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Einen ganzen Raum in ihrem Atelier im Seefelder Schloss widmet Nele Spari dem gefundenen Schmuckstück. Mittlerweile ranken sich ganze Mythen darum, wie die Kette verloren gegangen ist.

Schmuckstück aus Ammersee

Rätsel um einen verlorenen Schatz

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Seefeld – Ein Angler findet ein Schmuckstück im Ammersee. Der 62-Jährige weiß sofort, welche Künstlerin es entworfen hat. Der Beginn einer fantastischen Geschichte.

Im Hintergrund erzählt eine ruhige männliche Stimme von Poseidon, Zeus und dem Ammersee. Im Zentrum des Raumes steht ein Aquarium, darin ausgeleuchtet eine Kette. Als Nele Spari von dem Fund hörte, war ihr sofort klar: „Das muss was Großes, eine Geschichte sein.“ Die Künstlerin widmet der Geschichte einen Raum in ihrem Atelier im Seefelder Schloss. Begonnen hat sie im Frühjahr vergangenen Jahres. Beim Angeln sieht Edmund Prejlowski im seichten Wasser des Ammersees etwas funkeln. 

Finder mutmaßt: Vielleicht hat die Trägerin einen Kopfstand gemacht

So sieht die Kette aus.

Er erkennt: „Es ist kein Fisch, sondern ein Schmuckstück.“ Eines mit Wiedererkennungswert. „Ich dachte, das kann nur von Nele sein.“ Spari fertigt seit 19 Jahren Schmuckstücke an. Sie arbeitet mit Bergkristallen und allerlei Materialien. Bei der verlorenen Kette hat die Künstlerin einen Schmetterlingsflügel unterlegt. Die meisten ihrer Kunden sind Frauen, manche kommen sogar von weit her. „Ich mache nur Unikate“, betont Spari, „die Trägerin der Kette hat ein Zertifikat dafür.“ An die Kundin erinnert sie sich nicht. 

Die künstlerische Aufklärung dieser Geschichte hat aber längst begonnen. Finder Prejlowski ist involviert. Er glaubt: „Bestimmt hat es eine Kundin beim Baden verloren. Vielleicht hat sie einen Kopfstand gemacht.“ Wie bitte? Die Künstlerin erklärt: „Der Haken der Kette war zu. Das ist das Interessante an dieser Geschichte.“ Wie das 400 Euro teure Schmuckstück einfach so – und wie Spari glaubt über ein, zwei Winter – im Ammersee liegen konnte, hat eine 16-jährige Autorin aufgegriffen und eine Geschichte geschrieben. 

Besucher des Ateliers schreiben Geschichten nieder

Die Götter Poseidon und Zeus kämpfen, Europa steht für Frieden ein und verliert ob der Auseinandersetzung eine Träne. Als die Träne auf dem Ammersee auftrifft, verwandelt sie sich in das Schmuckstück. Spari hat die Geschichte von einem Sprecher vertonen lassen. Mittlerweile beschäftigen sich noch viel mehr Menschen damit. In dem Raum, in der die Kette ausliegt, können Besucher ihre Gedanken in einem Buch festhalten. Es ist gut gefüllt mit Bildern und Geschichten. 

Dabei sind ganz simple Erklärungen („Die Kette sollte zurück zur Künstlerin“) oder romantische Hintergründe – aber auch schreckliche Geschichten. „Den alten Sack, den ich mit über Bord geworfen habe, ham se zum Glück nicht gefunden“, schreibt ein Besucher. Humorvoller ist da ein anderer Schreiber: „Ein junger Mann erbat sich von einer Fee die Gabe, Frauen zu verstehen.“ Dafür gab die Fee dem Mann das Halsband. „Als der junge Mann es anlegte, erschrak er gewaltig. Schnell warf er es zurück in den See und wurde glücklich.“ Die Geschichten liefern Stoff für Filme, sagt Spari. Die ganze Geschichte sei dann zu Ende, „wenn die rechtmäßige Besitzerin kommt. Für sie bewahre ich den Schatz auf“. Nur die Trägerin könnte auflösen, wie die Kette wirklich verloren ging.

Aufruf: Wer kennt die Besitzerin?

Fällt Ihnen etwas zur Kette ein oder kennen Sie die Besitzerin? Schreiben Sie an redaktion@starnberger-merkur.de

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