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Reine Männerriege: Seefelds neuer CSU-Vorstand mit Stefan Kalski (stellvertretender Vorsitzender), Florian Ritzl (Schriftführer), Arnulf Daxer (Vorsitzender), Dr. Benjamin Klatte (stellvertretender Vorsitzender), Wolfgang Lubrich (stellvertretender Vorsitzender) und Gerhard Bönsch (Schatzmeister).

Politik

Paukenschlag  bei Seefelds CSU

Jahresversammlung mit Kampfabstimmung: Seefelds CSU hat überraschend ihre langjährige Vorsitzende abgewählt.

Hechendorf – Damit hatte niemand gerechnet. Völlig überraschend ist Doris Kramp-Cichon, langjährige Vorsitzende der CSU Seefeld, am Donnerstagabend abgewählt worden. Die Versammlung kürte mit Arnulf Daxer einen Nachfolger, der erst seit Kurzem in der Gemeinde lebt. Über das Thema Bürgermeisterkandidatur schwieg sich die CSU an diesem Abend aus.

Die auffällig gut besuchte Jahresversammlung im Seefelder Schloss begann zunächst unspektakulär. Zum Thema Bürgermeisterkandidatur äußerte sich Doris Kramp-Cichon (67) nebulös. „Es ist noch nichts spruchreif“, sagte sie nur auf Frage nach einer Nachfolge für Bürgermeister Wolfram Gum, der bekanntlich nach 30 Jahren als Bürgermeister nicht mehr kandidiert. Der designiert CSU-Landratskandidat Stefan Frey zollte Gum Respekt und war sich sicher: „Wenn er sich noch einmal zur Wahl stellen würde, würde er das glatt gewinnen, weil er einen guten Job macht.“

Aber von Weitermachen war gar keine Rede, im Gegenteil. Gum zog vor den gut 45 Besuchern Bilanz seiner sich dem Ende zuneigenden Amtszeit: „Bislang schuldenfrei, eine super Infrastruktur, schönste Kinderhäuser, ein modernes Schulhaus und gut ausgestattete Feuerwehrhäuser – das gilt es aufrechtzuerhalten.“ Allerdings werde auch sein Nachfolger damit zu kämpfen haben, dass große Firmen Einnahmen außerhalb der EU versteuerten. „Uns fehlen vier Millionen Euro“, ärgerte sich Gum. Ein neues Gewerbegebiet in Hechendorf auf dem Areal beim neuen Feuerwehrhaus könnte die Lücke schließen, betonte er.

Die bezahlbaren Wohnungen, die TQ-Systems dort für seine Mitarbeiter bauen wollte, wären eventuell neben dem ehemaligen Codello besser untergebracht – und dafür das Gewerbe eventuell am Oberfeld. Gum: „Das wird im Rahmen eines Ortsentwicklungskonzepts untersucht.“

Keine Mehrheiten mehr für die Gemeinderäte

Bis dahin also war alles wie immer. Dann ging es an die Wahl. Gum schlug Kramp-Cichon vor. Ein Mitglied brachte Arnulf Daxer ins Spiel. Er ist Direktor des Courtyard-Hotels im Asto-Park bei Gilching, 38 Jahre alt, am Chiemsee aufgewachsen und seit zwei Jahren in Hechendorf. Weitere Vorschläge für die verschiedenen Posten folgten.

Am Ende, nach geheimer Wahl, waren Teile des Vorstands ausgetauscht: 29 der 38 Stimmberechtigten wählten Daxer zum neuen Chef der CSU. Stellvertreter sind Stefan Kalski, Dr. Benjamin Klatte und Wolfgang Lubrich (je 33 Stimmen). Florian Ritzl wurde Schriftführer, Gerhard Bönsch blieb Schatzmeister. Die CSU-Gemeinderäte Christian Wagner, Sebastian Haberkorn und Christoph Preininger, zuvor als Beisitzer tätig, erhielten keine Mehrheiten mehr. Das galt auch für Vizebürgermeister Josef Schneider, Karin Wöll und Cichons Sohn Florian. Ebenfalls nicht mehr Mitglied des Vorstands ist die bisherige stellvertretende Vorsitzende Stefanie Erich. Die Namen der neuen Beisitzer wollte der neue Schriftführer „aus datenschutzrechtlichen Gründen“ nicht nennen.

Dankesworte fallen aus

Doris Kramp-Cichon kommentierte ihre Abwahl mit einem überraschten „sauber“. Mehr als 30 Jahre lang war sie Mitglied des Vorstands, die vergangenen 16 Jahre CSU-Vorsitzende. Unter ihrer Führung wuchs der Ortsverband im vergangenen Jahr um 25 neue Mitglieder auf 82 an. Der Altersdurchschnitt liege bei 56,1 Jahren, 13 Mitglieder seien zwischen 16 und 35 Jahren alt, hatte sie zuvor bei ihrem Bericht vorgerechnet. „Das ist gut für die Zukunft.“

Dankesworte von ihrem Ortsverband hörte sie an diesem Abend dennoch nicht. Und Arnulf Daxer reagierte völlig überrascht. Er habe auch nicht geahnt, dass ihn überhaupt jemand vorschlagen würde. „Das hätte ich nicht erwartet“, sagte er dem Starnberger Merkur. In der Union sei er seit seiner Jugend und er vertrete das Grün in der Partei. Mit Blick auf die Bienen, für die er auf dem Hoteldach Bienenstöcke aufstellte, bekannte er sich zum Volksbegehren Artenvielfalt. In Seefeld liege sein Augenmerk „auf dem grünen Charme“ des Aubachtals. Diesen zu erhalten wäre eine Aufgabe, die er angehen wolle.

Handstreichartiger Vorgang

Bürgermeister Gum war ehrlich irritiert: „Ich finde es sehr bedauerlich, dass eine Frau, die sich mehr als 30 Jahre hinweg um alle Belange des CSU-Ortsverbands mit Nachdruck gekümmert und viel bewegt hat, handstreichartig auf diese Art und Weise abgesetzt wird“, sagte er am Freitag. Er habe nichts gegen einen Generationenwechsel und Verjüngung, im Gegenteil. „Aber darüber hätte man vorher sprechen müssen.“ Er bedauere den gesamten Vorgang sehr, weil man in der Seefelder CSU in der Vergangenheit doch immer fair miteinander umgegangen sei. „Das ist nicht der Stil, den wir bisher gepflegt haben.“

mk/hvp

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