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Seit Anfang Dezember ist der Bahnhof in Hechendorf wieder enthüllt.

So wird das Jahr 2017

In Seefeld geht’s jetzt ans Ersparte

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Seefeld – Ans Jahr 2017 will Seefelds Rathauschef gar nicht denken, geschweige denn drüber reden. Er empfindet die finanzielle Entwicklung der Gemeinde als so prekär, dass es ihm sogar die Lust aufs Bürgermeisteramt verdirbt – nach 27 Jahren: „Das muss man sich mal vorstellen: Unverschuldet kommen wir in Schwierigkeiten. Weil der Gesetzgeber das zulässt.“

Daher steht das Thema Finanzen bei der Vorschau auf das Jahr 2017 für den Bürgermeister an erster Stelle.

Finanzlage

Wie berichtet, hat der größte Gewerbesteuerzahler der Gemeinde seinen Geschäftssitz in die Schweiz verlegt. Seine Gewinne kann er nun dort versteuern. Für Seefeld bedeutet dies, dass die Einnahmen im zu Ende gehenden Jahr von 21 auf 14 Millionen Euro geschrumpft sind. Dazu kommt eine Kreisumlagezahlung in Höhe von neun Millionen Euro. Die Gemeinde Seefeld muss also im kommenden Jahr an ihre Rücklagen gehen – und womöglich zum ersten Mal seit 2000 Schulden machen. Schon in den vergangenen Jahren war Gum stets mit ernster Miene und einem Stoff-Pleitegeier in die Haushaltssitzungen gezogen. Die Gemeinde hat es dann doch immer wieder geschafft, trotz hoher Ausgaben und großer Projekte. „Die Kunst wird sein, die Gemeinde in dieser Lage finanziell stabil zu halten.“

Einheimischenmodell

„Das Einheimischenmodell am Spitzweg in Hechendorf werden wir entscheidend weiterbringen: Ich denke, dass Ende 2017 die Erschließung fertig ist“, sagt Gum. Vorher, im Frühjahr, müssen die Bauplätze und Wohnungen vergeben werden: Es ist Platz für 50 Familien – 170 haben ihr Interesse bekundet und in der Verwaltung ihre Daten hinterlassen. Im Frühjahr werden sie schriftlich über das weitere Prozedere informiert, vorausgesetzt, die Gemeinderäte haben sich über die Vergabekriterien geeinigt. Gum ist zuversichtlich, dass Hechendorf diese Entwicklung verkraftet. „Was die Kinderbetreuungsplätze angeht, sind wir versorgt und haben noch Luft nach oben.“ Insgesamt stehen der Gemeinde für ihr Einheimischenmodell an der Spitzstraße etwa 20 000 Quadratmeter zur Verfügung.

SeeKU

In den vergangenen Monaten befassten sich Seefelds Gemeinderäte mit der Gründung eines Kommunalunternehmens „SeefeldBau“ (SeeKU). In dieses Konstrukt setzt Gum große Hoffnungen. Feuertaufe wird 2017 die Planung eines neuen Gerätehauses für die Feuerwehr sein – und zwar am Oberfeld, schräg gegenüber vom Einheimischenmodell.

Änderungen an der Satzung sorgten dafür, dass Gum die endgültige Gründung des SeeKU nicht wie geplant in der letzten Sitzung vor der Weihnachtspause verkünden konnte. Seiner Bitte, auf diese Änderungen zu verzichten, damit das ganze Prozedere nicht von vorne anfängt, kamen die Gemeinderäte einstimmig nach. Geschäftsführer sollen Dr. Gerd Schnitzler und Matthias Riederer werden, beide aus Hechendorf. Der Vorteil des SeeKU ist, dass es schlagkräftiger und schneller agieren kann als eine Kommune – und günstiger bauen.

Chirurgische Klinik

Sie hat in der Vergangenheit Nerven gekostet. „Aber der Sturm ist durchsegelt“, glaubt Gum. Er hofft nun, dass bis zur Jahresmitte die Fusion mit der Kreisklinik Starnberg in trockenen Tüchern ist. Und er geht davon aus, dass der zusätzliche Operationssaal schon im kommenden Jahr gebaut wird – womöglich in einem Container. Das letzte Wort über die Entwicklung des Krankenhauses ist damit längst nicht gesprochen. „Es ist immer noch möglich, dass wir uns eines Tages für eine Erweiterung oder gar einen Neubau entscheiden.“ Entsprechende Überlegungen hatte vor kurzem auch Landrat Karl Roth angesprochen (wir berichteten).

Supermarkt

2014, als es um einen Neubau des Seefelder Rathauses ging, hatte Gum die Vision eines großzügigen Vollsortimenters vor Augen. Seit dem Bürgerentscheid gegen ein neues Rathaus und der darauffolgenden Prüfung, ob eventuell das alte Rathaus erweitert und saniert werden kann, ist nichts mehr geschehen. Bis zur letzten Sitzung vor der Winterpause. Da lag den Räten eine neue Planung von Walther Kloiber vor, dem das Grundstück und das Tengelmann-Gebäude gehören (wir berichteten). Die Planung bezieht das alte Rathaus und dessen Anbau ein, es wird nichts abgerissen. „Das wäre toll und wichtig für den Ort, wenn wir da nächstes Jahr weiterkommen“, sagt Gum.

Senioren

Die Gemeinde Seefeld verfügt über einen sehr agilen Seniorenbeirat. Unbeirrbar befasst sich dieser mit der Schaffung von Wohnraum für die älteren Semester. Jüngster Vorschlag: Zwei Wohngebäude mit 16 bis 20 Wohnungen an der Hedwigstraße, die genossenschaftlich betrieben wird. Die nächste Sitzung dazu findet am 17. Januar statt. „Ich würde mir wünschen, dass sich da etwas entwickelt“, sagt Gum.

Bahnhof Hechendorf

„Der Bahnhof wird ein Schmuckstück unserer Gemeinde werden“, sagt Gum und kann es fast nicht erwarten, dass das Projekt abgeschlossen wird. Bekanntlich haben Dr. Isabel Mühlfenzl und Tochter Caroline das Gebäude gekauft und saniert. Im Frühjahr sollen eine Gastronomie und ein Buchladen dort entstehen – sowie renovierte Wohnungen. Gum weiß um den Ärger, den die beiden mit der Baustelle hatten. Denn ursprünglich hatte Isabel Mühlfenzl schon im Herbst eröffnen wollen. „Die Gemeinde ist sehr glücklich, dass wir jemanden gefunden haben, der dort nun etwas Besonderes schafft.“

Eisen-Park

Wie berichtet, musste wegen nächtlicher Ruhestörungen immer wieder die Polizei ausrücken. Dann beschmierte ein Unbekannter die Sitzgelegenheiten mit Harz. Seither ist der Park abends abgesperrt. Und es läuft immer noch nicht alles rund. Gum bestätigt, dass ein Unbekannter im Herbst die Reifen von Besuchern der Boule-Bahn aufgestochen hat. Anwohner haben einen Verdacht – es soll sich um einen Nachbarn handeln, der keine Lust auf den Park hat. Gum möchte dazu weiter nichts sagen. „Wir werden trotzdem den Park im Frühjahr eröffnen und setzen auf die Vernunft der Menschen.“

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