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„Das gibt es so gar nicht mehr“: Seefelds Bürgermeister Wolfram Gum, hier mit Merkur-Redakteurin Hanna von Prittwitz, hängt an der Brockhaus-Edition, die auf einem Regal in seinem Büro steht. Die würde er schon gerne mitnehmen in den Ruhestand.

Jahresgespräch

Baustellen so weit das Auge reicht

2019 wird ein besonderes Jahr für die Gemeinde Seefeld. Aus mehreren Gründen.

Seefeld – Es wird ein Baujahr für die Gemeinde Seefeld. Und es ist das letzte Jahr in der Amtszeit von Bürgermeister Wolfram Gum (62). Ein Gespräch über jede Menge Baustellen und darüber, warum es leichter wird, wenn nach bald 30 Jahren das Amtsende in Sicht ist.

Klinik Seefeld

Die Sicherung der Klinik und die Realisierung eines 100-Betten-Neubaus im Ort, das hat Gum auch heuer beschäftigt. Allerdings hat die Gemeinde nichts mehr mitzureden. „Auf die Planungen haben wir überhaupt keinen Einfluss“, sagt Gum. Das Einzige, was die Gemeinde tun könne, sei, ihren Grund an der Hauptstraße herzugeben. „Und das tun wir natürlich.“ Wie berichtet, hatte Gum sich in der Bürgerversammlung im November sehr pessimistisch geäußert, was die Auswirkungen der „gigantischen Baustelle“ auf den Ort angeht. „Mir haben mittlerweile mehrere Seefelder gesagt, sie würden das mittragen. Dann soll es auch so sein.“ Er habe abgesehen davon keinen favorisierten Alternativstandort. „Wir warten jetzt den Bauantrag ab.“ Theoretisch könnte mit dem Bau sofort begonnen werden. Der Bebauungsplan jedenfalls gebe den Neubau her, „da müssen wir nichts ändern“.

Supermarkt

Wie berichtet, soll der Edeka-Supermarkt an der Seefelder Hauptstraße erweitert werden. Dazu wird der Anbau an das alte Seefelder Rathaus abgerissen. Auf dem Parkplatz hinter dem alten Gebäude entsteht dann der Neubau. Die Gemeinde wird den Parkplatz ihn im Zuge des Projekts verkaufen. Mittlerweile sind alle Unterlagen dazu unterschrieben, auch der Hausbesitzer und der Supermarkt seien sich, so Gum, einig. Allerdings muss der Bebauungsplan geändert werden. „Aber sobald wird den Bauantrag haben, werden wir damit loslegen.“ Gum hofft, dass die Bauarbeiten vielleicht schon im Herbst beginnen werden. „Das wird zwar auch eine große Baustelle. Aber ein großer Supermarkt ist wichtig für die Menschen in Seefeld.“

Mehrgenerationenwohnen und Pflegeheim

Die Maro-Wohnungsbaugenossenschaft baut an der Hedwigstraße in Oberalting ein Generationenwohnprojekt. die Gesamtplanung ist in trockenen Tüchern. Das Grundstück hat die Gemeinde an die Maro verkauft (wir berichteten), der Bebauungsplan ist in Arbeit.

Ulf Walliczek, Betreiber des Seniorenstifts Pilsensee, wird im kommenden Jahr auf der anderen Seite der gleichen Wiese, an der Ulrich-Haid-Straße, ein Pflegewohnprojekt realisieren. Auch diesem Projekt gingen lange Diskussionen und Wartezeiten voraus wie schon beim Mehrgenerationenwohnen. Den Bauantrag wollte Walliczek noch im Dezember einreichen. „Wenn der durch ist, kann er im Frühjahr eigentlich loslegen“, sagt Gum.

Kanalbau

Eins ist allen Projekten im Ortsteil Oberalting-Seefeld gemeinsam: Bevor die Gemeinde im Bereich Hedwigstraße/Meisterwiesen nicht den Kanal erneuert hat, geht eigentlich gar nichts. Im Mai hieß es gleich zwei mal binnen einer Woche Land unter. Zig Keller liefen voll, etwa 20 Haushalte waren betroffen. Der Gemeinde ist das Problem bekannt. Sie investiert mehrere Millionen Euro in den Ausbau des Netzes. Gum geht allerdings nicht davon aus, dass dies die Anlieger vor vollen Kellern bewahren wird. Der Kanal sei auf alle 30 Jahre wiederkehrende Starkregenereignisse ausgerichtet. „Aber die haben wir heute viel öfter.“ In den Diskussionen über die Bauprojekte Pflegeheim und Mehrgenerationenwohnen war die Entwässerung immer wieder ein Thema. Gum hofft, dass die Kanalarbeiten im Frühjahr zügig durchgeführt werden können, „damit wenigstens die Straßen in dem Bereich für den Baustellenverkehr frei sind“.

