlzeiten im Freien sind auch wegen der Fliegen im Sommer nicht möglich. „Wenn er aussiedelt, dann ist das zum Wohlsein für alle.“

Bürgermeister Gum geht davon aus, dass das Landratsamt den Bauantrag genehmigt. Er empfahl den Anwohnern in der Sitzung am Dienstag zu klagen. Ob sie das tun, ist offen.

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