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Blick zurück: Das Foto entstand 2010. Damals feierte die Nachbarschaftshilfe ihren Umzug ins Rehm-Haus.
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Heute sieht es in dem gleichen Raum so aus: Eine Betondecke wurde eingezogen, eine Treppe führt in den ersten Stock. Der Raum gehört zur Kleiderbörse.
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Gute Laune in lichten Räumen: Dr. Gerd Schnitzler, Erika Schnitzler und Irmgard Rehm (v.l.) in der Kleiderbörse.
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Baustelle im Herbst: Der hintere Teil wurde an das alte Haus angebaut.

Nachbarschaftshilfe Hechendorf saniert Bauernhaus

„Kümmern. Kümmern. Kümmern.“

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Hechendorf - In neuem Glanz erstrahlt das alte Rehm-Haus in Hechendorfs Ortsmitte. Die Nachbarschaftshilfe Hechendorf hat es saniert, renoviert und noch ein bisschen angebaut. 350 000 Euro hat das gekostet. Dabei waren die Kosten einst auf 1,17 Millionen Euro geschätzt worden. Eine Erfolgsgeschichte.

Draußen steht zwar auf einer modernen Leucht-Stele „Nachbarschaftshilfe Hechendorf“. Aber eher sieht das alte Rehm-Haus in Hechendorfs Ortsmitte vom Garten aus wie eine moderne Modeboutique. Eine breite Treppe führt hinauf in einen großen Raum mit abgehängter Decke und Holzboden. An großen Kleiderständern hängen Skihosen und warme Jacken, Pullover, aber auch Sakkos, und in Regalen stehen ordentlich aufgereiht viele Paar Schuhe. Vier große Räume hat die Nachbarschaftshilfe für ihre Kleiderbörse mittlerweile. „Das hätten wir selbst nicht geglaubt, als wir unten im Keller klein angefangen haben“, sagt die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Erika Schnitzler.

Sie ist sozusagen die Chefin der Kleiderbörse – ihr zu Seite stehen etwa 15 Helferinnen. Zu den Kunden zählen Familien und Menschen aus allen Schichten. „Mütter von Allergikern kaufen gerne bei uns ein, weil die Sachen schon mehrmals gewaschen sind“, erklärt Vorstandsvorsitzende Irmgard Rehm, die mit den früheren Eigentümern des Hauses weder verwandt noch verschwägert ist.

Die neuen Räume im alten Rehm-Haus sind nicht nur den Kunden angenehm. Auch die Mitarbeiter der Nachbarschaftshilfe haben endlich Platz, um die gespendeten Sachen zu sortieren. Und es gibt sogar einen eigenen Raum nur für Kinderkleidung.

Nicht nur die Räume der Kleiderbörse sind neu. Insgesamt hat die Nachbarschaftshilfe Hechendorf knapp 300 Quadratmeter Fläche gewonnen. Im Parterre ist Platz für das Büro und die Kasse. Der Pflegedienst zieht in den ersten Stock. Dort wuseln noch die Handwerker herum, es sind noch nicht alle Böden fertig. Die Räume sind hell, die Wände strahlend weiß. Ein Kleinod in der Ortsmitte.

Kaum zu glauben, dass dieses Haus einmal abgerissen werden sollte. Das kam seinerzeit so: Die Gemeinde Seefeld hat das Rehm-Haus vor etwa zehn Jahren ersteigert. Das Gebäude ist knapp 100 Jahre alt, und Bürgermeister Wolfram Gum hatte es stets als Millionengrab bezeichnet. Tatsächlich veranschlagte die Gemeinde angeblich 1,17 Millionen Euro für die Sanierung und Renovierung, wobei heute unklar ist, wer diese Summe berechnet hat. „Aber Bürgermeister Gum hat deswegen immer gesagt: Wir reißen das ab und bauen euch was Neues“, erzählt Dr. Gerd Schnitzler.

Der 69-Jährige, der in wenigen Tagen 70 wird, ist ein bisschen der Held in dieser Geschichte. Er brütete gemeinsam mit Gum bei einem Bier die Idee aus, das alte Rehm-Haus der Gemeinde abzukaufen. Für einen symbolischen Euro wechselte das Anwesen den Besitzer. Und im Juli 2016 legte die Nachbarschaftshilfe, deren Kassier Schnitzler ist, dann los. Damals standen Renovierungskosten in Höhe von 350 000 Euro im Raum. Und bei dieser Summe ist es auch geblieben. Fast nicht zu glauben in diesen Zeiten.

