1. Startseite
  2. Lokales
  3. Starnberg
  4. Seefeld

Regional einkaufen mit den „Regioluzzern“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Hanna von Prittwitz

Kommentare

Eine Französin und ihr Produkt: Wahlhechendorferin Helen Gulde gründete den Frischekurier „Regioluzzer“.
Eine Französin und ihr Produkt: Wahlhechendorferin Elen Gulde gründete den Frischekurier „Regioluzzer“. © Annett von Loeffelholz 

Ein junges Unternehmen mit Sitz in Gilching will mit einem Online-Lieferdienst den bewussten und nachhaltigen Lebensmittelkonsum möglich machen. Bestellt werden kann ab sofort.

Hechendorf/Gilching – Wer seinen Wocheneinkauf nicht im Supermarkt erledigen, sondern Ware aus der Region kaufen möchte, ist auf dem Land ganz schön unterwegs. Schlimmstenfalls fährt er von einem Ort zum nächsten und sucht mehrere, verschiedene Geschäfte oder Hofläden auf. Die Wahl-Hechendorferin Elen Gulde bietet nun einen Lieferdienst an, der den Kunden diese Herumfahrerei abnehmen will und ausschließlich Produkte aus der Region anbietet. Beim Frischekurier „Regioluzzer“ ist der Name Programm.

Elen Gulde kommt eigentlich aus der Bretagne. „Dort dreht sich alles ums Essen“, sagt sie. Also landete die Agraringenieurin auch in der Lebensmittelbranche. Seit 15 Jahren ist die 40-Jährige in Deutschland, wohnte lange mit ihrer Familie in München und zog vor zwei Jahren nach Hechendorf aufs Land. Weil die Familie ein Kind adoptierte, verbrachte die zierliche Französin ein Jahr daheim. „Ich hatte mir da vorgenommen, qualitativ hochwertige Lebensmittel aus der Region zu kaufen“, erzählt sie. Und stellte fest: „Dafür muss man ganz schön durch die Gegend fahren. Ökologisch ist das nicht.“ Oftmals waren auch die Öffnungszeiten ein Problem. „Am Ende landest du doch wieder im Supermarkt. Ich wollte einfach für hier draußen neue Strukturen schaffen.“ Also entwickelte Gulde ein Konzept. Im Februar 2021 holte sie die Imkerin Zenet Frahm mit ins Boot. Sie besuchte die Produzentinnen, lernte deren Arbeitsweisen kennen. „Das Thema und die Strukturen sind komplex. Aber ich komme aus der Lebensmittelbranche, ich hatte einen Vorsprung“, sagt Gulde. Sie wusste Bescheid über Logistik und Lagerung, von Marketing ganz zu schweigen. Also mietete sie in Gilching ein Büro und Lagerflächen an. Im Oktober startete sie einen Versuchsballon mit Freunden und Verwandten.

Auf der Internetseite Regioluzzer.de können die Kunden nun ihr Lebensmittelpaket zusammenstellen. Zu den Produzentinnen und Produzenten zählen die Molkerei Scheitz in Andechs, die Metzgerei Ruf in Seefeld, der Konradhof in Unering, die Bäckerei Gürtner in Oberroth, die Bio-Brauerei Haderner Bräu und einige mehr. Weitere sollen hinzukommen, unter anderem auch „Gewürze der Welt“ aus Weßling. Die Ware kann auf der Online-Seite ausgewählt und bis 11 Uhr am Vortag bestellt werden. In einem wiederverwendbaren Pfand-Karton samt Kühltasche wird dienstags, donnerstags und freitags ausgeliefert – ins gesamte Fünfseenland bis Dießen und in den Münchner Süden. 80 Prozent der Produkte sind bio-zertifiziert beziehungsweise stammen von Höfen, die sich in der Umstellung befinden. „Unser Ziel ist ein Vollsortiment, das aus einem Umkreis von 50 Kilometern stammt. Nur in Ausnahmefällen weichen wir auf Nachbarlandkreise, Bayern oder Süddeutschland aus“, erklärt Gulde. „Die Kreise werden nur soweit gezogen, wie es absolut notwendig ist.“ Und auch wenn Oliven, Zitronen und Orangen aus Italien und Spanien kommen: „Flugware gibt es nicht.“ Mit der Testphase im Oktober war Gulde zufrieden. „Wir sind für den Regelbetrieb bereit, es kann losgehen.“

Auch interessant

Kommentare