Feuerwehrhaus Hechendorf

Binnen kurzer Zeit ist das neue Gerätehaus für die Feuerwehr Hechendorf am Oberfeld in die Höhe geschossen – schräg gegenüber vom Einheimischenmodell. Die Verantwortung für das Projekt liegt in den Händen des Seefelder Kommunalunternehmens SeeKU. „Das scheint richtig gut zu funktionieren“, freut sich Gum. Wie berichtet, hat die Gemeinde das Tochterunternehmen gegründet, um Projekte wie das Feuerwehrhaus schneller und günstiger realisieren zu können. Mittlerweile sind auch die Fahrzeughalle samt Einfahrten und Toren fertiggestellt. Die Feuerwehr wird ihre nächste Weihnachtsfeier definitiv im neuen Heim feiern können.

Finanzen

Es fehlen mindestens zwei Millionen Euro in der Kasse. Zwar konnte eine Kreditaufnahme erneut vermieden werden, die Gemeinde ist seit 18 Jahren schuldenfrei. Von der Ausweisung großer Gewerbegebiete, wie es die Gautinger planen, hält Gum allerdings nichts. Die Gemeinde müsse sich zwar irgendwie finanzieren, „aber ich denke da nur an kleine Flächen für hochwertiges Firmen“. Allein die zahlreichen Betreuungseinrichtungen für Kinder würden für auch in Zukunft für hohe Personalkosten sorgen. Die finanzielle Lage sei „eine Herausforderung“. Gum kann sich nach wie vor trefflich darüber aufregen, dass die Politik in Berlin und Brüssel die Kommunen hängen lässt. Denn einer der größten Arbeitgeber in Seefeld hat seinen Firmensitz ins Ausland verlagert und spart nun Steuern, die der Gemeinde fehlen. „Es ist uns immer gut gegangen. Aber das wird schwierig.“

Neues Rathaus

Gum muss sich immer wieder anhören, dass er sich gerne mit einem neuen Rathaus ein Denkmal gesetzt hätte. „Dabei ist mir das so egal“, sagt er. „Schuldenfreiheit – das ist für mich ein Denkmal.“ Der Bürgermeister ist nach wie vor der Meinung, dass die Gemeinde einen Teil des Technologieparks, in dem die Verwaltung seit 2015 untergebracht ist, kaufen sollte. „Sollte es dann wirklich noch mal die Überlegung geben, ein neues Rathaus zu bauen, könnten wir den Technologiepark verkaufen und mit dem Geld einen Neubau finanzieren.“ Dass es mit dem Bau des neuen Rathauses nicht geklappt hat – es wurde im Oktober 2014 per Bürgerbegehren abgelehnt – hängt Gum nicht nach. „Politik ist die Kunst des Möglichen“, sagt er. „Du musst das finden, das machbar ist, mit dem Regeln im Einklang steht und von den Bürgern getragen wird.“ Vieles zeige sich erst, wenn man in die Tiefe gehe. „Überall musst du Widerstände überwinden.“ Immerhin: Die Gemeinde hat innerhalb des Technologieparks im gleichen Gebäudeteil, jedoch im Erdgeschoss, einen neuen Sitzungssaal bezogen (wir berichteten). „Für die nächsten 30 Jahre“, wie Gum betont.

Die Nachfolge

„Es ist leichter“, sagt Gum über sein letztes Jahr als Bürgermeister. „Ich werde jetzt noch die unangenehmen Dinge regeln, weil ich nicht auf meine Wiederwahl spekulieren muss.“ Dazu habe schon die Erhöhung der Gewerbesteuer von 290 auf 300 Prozentpunkte gehört (wir berichteten). „Auch die Ausweisung für Gewerbeflächen und die Ansiedlung – das ist alles für meine Nachfolger nicht in kurzer Zeit machbar und ich will keinen Stillstand.“ Zu den sich stets weiter verdichtenden Gerüchten, nach denen seine Frau Petra sich am Rennen um den Bürgermeisterposten beteiligen wolle, möchte er nichts sagen. „Fragen Sie mich das noch mal im Frühling.“

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