Ortsbegehung mit Besuch aus München: Fraktionschef Ludwig Hartmann (Mitte, dunkelblaues T-Shirt) bei seinem Besuch in Hechendorf.
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Ortsbegehung mit Besuch aus München: Fraktionschef Ludwig Hartmann (Mitte, dunkelblaues T-Shirt) bei seinem Besuch in Hechendorf.

Fraktionsvorsitzender Ludwig Hartmann besucht möglichen Klinikstandort in Hechendorf

Landtags-Grüne mischen sich ein

  • Hanna von Prittwitz
    VonHanna von Prittwitz
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In die Diskussion über einen möglichen Klinikneubau an der Bahnhofstraße (Lindenallee) in Hechendorf haben sich nun auch die Grünen des Bayerischen Landtags eingemischt. Am Dienstagvormittag nahm Fraktionschef Ludwig Hartmann an einer Ortsbegehung teil. Er folgte damit der Einladung des Grünen-Ortsvereins und der BI Eichenallee.

Hechendorf - Rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begleiteten den Landtagsabgeordneten. Seine Empfehlung: ein weiterer Bürgerentscheid, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen.

Treffpunkt war am Parkplatz des Friedhofs, gemeinsam ging es – coronakonform – auf das Grundstück, für das die Gemeinde die planungsrechtlichen Voraussetzungen schaffen will, um dort möglicherweise die Kliniken Schindlbeck und Seefeld in einem 200-Betten-Haus zu vereinen. „Die Begehung ist mit dem Pächter abgesprochen“, versicherte Ortwin Gentz von der BI. Hartmann hatte im Frühsommer mit Anne Franke und Claudia Köhler an das Bayerische Staatsministerium eine Anfrage zum Thema gestellt. Das lange Antwortschreiben hatte der Landtagsabgeordnete im Gepäck. „Wenn das Ministerium sich so eine Mühe gibt mit einer Antwort, zeigt das auch, dass er selbst vom Standort nicht begeistert ist“, schloss er daraus.

Als „grundsätzlich möglich“ betrachtet demnach der Landtag die Bebauung im Rahmen einer Bauleitplanung, vorausgesetzt, das Gebiet wird aus dem Landschaftsschutz herausgenommen. Regionale Grünzüge sollten jedoch nicht geschmälert oder gar unterbrochen werden – und in diesen Bereich fällt auch das Grundstück an der Bahnhofstraße. Zumindest müsste der Luftaustausch weiter gewährleistet sein, heißt es in der Antwort weiter. Maßnahmen seien nur im Ausnahmefall möglich. Die Auswirkungen auf das regionale Biotopverbundsystem müssten standdortspezifisch untersucht werden. Das gelte auch für ein gegebenenfalls steigendes Verkehrsaufkommen. All diese Fragen müssten im Genehmigungsverfahren geklärt werden.

„Wir müssen raus aus dem Denken der 70er Jahre“, erläuterte Hartmann. Der einfachste Weg sei ein Neubau auf der grünen Wiese, klar. Aber dies laufe den Themen Artenschutz und Flächenverbrauch zuwider. „Das ist eine massive, falsche Landespolitik.“ Keine Gemeinde würde sich trauen, auf einer Fläche wie im Aubachtal Gewerbe anzusiedeln. „Aber Daseinsvorsorge, damit kann man es sich erlauben.“ Das zeige die Wertigkeit von Landschaft- und Artenschutz. „Das hat man nicht verstanden.“ Dazu komme der viel zu günstige Preis für Flächen wie diese.

Auch die Art und Weise, wie bei der Sache Tempo gemacht worden sei, wollte Hartmann nicht gutheißen. „Es sollte aber doch vom Prinzip her um Sinnhaftigkeit gehen und nicht darum, wer der Schnellste ist.“ Was am Bestand möglich und sinnvoll sei, müsse überprüft werden. Hartmann räumte aber ein, dass man auch mal „auf die Wiese gehen muss“, wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft seien.

Die Frage, ob man eine bestehende Klinik wie die Schindlbeck-Klinik in Herrsching sanieren könne, sah Hartmann nicht als „Herausforderung, wie man sie nur im Landkreis Starnberg hat“. Dafür gebe es überall auch erfolgreiche Beispiele. Entscheidend sei dabei auch die CO2-Bilanz: „Die Sanierung des Bestands ist schwieriger, aber dafür immer besser.“ Anke Rasmussen, Grünen-Gemeinderätin in Herrsching, berichtete von dem Bebauungsplan, der bereits eine Erweiterung der Klinik vorsehe. „Mit gutem Willen kann man die Klinik erweitern“, sagte sie. „Wir könnten endlich mal was umsetzen, was man verspricht.“ Klar war aber auch: „Das ist dort ein Filetstückchen, wenn es um die Nachnutzung geht.“

Den Naturschützern vor Ort sagte Hartmann seine Unterstützung zu. Und er empfahl ihnen, einen weiteren Bürgerentscheid zu initiieren. „Wenn alles vorliegt, sollten Sie die Bürger noch mal fragen: Wollt Ihr das?“

„Wir sind sehr froh, dass die Grünen des Landtags Position beziehen“, sagte Gentz im Anschluss an die Begehung. Gerade die Themen Grünzug und damit Frischluft würden die Münchner direkt betreffen. Er freute sich auch über den Zuspruch bei der Ortsbegehung. Der Termin sei allerdings sehr kurzfristig entstanden, die Grünen-Gemeinderäte Thomas Zimmermann, Dr. Sonja Hoppe und Dennis Weber hätten es daher nicht geschafft, zu kommen. Dafür hatte sich SPD-Gemeinderätin Dr. Brigitte Altenberger unter die Zuhörer gemischt. Die SPD unterstützt wie auch die weiteren Gemeinderatsfraktionen das Vorhaben des Landkreises. „Mich interessiert natürlich trotzdem, wie die Gegner argumentieren.“

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