Seefelds Bürgermeister Klaus Kögel vor dem Technologiepark, in dem die Seefelder Verwaltung seit 2015 zur Miete untergebracht ist. Ein Grund, weshalb Kögel auch das Thema Rathausbau anpacken möchte.  Foto: Andrea Jaksch
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Seefelds Bürgermeister Klaus Kögel vor dem Technologiepark, in dem die Seefelder Verwaltung seit 2015 zur Miete untergebracht ist. Ein Grund, weshalb Kögel auch das Thema Rathausbau anpacken möchte.

DAS BRINGT DAS JAHR 2021 - Klaus Kögel will auch das Thema Rathausneubau anpacken

Klinik, Gewerbe und Verkehr

Klaus Kögel (CSU) folgte bei den Kommunalwahlen 2020 auf Wolfram Gum (CSU), der 30 Jahre lang Bürgermeister in Seefeld war. Mit Kommunalpolitik hatte der leitende Angestellte Kögel zuvor gar nicht so viel am Hut. Dass zeitgleich mit den Wahlen auch noch die Corona-Pandemie begann, sorgte dafür, dass er schon vor seinem Amtsantritt an ziemlich vielen Sitzungen teilnehmen musste und wollte.

Seefeld – Wie hat Corona Ihren Amtsantritt geprägt?

Ich habe schon vor meinem Amtsantritt im Mai zahlreiche Sitzungen und Krisentreffen besucht, das hatte ich mit Landrat Karl Roth so abgesprochen. Dadurch bin ich schon weit vor meinem Amtsantritt in die ganze Geschichte sozusagen hineingeschwommen. Ich habe dann gleich gedacht, ups, das wird uns finanzielle Sorgen bereiten. Das waren schon sehr prägende Wochen für mich, wegen allem, was wir zahlen müssen und auch machen wollen.

Was war Ihre größte Sorge?

Die Frage war, ob wir das ausbalancieren können. Wir wussten lange nicht, wie stark wir betroffen sind. Erst Mitte September konnten wir aufatmen, vorher war da viel Glaskugel. Der Gedanke, den Bürgern und Vereinen wegen finanzieller Engpässe gleich massive Einschränkungen zuzumuten, das war für mich ein Horrorszenario. Ich war dann sehr erleichtert, weil es dann doch nicht so schlimm war, wie befürchtet.

Wie hat sich die Verwaltung in diesem Corona-Jahr geschlagen? Wie geht es den Mitarbeitern?

Bei der Zusammenarbeit mit der Verwaltung hat es mich sehr gefreut, dass wir von Beginn an an einem Strang gezogen haben. Den Mitarbeitern geht es den Umständen entsprechend ganz gut. Einige sind von Corona stärker betroffen als andere, haben Vorerkrankungen, machen sich natürlich auch große Sorgen. Letztlich konnten wir die Situation aufgrund der Größe der Verwaltung ausbalancieren. Wir mussten nicht in Schichten arbeiten, konnten uns frei bewegen. Das Hygienekonzept hat gegriffen, das haben die Mitarbeiter auch eingefordert und vorbildlich gelebt, wie das Ergebnis zeigt: Wir hatten keinen einzigen Corona-Fall bisher. Wir können und sollten aber auch einiges mitnehmen aus dieser Zeit, beispielsweise bei der Entwicklung der Digitalisierung insgesamt.

Und die Arbeit im Gemeinderat?

Die hat sich auch sehr gut entwickelt. Ich sehe das wie bei einen Motor, der sich warmlaufen musste. Mittlerweile bringen wir ordentlich PS auf die Straße. Jeder hat seine Fachkompetenz. Und es gibt keinen Fraktionszwang, das sieht man bei den Abstimmungen.

Wie schlagen sich die Bürger der Gemeinde in dieser Zeit? Was ist Ihr Eindruck?

Die Seefelder tragen die Situation mit viel Fassung, so kommt es mir vor. Sie agieren in der Mehrheit sehr besonnen. Menschen, die ohnehin Schwierigkeiten haben und labil sind, sind angespannter als zuvor, aber dafür muss man Verständnis haben. Ihre Labilität verstärkt sich durch Corona. Eins unserer großen Probleme war, gerade und trotz der der Pandemie, der maßlose Tagestourismus, und der wird im Sommer 2021 nicht besser werden. Wir haben da keine Lösungen, werden aber Maßnahmen ergreifen müssen. Parkautomaten sind eine Möglichkeit, es gibt aber noch andere Überlegungen.

Was ist auf der Strecke geblieben in diesem Jahr?

Auf der Strecke geblieben ist in der Gemeinde Seefeld heuer eigentlich nichts. Einiges ist vielleicht nicht so schnell gegangen, wie erhofft. Manche Gespräche und Meetings sind nun auch wegen des Genuschels unter den Masken etwas mühsamer. Letztlich haben wir aber mit dem Ortsentwicklungskonzept im Herbst weitermachen können. Dass wir durch das informelle Fachbehördengespräch Gewerbeflächen festgelegt haben, die sofort zu entwickeln sind, ist gut. Auch zu möglichen Flächen für die Klinik hat ein Fachbehördengespräch stattgefunden. Die Ergebnisse dazu veröffentlichen wir im ersten Quartal, dazu kann ich noch nichts sagen. Es wird aber ein Ratsbegehren angestrebt. Die Bürger sollen mitentscheiden. Abgesehen davon ist die Gemeinde Seefeld nicht der einzige Kandidat für eine Fläche.

An was müssen Sie sich noch gewöhnen?

An die Komplexität der verschiedenen Themen, das ist schon eine Nummer. Das dauert oft und erschwert die Prozesse.

Was möchten Sie heute in einem Jahr auf jeden Fall erreicht haben?

Die Verkehrssituation am Oberfeld in Hechendorf möchte ich geklärt haben, dann kann man dort auch über Tempo 30 reden. Dazu kommt eine gute Lösung für Drößling, und zwar ohne Ampel. Ende nächsten Jahres haben wir hoffentlich die Gewerbeflächen entwickelt und Bewerber evaluiert. Außerdem erhoffe ich mir Sicherheit, was einen Klinikstandort angeht. Ich würde im nächsten Jahr auch gerne das Thema Seefelder Rathaus noch mal zur Sprache bringen. Zur Diskussion steht zudem die Nachnutzung für die Klinikgebäude. Das ist wegen der Besitzverhältnisse etwas komplizierter, aber nicht unmöglich.

Was nehmen Sie für sich persönlich mit aus diesem Jahr? Erinnern Sie sich an einen ganz besonderen Moment als Bürgermeister?

Man wird bescheidener, wenn man gesund ist und die Lieben das auch sind. Das ist vielleicht die Lehre aus Corona, die Rückbesinnung auf das, was wichtig ist. Am Totensonntag durfte ich über meinen Großvater Ludwig Gehre sprechen, der an der Seite von Graf Stauffenberg das Attentat auf Hitler verübt hat. Das hat mich gerührt, und da habe ich auch die große Verantwortung als Bürgermeister gespürt.

Und Ihr Wunsch für die Seefelder?

Ich wünsche mir, dass alle gesund bleiben, dass wir füreinander da sind und Solidarität leben. Und dass wir einen langen Atem haben, denn den werden wir beim Thema Corona leider noch brauchen.

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