Schnitzler ist Volkswirt und arbeitete lange bei Dornier in Friedrichshafen. Mit Umbauten und solchen Dingen hatte er bis dato wenig am Hut. Aber seine Frau Erika und er wohnen um die Ecke. Und er suchte einen Architekten aus: Holger Möbius, der im Haus gegenüber lebt.

Drei Faktoren macht Schnitzler dafür verantwortlich, dass der Umbau des einst dem Abriss geweihten alten Hauses so gut geklappt hat: „Erstens: die Auswahl der Handwerker. Die waren alle ebenfalls aus der Nähe.“ Zweitens: das Wetter. „Da hatten wir Glück.“ Und drittens? „Kümmern. Kümmern. Kümmern.“ Er hat viele, viele Stunden auf der Baustelle verbracht. „Nicht rund um die Uhr, aber ich war schon oft da“, sagt er.

Ein bisschen Glück hatten die Verantwortlichen dann auch noch. „Wir haben keine bösen Überraschungen erlebt“, berichtet Schnitzler. Dass die Ostwand des Rehm-Hauses nass war, war bekannt. „Wir haben dann festgestellt, dass das gesamte Wasser vom Dach über ein Rohr einfach in den Boden abgeleitet wurde. So hat man das damals halt gemacht“, sagt er leicht amüsiert. Die gesamte Elektrik war veraltet und musste erneuert werden. Das galt auch für die alte Öl-Heizung, die musste raus. Im ersten Stock hatte die Familie Rehm einst ein Badezimmer für die Großmutter vorgesehen – dort mussten alte Leitungen, sogenannte Totrohre, wegen Legionellengefahr aufwändig verschlossen werden.

Dann war da noch die Sache mit dem Fluchtweg. „Wir haben einen Flur im Erdgeschoss verschlossen, den Fluchtweg umgeleitet und dadurch verkürzt. Das allein hat uns weitere Maßnahmen und vor allem 20 000 Euro gespart.“ Wie Schnitzler auf diese Lösung gekommen ist? „Bei einer Tasse Kaffee mit einer Expertin.“ Manchmal hilft es eben, wenn man miteinander spricht.

Dass Experten einst die Sanierungskosten auf 1,17 Millionen Euro geschätzt haben, ist Schnitzler ein kleines Rätsel. Klar, die Nachbarschaftshilfe musste – im Gegensatz zur öffentlichen Hand – nicht barrierefrei bauen. „Das wäre sicherlich um die 200 000 Euro teurer geworden.“ Aber die Möbelbörse wurde früher nie von Menschen im Rollstuhl besucht, also schien die Barreierfreiheit für diesen Bereich verzichtbar. Das Dach hat die Nachbarschafthilfe zwar schon wegen des erforderlichen Brandschutzes saniert, die Räume dort oben werden aber nicht genutzt. „Wir hätten Balken einziehen müssen – aber so viel kostet das auch nicht.“

Im Seefelder Bauamt ist nicht ganz klar, wo die angebliche Kostenschätzung mit 1,17 Millionen Euro herkommen soll. „Dazu gibt es bei uns keine belastbare Kalkulation“, wundert sich Bauamtschefin Imke Friedrich. Es habe lediglich ein statisches Gutachten zu dem Haus gegeben. „Wir haben uns nicht lange mit dem Thema beschäftigt, weil sich sehr bald schon die Lösung mit der Nachbarschaftshilfe abgezeichnet hat.“ Abgesehen davon unterliege eine Gemeinde bei Bauvorhaben anderen Anforderungen. Friedrich: „Wir müssen immer komplett sanieren.“ Auch Bürgermeister Gum wird nicht müde zu beklagen, dass die öffentliche Hand bei Bauvorhaben immer wieder kostentechnisch zu stark belastet wird.

Ende gut, alles gut. 300 000 Euro zahlt die Gemeinde für das Projekt, 50 000 Euro übernimmt die Nachbarschaftshilfe. Dass es so günstig geworden ist, darüber freut sich Imke Friedrich sehr. „Es ist toll, dass das so gut gelaufen ist. Und ich gehe bald rüber und schaue mir das an.“

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