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Seefeld, wie schaut die Zukunft aus? Die Kirche St. Peter und Paul in Seefeld spiegelt sich in einer Sonnenbrille.

Bürgerdialog zur Ortsentwicklung

Lange Liste mit Stärken und Schwächen

  • Hanna von Prittwitz
    vonHanna von Prittwitz
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Das war eine Fleißarbeit: Mehr als 450 Beiträge aus der Auftaktveranstaltung zum Seefelder Bürgerdialog sind digitalisiert. Auf einer 24-seitigen „Pinnwand“ lässt sich im Internet nachlesen, wo die Bürger in Seefeld der Schuh drückt. Und auch, was sie an ihrer Gemeinde mögen.

Seefeld – Auf Kärtchen hatten die Bürger bei der Auftaktveranstaltung zum Bürgerdialog am 10. Juli aufschreiben sollen, was sie gut und was sie weniger gut finden und vor allem, was sie sich wünschen (wir berichteten). Mehr als 450 Kärtchen klebten am Ende des Abends auf den im Bürgerstadl verteilten Stellwänden. Die Auswertung im Internet zeigt nun: Die Seefelder sehen auch die Stärken ihrer Heimat, jedenfalls gibt es immerhin an die 100 positive Beiträge. „Wir sind privilegiert durch die Landschaft. Diese gilt es zu erhalten“, heißt es zum Beispiel.

Die Bürger wertschätzen kleine Badeplätze wie „Zur Wurzn“ oder das gemeindliche Badegelände am Wörthsee sowie die Wasserqualität. Und sie mögen die historische Baukultur in den alten Ortsteilen und das Schloss. „Wenn man mal Wohnraum hat, bietet Seefeld eine hohe Lebensqualität“, heißt es, oder „In Seefeld ist naturnahes Wohnen möglich“. S-Bahn-Anschluss und ÖPNV-Angebot seien „eine echte Stärke“. Das neue Halteverbot entlang der Hauptstraße wird begrüßt. Auch für den Fahrradparkplatz am S-Bahnhof gibt es Lob.

Zu weiteren Stärken zählen laut Pinnwand eine gut ausgebaute Kinderbetreuung und ein tolles Kulturprogramm im Schloss Seefeld. Initiiert von einem der vielen „gut strukturierten Vereine mit hochmotivierten Mitgliedern, die das Dorfleben und das Miteinander gestalten“. Dabei gibt es explizites Lob für die Arbeit der Nachbarschaftshilfen und der Sportvereine. Zufrieden sind die Bürger auch mit der ärztlichen Versorgung: „Ein Krankenhaus am Ort ist sensationell und ein unschätzbarer Luxus.“

Aber natürlich gibt es auch einiges zu kritisieren. Allein 138 Beiträge befassen sich kritisch mit dem Thema Verkehr, dabei steht die Seefelder Hauptstraße im Mittelpunkt: zu viele Autos, zu wenig Platz für Fußgänger und Radler, zu wenig Tempo-30-Zonen, aber auch zu wenige Parkplätze sind die meistgenannten Themen. Neben Zebrastreifen und Begrünung wünschen die Bürger die Einführung von „Shared Space“, also ein gleichberechtigtes Miteinander aller Verkehrsteilnehmer, flankiert von baulichen Maßnahmen.

Auf mehr als 90 Karten beklagen die Bürger mangelnde Ambitionen in Sachen Umweltschutz, von Flächenfraß über fehlende ökologische Bauweise und Blühwiesen bis zum Umgang mit Ausgleichsflächen. Sie wünschen sich einen Umweltreferenten, den „Erhalt der Landschaft und keine Vermaisung“ (also den immer stärkeren Anbau von Mais) und finden, dass die Landwirtschaft ihrer ökologischen Verantwortung nicht gerecht wird. Sie vermissen konsequenten Gewässerschutz, eine ökologische Bewirtschaftung der kommunalen Wälder und auch die Definition von Tabu-Flächen.

Anderen geht das wiederum zu weit: „Meiner Meinung nach gibt es zu viele Naturschutzflächen, deshalb ist der Raum für Gewerbe zu knapp“, schreibt ein Teilnehmer. Es gebe zu wenige Bemühungen, Gewerbe am Ort zu halten, und ohnehin zu wenige Flächen und Entfaltungsmöglichkeiten. Ein anderer sieht die wirtschaftliche Abhängigkeit der Gemeinde von großen Unternehmen als Schwäche. Auch fehlender Wohnraum ist ein Thema, ebenso die hohe Anzahl unterbelegter Einfamilienhäuser.

Was das Miteinander betrifft, wünschen sich die Bürger einen besseren Zusammenhalt zwischen den Ortsteilen und insbesondere auch den Sportvereinen. Sie hätten gerne mehr Treffpunkte, Cafés und Spielplätze. Vermisst wird der gemeindliche Blick auf die Inklusion. Und beim Bau des neuen Feuerwehrhauses in Hechendorf beklagt ein Bürger „zu viel Lobbyismus“.

Nachzulesen ist dies alles im Internet unter www.ortsentwicklung-seefeld.de. Wer sich einbringen möchte, kann dies noch bis 16. September auch per Mail an anni.schlumberger@intefrata-stiftung.de oder schriftlich an Human IT Service GmbH, Vor dem Kreuzberg 28, 72070 Tübingen tun. Oder einfach in der Gemeindeverwaltung seinen Beitrag einwerfen.

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