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Gewandte Flieger: Der Kiebitz ist selten geworden, dass er im Aubachtal brütet, ist eine kleine Sensation. 

Naturschutz

Gemeinsam für den Kiebitz

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Der Kiebitz hat sich im Aubachtal niedergelassen - ausgerechnet auf einem Maisfeld. Der Bauer konnte mit der Aussaat nicht länger warten. In einer beispielhaften Aktion haben Naturschützer und Landwirt das Feld bestellt, ohne dem Kiebitz zu schaden, dessen Art vom Aussterben bedroht ist.

Hechendorf – Was für ein aufregender Tag. Mit viel Umsicht haben Vogelschützer und -freunde gestern die Kiebitzgelege im Aubachtal beobachtet und am Ende zwölf Küken vom Traktor aus gerettet. Ein Fernsehteam vom Bayerischen Rundfunk hat die Aktion mit der Kamera eingefangen. Zu sehen in der Sendung „Schwaben und Altbayern“ am 28. Mai.

Noch im März hatte sich Constanze Gentz über zwei Gelege riesig gefreut (wir berichteten). Drei der Küken haben die Schlechtwetterperiode nicht überlebt. Dafür gab es weitere Gelege – insgesamt sieben – und 20 Küken. Die jüngsten sind gestern und vorgestern geschlüpft. Als so genannte Nestflüchter gehen diese frisch geschlüpften Vögel sogleich auf Nahrungssuche. Allerdings auf einem Maisfeld, für das es höchste Zeit wurde, eingesät zu werden. Constanze Gentz, die die Kiebitze seit Monaten im Auge hat, fand beim Landwirt großes Verständnis. Er hat die Aussaat bereits so lange wie möglich hinausgezögert und sich einverstanden erklärt, die abgesteckten Gelege so gut wie möglich zu schützen.

Gestern Vormittag waren sich Kiebitz- und Vogelexperten von der Kreisgruppe Starnberg im Landesbund für Vogelschutz noch nicht sicher, wie sie die Rettung beim Aussähen anstellen können. Am Ende setzte sich Constanze Gentz zum Landwirt auf den Traktor und sprang runter, sobald sie einen verirrt umherlaufenden Pullus erspähte. „Zehn Küken habe ich weggetragen“, freute sie sich am Nachmittag. Seit Februar beobachtet sie die Kiebitze, von denen im vergangenen Jahr das erste Paar zu sehen war. In diesem Jahr sind es fünf Brutpaare. „Eine kleine Sensation“, sagt Horst Guckelsberger, LBV-Kreisvorsitzender. Denn Kiebitze stehen auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Vögel. Ihr natürlicher Lebensraum befand sich in Feuchtgebieten, die es kaum mehr gibt. Dieses gut überschaubare Maisfeld scheint den Bodenbrütern als Alternative zu gefallen. „Wenn der Mais hoch ist, sind sie eh weg“, so Guckelsberger.

Altvögel brauchen Übersicht, um Rabenkrähen oder Greifvögel sehen zu können und diese als gewandte Flieger, die Kiebitze sind, zu vertreiben. Nur dem Fuchs können sie nicht wegfliegen. Das sind die Unbilden der Natur. Denen der Kulturlandschaften haben sich Vogel-, Naturschützer und Landwirt in diesem Fall wunderbar entgegengestellt. Und Constanze Gentz wird weiter jeden zweiten oder dritten Tag einige Stunden am Spektiv stehen, nach dem Rechten sehen und sich über Fortschritte der Küken freuen bis sie flügge sind. grä

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