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Was wird aus dem Klinikum Seefeld? Die Frage nach dem Standort ist nach wie vor unbeantwortet.

Auftakt zur Klinik-Standortsuche

  • Hanna von Prittwitz
    vonHanna von Prittwitz
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Das Thema spielte nur am Rande eine Rolle, doch es birgt jede Menge Zündstoff: In der jüngsten Sitzung des Seefelder Gemeinderats brachte Peter Schlecht (FWG) die Zukunft der Klinik Seefeld zur Sprache. Und die Wahlkampfversprechen der Fraktionen.

Seefeld – Bekanntlich hat der Landkreis Starnberg die Klinik Dr. Schindlbeck gekauft. Seither prüfen Fachleute, ob sich die Kliniken zusammenlegen, beziehungsweise an den jeweiligen Standorten mit Blick auf eine Fusion erweitern lassen. „Alle Fraktionen haben sich für den Erhalt der Klinik ausgesprochen“, sagte Schlecht. Bei der Klinik Seefeld sei der Sachstand mittlerweile der, dass eine Zusammenlegung mit der Klinik Dr. Schindlbeck samt Erweiterung nicht möglich wäre. „Jetzt wird am Standort Schindlbeck in Herrsching geprüft. Ich halte es dort für genauso unmöglich.“ Der nächste Schritt sei, einen ausreichend großen Standort zu finden, der eine Klinik aufnehmen könne. „Wenn wir das Thema ernst nehmen, müssen wir uns jetzt auf die Suche nach einem Standort machen und ihn vorbereiten, also mit Grundstückseigentümern sprechen et cetera.“ Da bestehe Handlungsbedarf.

Bürgermeister Klaus Kögel verwies auf den Ortsentwicklungsprozess: „Der läuft ja noch, und ich würde das Thema dort gerne mitdiskutieren lassen.“ Denkbar sei auch eine Art Task Force für Themen wie diese, in denen Gemeinderäte und Mitglieder des Lenkungskreises die Themen voranbrächten. Petra Gum (FWG) betonte, dass es ein großes Anliegen sei, dass die Klinik im Ort bleibe. Und sie stellte auch die Frage, ob Krankenhäuser in Coronazeiten wirklich rentabel sein müssten. „Ist ein Plus da immer notwendig?“ Auch Nikolas Rathert (Grüne/BI) bezweifelte die Notwendigkeit, als Klinik gewinnorientiert wirtschaften zu müssen. Dies werde auch bei anderen Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen nicht eingefordert. Im Gegensatz zu Schlecht und Gum hielt er die Angelegenheit aber nicht für ein Seefelder Thema: „Es sollte interkommunal besprochen werden“, sagte er. Was Gum dazu veranlasste, auf die 150 Jahre Geschichte der Seefelder Klinik im Ort hinzuweisen. Ein längerer Disput blieb aus.

Das Thema bietet dennoch Zündstoff. Die Gründung der Bürgerinitiative Eichenallee basiert auf dem damaligen Ansinnen, eine Fläche nahe der Eichenallee hinsichtlich eines Krankenhausneubaus zu prüfen. Jedenfalls hatte die Mehrheit des Gemeinderats die vorsorgliche Herausnahme als Grünzug aus dem Regionalplan beantragt. Dagegen machte die Bürgerinitiative Eichenallee mobil und sammelte mehr als 1200 Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Auch der regionale Planungsverband erachtete eine zweckgebundene Herausnahme aus dem regionalen Grünzug als nicht möglich. Das war 2017.

Nun steht alles wieder auf Anfang. Bürgermeister Kögel sprach gegenüber dem Starnberger Merkur von einem auch „sehr emotional behafteten Thema“. Er strebe ein Gespräch mit dem Klinikchef Dr. Thomas Weiler an, „mit ihm würde ich mich sehr gerne abstimmen“. Er könne sich jedoch nicht vorstellen, dass die betriebswirtschaftliche Komponente langfristig eine kleinere Rolle spiele, im Gegenteil. „Ein Krankenhaus, das Millionen verschlingt, wird sich auf Dauer nicht darstellen lassen.“ In Seefeld eine Fläche zu finden, auf der sich die Kliniken zusammenlegen ließen, sei allerdings ein Problem. „Ich will mich dem nicht verschließen, dass wir Flächen anbieten. Aber ich sehe das kritisch, auch mit Blick auf den Verkehr für eine Klinik dieser Größe.“ Die interkommunale Zusammenarbeit halte er für wichtig, mit anderen Gemeinden in einen Wettstreit zu gehen, für wenig sinnvoll.

Schlecht erinnerte auch an die Ankündigung aller Fraktionen, sich in der Gemeinde Seefeld für günstigen Wohnraum einzusetzen. Er nannte dabei den Bebauungsplan am Kriegerdenkmal in Hechendorf. Dort gebe es Flächen, „die man sich mal anschauen sollte“.

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