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Mord von Meiling: Der Schock sitzt noch immer tief

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Von: Peter Schiebel

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Große Anteilnahme: Viele Meilinger brachten Blume und Kränze zur Beisetzung von Markus K. auf dem kleinen Friedhof an der Kirche St. Margareth. © Andrea Jaksch

Im September 2015 wurde der Mesner Markus K. aus Meiling getötet. Acht aus Rumänien stammenden Angeklagten, auch „Froschbande“ genannt, wird von Dienstag an in München der Prozess gemacht. Es sind Tage, in denen schmerzhafte Erinnerungen wach werden.

Meiling/München – Auch drei Jahre nach seinem gewaltsamen Tod ist Markus K. unvergessen. Bei seiner Familie, bei Verwandten und Freunden – und bei Pfarrer Roland Böckler. In der Sakristei der Filialkirche St. Margareth hat Seefelds katholischer Geistlicher ein Bild von Markus K. aufgehängt. „Wir wollen damit ein Zeichen der Wertschätzung setzen“, sagt Böckler.

Markus K. war der Mesner der Kirche bis zu jenem verhängnisvollen 4. September 2015. Als der 72-Jährige am Abend ahnungslos auf die Terrasse seines Hauses in Meiling trat, wurde er mit einer Holzlatte brutal niedergeschlagen. Die Täter prügelten auch auf seine Ehefrau ein, dann sperrten sie den Sterbenden und die damals 68-Jährige in eine kleine Besenkammer und schoben einen Tisch davor. Nur weil sie diesen wenige Zentimeter wegschieben konnte, überlebte die Frau, während ihr Mann in dieser Zeit seinen schweren Verletzungen erlag. Erst zwei Tage später fand Merkur-Austräger Jörg Altmann die Opfer.

Die Täter waren schon vor dem 4. September in dem Seefelder Ortsteil aufgefallen. Offenbar hatten sie bei mehreren Häusern geklingelt und um Wasser gebeten. Dabei erkundeten die Rumänen Anwesen und Gelände für mögliche Einbrüche. Nach der Tat meldeten sich auch aus anderen Ortschaften Bürger, die die Männer beim Ausspionieren beobachtet hatten.

Pfarrer Böckler kannte das Opfer gut. „Er war eine Seele von Mensch. Er hat seine Mesnertätigkeiten mit Herzblut ausgefüllt“, erinnert er sich. Man habe oft miteinander gefeiert und auf Reisen der Pfarrei auch mal das Zimmer geteilt. Nachdem die schwer verletzte Ehefrau gefunden war, sei sehr bald die Polizei zu ihm gekommen. „Ich bin dann zu dem Haus gefahren.“ Noch nie zuvor habe er etwas so Furchtbares gesehen und erlebt.

Der ganze Landkreis verfolgte in den Tagen nach der Tat die Jagd auf die Täter, die bald von Erfolg gekrönt war. In Österreich wurde die achtköpfige Froschbande gefasst – in einem Wiener Lokal feierten die mutmaßlichen Täter den Erfolg eines weiteren Raubzugs in Österreich. In Deutschland hatten sie insgesamt siebenmal zugeschlagen und waren mit unglaublicher Brutalität vorgegangen. Bereits 2016 verurteilte ein Gericht in Wiener Neustadt die Mitglieder der Bande zu Haftstrafen zwischen achteinhalb und 19 Jahren. Verhandelt wurden in dem Verfahren auch Überfälle aus Italien und der Schweiz.

Der Raubmord in Meiling wird von Dienstag an gesondert verhandelt. Die Mitglieder der Bande wurden vor kurzem nach Bayern ausgeliefert und sitzen an unterschiedlichen Orten in Haft. Prozessauftakt ist um 9.30 Uhr im Strafjustizzentrum am Stiglmaierplatz in München. Dort sind die ersten drei Prozesstage geplant (16., 17. und 18. Oktober). Im weiteren Verlauf wird immer wieder auch auf den Verhandlungssaal im Gefängnis in Stadelheim ausgewichen.

Über den Prozess werde in der Gemeinde viel gesprochen, vor allem aber natürlich in dem 200-Seelen-Ort Meiling, erzählt Böckler. „Für den Ort war das traumatisierend. Aber seitdem schauen alle mehr aufeinander.“ Egal, wie hart das Urteil ausfalle: „Wenn ein Leben auf diese Art zerstört wird, ist das so ein Schock für einen Ort, das lässt sich nicht von heute auf morgen vergessen.“

Seefelds Bürgermeister Wolfram Gum hofft auf eine harte und gerechte Strafe. „Ich hoffe, dass nicht zu viel Mitleid für die Täter fließt und nicht zu viele Beweggründe für milde Strafen gefunden werden“´, sagt er. Als „besonders perfide“ bezeichnet er das Vorgehen, erst um Hilfe zu bitten und dann als Einbrecher zurückzukehren. Zum Glück gebe es wieder Kontrollen an Bayerns Grenzen – „das gibt uns ein Gefühl stark erhöhter Sicherheit“.

Pfarrer Böckler feiert an jedem Todestag mit der Familie ein Messgedenken. Mit der Witwe steht er in engem Kontakt. „Ich habe unserem Mesner damals den letzten Segen erteilt“, erinnert sich Böckler. „Mir sind die Tränen gelaufen. Vor Entsetzen und wegen des großen Verlusts.“ Das Haus in Meiling ist mittlerweile vermietet.

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