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Robert Holy lebt das Harley-Gefühl. Zusammen mit anderen Motorradfahrern organisiert er die jährliche Motorradweihe im Kloster Andechs. 

Motorradweihe in Andechs

Gemütlich Gas geben mit Gottes Segen

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In langen Kolonnen werden Anfang Mai Biker nach Andechs fahren – zur jährlichen Motorradweihe. Einer von ihnen ist immer Robert Holy aus Seefeld.

Seefeld/Andechs – Als er 16 war, ging es Robert Holy nur darum, mit seinem Moped von A nach B zu kommen. Heute ist der Wahl-Seefelder 54, fährt eine Harley-Davidson und genießt vor allem das Gefühl beim „Cruisen“, wenn er von der Arbeit abschalten kann und den Kopf richtig frei bekommt. Freiheit hat das Motorradfahren für ihn aber bereits in seiner Jugend bedeutet. „Ich habe damals in einem Dorf in der Nähe von Donauwörth gewohnt und meine Eltern hatten genug davon, mich ständig irgendwo hinzufahren“, erzählt Robert Holy. „Deshalb habe ich ein Moped bekommen.“ Holy weiß um die Gefahren des Motorradfahrens – deswegen organisiert er mit anderen Harley-Fahrern eine Weihe in Andechs.

Mittlerweile ist der 54-Jährige kaum noch in schwäbischen Dörfern unterwegs. Am liebsten fährt er in den USA Motorrad. „Sowohl im Osten als auch im Westen“, erzählt Holy. „Im Herbst geht es zum Biketoberfest nach Daytona Beach in Florida.“ Vorher erkundet er mit Ehefrau Heidi und Tochter Christina Alabama, Louisiana und Missouri – natürlich auf dem Motorrad. Aber auch für Routen im Fünfseenland kann sich Robert Holy begeistern. „Um Seefeld herum gibt es wunderschöne Strecken“, sagt er. „Und auch von Weilheim aus in Richtung Berge.“

Anfang Mai findet im Kloster Andechs die jährliche Motorradweihe statt 

Auf einen ganz besonderen Berg fahren er und viele andere Biker Anfang Mai. Dann findet am Kloster Andechs die jährliche Motorradsegnung statt. „Abt Johannes gestaltet die Segnung immer sehr schön“, erzählt der Seefelder. „Er wünscht uns alles Gute für die kommende Saison und ermahnt uns auch, vorsichtig zu fahren.“ 175 Motorradfahrer ließen ihr Gefährt vergangenes Jahr am Heiligen Berg segnen. „Das ist schon immer sehr beeindruckend“, findet Robert Holy. Ein gutes Gefühl gebe die Segnung allen Bikern – auch denen, die nicht religiös seien, sagt der 54-Jährige. Er selbst bezeichnet sich als christlich, ist aus der katholischen Kirche aber mittlerweile ausgetreten. „Meine Frau und meine Tochter sind evangelisch, mit ihnen gehe ich etwa drei- bis viermal im Jahr zum Gottesdienst“, sagt Robert Holy.

Mit seiner Frau Heidi und Tochter Christina war Robert Holy in Kalifornien unterwegs - natürlich auf dem Motorrad. 

Zwar hat er die Motorradsaison schon vor der Segnung eingeläutet, doch mit göttlichem Beistand fühlt sich der Seefelder, der als Manager bei einem internationalen Software-Unternehmen arbeitet, wohler. „Man liest ja immer viel, und wir Motorradfahrer sind einfach stärker gefährdet als Autofahrer, weil wir kein Blech außenrum haben.“ Um sicherzugehen, dass er nach jeder Fahrt unversehrt zu Hause ankommt, vertraut Robert Holy allerdings nicht nur auf Gottes Segen. Jedes Jahr nimmt er an einem ADAC-Fahrsicherheitstraining speziell für Motorradfahrer teil. „Außerdem halte ich mich genau an die Verkehrsregeln und versuche, weder auf Teufel komm raus zu überholen, noch geschwindigkeitsmäßig alles aus meiner Maschine rauszuholen, was geht“, sagt Robert Holy. „Harley-Fahrer sind eher gemütlich.“

Robert Holys Frau Heidi ist begeisterte Mitfahrerin

Diese Einstellung ist wohl auch der Grund, warum seine Frau Heidi das Hobby ihres Mannes gelassen nimmt. „Sie ist da sehr entspannt und eine begeisterte Mitfahrerin“, erzählt der 54-Jährige. Auch Tochter Christina kann Papas großer Leidenschaft viel abgewinnen. Die 16-Jährige macht den A1-Führerschein und nimmt – wenn alles klappt – mit ihrem eigenen Gefährt an der Segnung teil.

Wenn Robert Holy nicht mit seiner Familie unterwegs ist, dann höchstwahrscheinlich mit Mitgliedern der „Harley Davidson Freebikers Munich & Friends“. „Das ist eine Facebook-Gruppe mit insgesamt 480 Mitgliedern“, erklärt er. Über das soziale Netzwerk organisieren die Gruppenmitglieder die Motorradsegnung, ein Sommerfest und regelmäßig Touren, bei denen etwa 15 bis 20 Teilnehmer mitfahren. „Eine Harley-Gruppe findet sich immer“, erzählt Robert Holy, der den Zusammenhalt in seiner Bikergruppe schätzt. „Ich sage oft, man wird älter, man wird gemütlicher, dann kauft man sich eine Harley und kauft damit vor allem dieses Harley-Gefühl. Die Maschine bekommt man mit dazu.“

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