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Gut ausgerüstet: Oberaltings Bezirksliga-Fußballer mit dem ausgefallenen Werbebanner und WSW-Chef Klaus Müer (vordere Reihe, l.). 

Wirtschaft

Mitarbeitersuche auf dem Fußballplatz

Oberalting – Das große Banner im Stadion des TSV Oberalting fällt vollkommen aus dem Rahmen. „Das ist ein bisschen was anderes“, meint auch Kurt Schwalbach, als er die Werbebande mit der blauen Schrift auf weißem Grund noch einmal genau mustert. Ungefähr 50 Sponsoren zählt der Abteilungsleiter, die den Fußball-Bezirksligisten auf irgendeine Weise in dieser Saison unterstützen. Sie preisen ausnahmslos ihre Dienstleistungen und Produkte an. Nur das Unternehmen WSW Software, das in diesen Tagen von Krailling nach Gauting umgezogen ist, wirbt nicht für sich, sondern um Menschen. „Es ist das Einzige, das Arbeitsplätze anbietet“, sagt Schwalbach. Er ist selbst ein wenig fasziniert davon, dass sein Fußballplatz seit einem halben Jahr inoffiziell als verlängerter Arm der Agentur für Arbeit fungiert.

Der Mann ist ein Menschenfischer

Der Mann, der den grünen Rasen als Rekrutierungsbüro für potenzielle Angestellte nutzt, ist ein Menschenfischer. Als Teenager hat Klaus Müer die Pfarrjugend von St. Antonius und St. Vitus in Herdringen geleitet. 60 Kinder und Jugendliche organisierte der gebürtige Sauerländer in verschiedenen Gruppen. Er war mit so großer Leidenschaft dabei, dass er sich später auf einem Seminar für Spätberufene anmeldete. „Ich wäre auch ein ganz guter Priester geworden“, ist der heute 48-Jährige überzeugt. Sein Weg führte den Diplom-Kaufmann nicht an den Altar, sondern in die Wirtschaft. 2008 übernahm er zunächst in Kooperation, dann alleine die Geschäftsführung von WSW. Seit zwölf Jahren lebt er mittlerweile mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Seefeld. „Ich habe mich richtig integrieren können“, sagt er, was vor allem an seinen beiden Söhnen Max und Moritz und seiner Tochter Marie liegt.

Werbung im Fußballerjargon

Müer selbst ist über bescheidene Ansätze im Fußball nie hinausgekommen. „Du hast kein Talent“, schärfte ihm sein Vater schon früh ein. Also versuchte er sich im Marathon, wo er als 18-Jähriger eine ambitionierte Zeit aufstellte. „2:35:38 Stunden“, antwortet er wie aus der Pistole geschossen, obwohl das bereits drei Jahrzehnte her ist. Heute weist der Entwickler für Logistik und Automation ganz andere Bilanzen auf. 110 Mitarbeiter zählt sein prosperierendes Unternehmen. Nur hält der Bedarf an Arbeitskräften längst nicht mehr mit dem allgemeinen Aufschwung der Firma mit. „Wir würden gerne noch mehr Auszubildende aufnehmen“, verkündet Müer und schaut fast flehend durch seine Nickelbrille. Deshalb wirbt er auf den Trikots der Ersten Mannschaft und der C-Junioren sowie auf der Sportanlage des TSV im typischen Fußballerjargon mit der „Steilvorlage für deine berufliche Zukunft“.

Gesucht werden vor allem Berufsanfänger, die sich für den Job als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung oder als Kaufleute für das Büromanagement interessieren. Weitere 20 freie Stellen bietet das Unternehmen auf seiner Homepage im Internet an. Einige von ihnen sind schon seit Mai ausgeschrieben, aber immer noch unbesetzt. „München ist das Zentrum für Fachkräfte, die in unserer Branche dringend gesucht werden“, sagt Müer.

Praktika von einer Woche Dauer

Der Konkurrenzdruck ist hoch. An der Bezahlung oder den Arbeitsbedingungen scheitert es in der Regel nicht. „Die Leute, die einmal bei uns sind, haben wir für immer“, stellt der Chef klar. Er bietet einiges, das über die gängigen Standards hinausreicht: Eine legere Atmosphäre, einen Ernährungsberater, einen Fitness-Raum. „Wir motivieren viel zur Bewegung“, sagt er. Nur, wie lassen sich Berufseinsteiger in Bewegung versetzen? Azubi-Tage bieten einen Zugang, um an Realschüler oder Gymnasiasten heranzukommen. „Wenn die einmal bei uns sind, finden sie uns gut“, erklärt Müer. Er kommt den Schülern weit entgegen. Inzwischen bietet WSW sogar Praktika von nur einer Woche Dauer an, die sich bequem im Ferienplan der Pennäler integrieren lassen.

„Es ist uns wichtig, junge Leute kennen zu lernen“, sagt Müer und hofft auf Nachwuchs. Sein Werbebanner im Stadion von Oberalting hat auch b¦ereits die ersten Früchte abgeworfen. Ein Bewerber meldete sich und wurde prompt genommen.

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