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Freuen sich auf Kinder und Jugendliche im Jugendhaus: (v.l.) Katharina Weyer, Luis Vicari, Elma Korajac, Philipp Leser und Nicolas Burner. 

Kinder und Jugend

Alles auf Anfang im Seefelder Jugendhaus

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Die Wände sind geweißelt, alles ist aufgeräumt: Das Seefelder Jugendhaus ist aus seinem fast zweijährigen Dornröschenschlaf erwacht. Alles auf Anfang, lautet die Devise. Dabei setzt die Gemeinde auf die Sozialpädagogin Katharina Weyer – und den neuen Jugendhausbeirat.

Seefeld – Hinter dem Seefelder Jugendhaus liegt eine bewegte Geschichte. Vor mehr als 40 Jahren als Lagerstätte für die Raiffeisenbank errichtet, war es später ein Feuerwehrhaus, bevor in den 1980er, 1990er Jahren die Gemeinde Geld in die Hand nahm und das kleine Häusl an der Mühlbachstraße zu einem Jugendhaus umbaute.

Für die Nachbarn folgten streckenweise anstrengende Zeiten. Denn die Jahre, in denen sich die Jugend dort zügelte, sind gezählt. Gelage mit Sachbeschädigungen, Lärm, Verkehr, Dreck und so weiter strapazierten die Nerven der Anwohner. 2006 kam der Sozialpädagoge Harry Mayr, der praktischerweise in der Nähe wohnte. Er hatte die Ausreißer unter den Jugendlichen gut im Griff, erließ auch mal ein Hausverbot, kündigte jedoch 2013. Sein Nachfolger fing gut an, verschwand dann aber spurlos.

Vor zwei Jahren startete die Gemeinde nochmals einen Versuch mit Selbstverwaltung. Das klappte wenige Monate mehr oder weniger, dann machten die Jugendlichen ihre Schulabschlüsse und verschwanden in alle Himmelsrichtungen. Nun setzt die Gemeinde auf Katharina Weyer. Die 54 Jahre alte Sozialpädagogin ist seit 1. Juli im Einsatz. Für Donnerstagabend hatte Seefelds Geschäftsstellenleiter Fritz Cording zum Pressegespräch geladen – mit Jugendlichen, Nachbarn, Verwaltung und Gemeinderäten.

Katharina Weyer wohnt in Planegg und war viele Jahre in der Verwaltung der Stadt Fürstenfeldbruck für die Kinder- und Jugendarbeit verantwortlich. Cording kennt sie aus seiner eigenen Zeit in der Fürstenfeldbrucker Stadtverwaltung. Daher wusste er auch, wen er unbedingt für die Jugendarbeit in Seefeld im Boot haben wollte. „Sie ist ein großer Glücksfall für uns.“ Die 54-Jährige hat eine Vollzeitstelle und ist auch für die Themen Integration und Obdachlosigkeit zuständig.

Weyer ist gleich mit viel Elan in ihren neuen Job gestartet. Dass binnen weniger Tage im Jugendhaus ein Ramadama mit mehreren Jugendlichen stattfand und beim Pressegespräch ein kompletter Jugendhausbeirat auf der Coach sitzt, überrascht auch Cording. Und liegt daran, dass die 15-jährige Elma Korajac zufälligerweise just in der Woche ein Praktikum in der Gemeinde Seefeld machte, in der Weyer gerade angefangen hatte.

Elma gründete flugs eine Whattsapp-Gruppe, trommelte Freunde zusammen und hat überhaupt schon sehr viele schöne Ideen für das Haus. Gemeinsam mit Luis Vicari (16), Nicolas Burner (17), Philipp Leser (15) und Seneh Ünlü (15) bildet sie den Jugendhausbeirat, der in Zukunft an drei Nachmittagen in der Woche Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre dazu einlädt, dem Jugendhaus neues Leben einzuhauchen.

Sie wollen Hausaufgabenhilfe anbieten und Lerngruppen für die Schule organisieren, spielen, chillen, Musik hören. An einem Tag in der Woche sollen die Hortkinder willkommen sein. „Mit denen wollen wir spielen, ab und zu kochen und so weiter“, sagt Elma. Im Partyraum stehen ein Kicker und ein Billardtisch bereit, es gibt eine Musikanlage. Vor allem aber soll das Häuschen ein Treffpunkt für alle Jugendlichen der Gemeinde Seefeld sein. „Das ist kein Haus für Oberalting“, stellt Cording klar.

Drei-, viermal im Jahr dürfen die Jugendlichen an der Mühlbachstraße bis 24 Uhr feiern. Bier und Sekt werden nur gegen Vorlage des Personalausweises ausgegeben. Katharina Weyer ist immer vor Ort. Bei den Nachbarn ist dennoch eine gewisse Skepsis zu spüren. „Wir werden es nicht tolerieren, wie es damals war“, stellt Peter Obermeier fest, der mit seiner Frau Angelika und Sohn Dominik (17) am Pressegespräch teilnimmt. Nachbar Michael Ruhdorfer wäre es am liebsten, es würde im Jugendhaus überhaupt kein Alkohol getrunken. „Das wird hier keine Partymeile“, versichert Cording. Und Weyer verspricht: „Wir werden immer im Gespräch bleiben und vor Ort sein.“

Gefeiert wird der Neuanfang am Freitag, 13. September. Das Eröffnungsfest für die 14- bis 18-Jährigen dauert von 19 bis 24 Uhr. Das Jugendhaus ist ab sofort immer mittwochs, donnerstags und freitags von 16 bis 19 Uhr geöffnet. Katharina Weyer ist in der Gemeindeverwaltung unter  (0 81 52) 79 14 17 erreichbar.  

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