+
Die Chirurgische Klinik in Seefeld.

Neuer Beschluss

Klinik Seefeld: Neubau an der Eichenallee ist vom Tisch

  • schließen

Paukenschlag in Seefeld: Die Chirurgische Klinik soll nun doch am aktuellen Standort saniert und erweitert werden. Eine mögliche Bebauung des Grundstücks an der historischen Eichenallee ist damit vom Tisch – und ein monatelanger Streit womöglich beendet.

Was ein einziger Satz bewirken kann: „Sehr geehrter Herr Gum, auf Grundlage des jetzigen Planungsstandes und des fertig gestellten Funktions- und Raumprogramms erscheint eine bauliche Realisierung der Generalsanierung sowie eine Erweiterung am derzeitigen Standort in der Ortsmitte von Seefeld mit höchstmöglicher Wahrscheinlichkeit umsetzbar (...) Mit freundlichen Grüßen, Dr. Thomas Weiler.“ Geschrieben am Montag vom Klinikleiter, vorgelesen und verteilt am Dienstag von Seefelds Bürgermeister Wolfram Gum. 

Noch nicht mal eine Stunde später war ein möglicher Klinikneubau an der Eichenallee beerdigt. Weilers Sechszeiler war nicht weniger als ein Paukenschlag in der 7400-Einwohner-Gemeinde, in der seit Monaten eine erbitterte Auseinandersetzung um die Zukunft der 150 Jahre alten Klinik tobt. Diese muss dringend saniert und erweitert werden, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Gum und die Mehrheit des Gemeinderats hatten sich als Alternativstandort eine Fläche an der Eichenallee ausgeschaut – und deren vorsorgliche Herausnahme als Grünzug aus dem Regionalplan beantragt.

Dagegen wiederum machte die Bürgerinitiative Eichenallee mobil – und sammelte über 1200 Unterschriften für ein Bürgerbegehren. „Wir können unseren Antrag jetzt zurückziehen“, sagte Gum am Dienstag im Gemeinderat. Auch für die weitere Zukunft schloss er den Standort Eichenallee kategorisch aus. „Dort gibt es zu viele Gefühle.“ Sollten die weitergehenden Planungen des Klinikums aber doch – wider Erwarten – eine andere Fläche erforderlich machen, werde die Gemeinde eine finden. Gum: „Das verspreche ich, wenn ich dann noch im Amt bin.“

Mit seinem Vorschlag stieß der Bürgermeister auf ein einhelliges Echo im Gremium – das wiederum für seinen einstimmigen Beschluss Applaus aus Reihen der gut 30 anwesenden Bürger bekam. Die Aussage des Klinikchefs sei „sehr, sehr eindeutig“, betonte auch Grünen-Fraktionschef Dr. Robert Benoist, der das Bürgerbegehren unterstützt hatte. „Damit können wir das Thema hier und heute abschließen.“ Auch die SPD, die nochmals Alternativstandorte untersuchen lassen wollte, zog ihren Antrag zurück. 

Gum nutzte Weilers Schreiben auch für deutliche Worte an die Verfechter des Bürgerbegehrens. „Ich habe immer gesagt, im Herbst liegt ein Gutachten vor“, sagte er. „Wenn man so lange gewartet hätte und nicht gleich in Hysterie verfallen wäre, hätte man sich vieles sparen können.“ Stattdessen hätten sich „Einige aufgespielt und explosionsartig Unfrieden“ gestiftet. Robert Schindlbeck (CSU-Fraktion) sprach gar von einer „Diffamierungskampagne gegen den Gemeinderat und den Bürgermeister“, die unter der Gürtellinie gewesen sei. Gerade als Ehrenamtlicher stelle man sich da die Frage: „Ist es das wert, dass man sich so beschimpfen lassen muss?“

Die BI wies die Vorwürfe am Tag danach zurück. „Man hätte sich die ganze Aufregung und von manchen Gemeinderäten emotional geführte Auseinandersetzung sparen können, wenn vorher auf breiter, öffentlicher Ebene in einem strukturierten Prozess diskutiert worden wäre“, sagte Ildiko Gaal-Baier. Gleichwohl wertet die BI die Entwicklung als Teilerfolg. Linda Rüger: „Die Arbeit hat sich gelohnt, und die Eichenallee ist gerettet.“ Wachsam werde die BI dennoch bleiben, sagte Ortwin Gentz. Schließlich habe das Bürgerbegehren auch die weitergehende Forderung nach Erhalt des Landschaftsschutzgebietes in Seefeld.

Wie es mit der Klage gegen die Nichtzulassung des Bürgerbegehrens weitergehe, werde die BI nun mit ihrem Rechtsvertreter besprechen. Ein zweites Bürgerbegehren bleibe bis auf Weiteres in der Schublade. Mit ihrem Schritt sei die Gemeinde im Übrigen einer Ablehnung ihres Antrags durch den regionalen Planungsverband zuvorgekommen. Der erachte eine zweckgebundene Herausnahme aus dem regionalen Grünzug nämlich als nicht möglich, sagte Gentz. Auch der Landesbund für Vogelschutz (LBV) zeigte sich erleichtert. „Es ist zu hoffen, dass mit dem Verfahren die Sensibilität im Gemeinderat, aber auch in der Bevölkerung gewachsen ist für den Wert solcher Ensembles, wie es die Eichenallee zusammen mit der rundum freien Landschaft ist“, sagte LBV-Kreischef Horst Guckelsberger.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Auf Gehweg überrollt: 81-Jährige erliegt Verletzungen
Die 81 Jahre alte Fußgängerin, die von einem Transporter überrollt wurde, ist jetzt ihren Verletzungen erlegen. Das gab die Starnberger Polizei bekannt.
Auf Gehweg überrollt: 81-Jährige erliegt Verletzungen
Dieser Weltstar gibt sich im Landkreis die Ehre
Eine Star-Geigerin spielt das Eröffnungskonzert der Musikferien am Starnberger See – es gibt Kurse für insgesamt über 50 Teilnehmer. 
Dieser Weltstar gibt sich im Landkreis die Ehre
Fescher Feuerwehr-Flitzer
Auch wenn sie akribisch gepflegt wird – irgendwann ist die Einsatztechnik der Freiwilligen Feuerwehr so veraltet, dass sie erneuert werden muss. Die Gemeinde Pöcking …
Fescher Feuerwehr-Flitzer
Neuer Satellit beglückt die Klimaforscher
Die Wissenschaftler des DLR Oberpfaffenhofen reden beim Satellit Sentinel-5 Precursor von einem „Quantensprung in der Atmosphärenbeobachtung“. 
Neuer Satellit beglückt die Klimaforscher

Kommentare