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Das war 33 Jahre sein Arbeitsplatz: Alfons „Fonsi“ Mayr an seiner ehemaligen Wirkungsstätte, der Surfschule am Pilsensee. In Zukunft sollen dort Kanus und Kajaks verliehen werden. 

Leben am Pilsensee

Der erste Sommer ohne „Fonsi“

Nach 33 Jahren hat Alfons Mayr seine Surfschule am Pilsensee geschlossen. Er spricht von einer Kündigung „ohne Vorwarnung“.

Seefeld – Eiskalt pfeift der Westwind über den Pilsensee, kleine Wellen schlagen gegen die Bootshütte am Campingplatz. Alfons „Fonsi“ Mayr steht an seinem ehemaligen Arbeitsplatz und schaut auf den See. Zum ersten Mal seit 33 Jahren wird er den Saisonauftakt der Windsurfer hier nicht miterleben, denn die Surfschule schloss im vergangenen Oktober ihre Türen.

Die Kündigung erreichte den heute 65-Jährigen im August 2016. „Ohne Vorwarnung“, sagt er. Warum, das wollte Liegenschaftsverwalter Martin Zerhoch gegenüber dem Starnberger Merkur nicht kommentieren. Nur, dass ab jetzt an dieser Stelle Kanus und Kajaks verliehen würden. Damit geht eine Ära zu Ende, in der der damalige Surfschulleiter Mayr einst unerwartet seine Berufung fand.

Jeden Tag am „schönsten Platz am ganzen See“

Eine Berufung, die mit der Ausbildung zum Surflehrer ihren Anfang nahm, nachdem der Nachrichten-Techniker schwer erkrankt war. Bei „Surf Kramer“ wollte er ein Lehrerbrett kaufen – und wurde sofort als Schulleiter der Station am Pilsensee verpflichtet. Zunächst sträubte sich der frisch gebackene Surflehrer, die Verantwortlichen des Surfunternehmens ließen aber nicht locker. „Okay, für ein Jahr“, gab Mayr nach – und verbrachte fortan von April bis Oktober jeden Tag am „schönsten Platz am ganzen See“. 1995 schließlich kaufte er die Surfschule sogar. „Meine Frau Bärbel hat mir den Rücken freigehalten“, betont er. Sie gehörte zu den vielen Schülern, die er aufs Brett brachte.

„Im Mittelpunkt steht der Mensch“, predigte er seinen Lehrern. Das freundliche Lernambiente sprach sich herum und immer mehr Sportbegeisterte fanden ihren Weg ins „Surf, Sun & Fun“-Zentrum am Pilsensee. Die Schüler reisten von Stuttgart an oder, wie Birgit Mayer zum Beispiel, aus München. Sie war damals zwölf Jahre alt – und mauserte sich von der Schülerin zu einer seiner Lehrerinnen.

70-Jährige fährt einfach einhändig weiter

Mayr hat einiges erlebt am und auf dem See, die Erinnerungen sprudeln nur so, wenn er gefragt wird. In den Kinderkursen schulte „Fonsi“ beispielsweise auch den Maxi, der plötzlich wie erstarrt auf dem Brett verharrte und sofort ins sichere Ruderboot wollte. „Gibt’s hier Haie?“, fragte der Achtjährige und deutete ängstlich auf sich im Wind wogende Grashalme. Mayr zog die Halme aus und drückte sie dem Buben in die Hand. Dieser starrte sie an, warf sie weg und rief: „Vielleicht doch!“ Oder die 70-jährige Herrschingerin, der Mayr erklärte, dass man mit dem richtig eingestellten Trapez einhändig fahren kann. Woraufhin die rüstige Surferin mit beiden Händen losließ und entspannt weiterfuhr.

Die Surfschule entwickelte sich zu einem beliebten Treffpunkt. Bürgermeisterfamilie Gum kam zu Besuch, die Dauercamper und Badegäste. Mit der benachbarten Wasserwacht verband ihn eine tiefe Freundschaft. Mit den Freiwilligen rückte er zur Vermisstensuche aus, im Gegenzug fischten sie bei Bedarf Abgetriebene aus dem Wasser.

Neue Erinnerungen aus dem Surfschulleben werden keine mehr hinzukommen. „Ich freue mich aber auf einen Sommer am Strand und im Biergarten“, sagt Mayr, Und er ist zuversichtlich, dass sich wieder eine neue Möglichkeit für ihn auftut. Wie damals, als er aus seinem Beruf ausstieg und als Surfschulleiter seine Berufung fand.

von Michèle Kirner

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